Anne Kandler

 

 

"Es müssen Strukturen geschaffen werden,
damit Weiterbildung auch wirklich stattfindet."

Interview zur Kammerwahl

Warum setzen Sie sich besonders für die Ärztinnen ein?

Anne Kandler: Ich bin der Meinung, dass die Interessen von angestellten Ärztinnen und Ärzten zurzeit in der Landesärztekammer noch nicht genug vertreten werden. Von den 80 Delegierten in der Kammer vertreten bisher nur 19 Delegierte die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte und darunter ist nur eine Ärztin, das möchte ich ändern.  

Gerade Ärztinnen haben spezielle Bedürfnisse an den Arztberuf: Viele versuchen den Spagat zwischen Beruf, Kindern, Hausaufgaben und Fußballtraining zu schaffen, was nicht immer einfach ist.

Sie befinden sich selbst in der Weiterbildung. Wo sehen Sie noch Defizite für Frauen?

Kandler: In der Weiterbildung kann es besonders schwierig sein, wenn Ärztinnen Teilzeit arbeiten. Sie brauchen viel länger als ihre Kollegen, den Weiterbildungskatalog voll zu bekommen. Ich habe schon beobachtet, dass sie oft nicht die Operationen oder Unersuchungen machen können, die sie für die Weiterbildung brauchen.

Was muss sich ändern?

Kandler: Es müssen Strukturen für Frauen geschaffen werden, damit Weiterbildung auch wirklich stattfindet. Auch die Frauen müssen an sich arbeiten. Manche fordern meiner Ansicht nach zu wenig ein, was ihnen zusteht. Außerdem müsste mehr kommuniziert werden. Kollegen sollten dafür sensibilisiert werden, dass Frauen in der Schwangerschaft und danach in einer besonderen Situation sind. Das betrifft Eltern im Allgemeinen.

Aber muss sich nicht allgemein was an der Einstellung in der Klinik ändern?

Kandler: Ja, nicht nur Eltern sollten ihre Interessen durchsetzen, sondern auch der Single, der eine Verabredung zum Sport hat. Nicht nur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern von Freizeit und Beruf muss zur Normalität werden.

Was möchten Sie dazu beitragen?

Kandler: Ich möchte Ärztinnen und Ärzte aufklären, welche Rechte und Möglichkeiten wir haben. Und dafür werben, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen: so können offene Stellen besetzt werden und die Einhaltung von geregelten Arbeitszeiten ist möglich, weil nicht zuviel Arbeit auf zu wenigen Köpfe verteilt wird.

Sie sind selbst Mutter, haben Sie Anregungen, wie Ärzte die Balance Job und Kind meistern können?

Kandler: Am wichtigsten ist eine gute zeitliche Struktur. Eine gute Organisation ist aber nur möglich, wenn ich verbindliche Arbeitszeiten habe. Außerdem ist die Unterstützung des Partners oder der Familie enorm wichtig. 

In welchen Bereichen sollte sich die Kammer für die Belange speziell der Ärztinnen einsetzen?

Kandler: Die Kammer sollte Rahmenbedingungen schaffen, die Weiterbildung für Ärztinnen und Ärzte mit Familie möglich machen. Die Weiterbildungsinhalte sollten auf Praxistauglichkeit überprüft und angepasst werden.

Den Marburger Bund sollte man wählen, weil er die einzige Organisation ist, die sich für  angestellte Ärztinnen und Ärzte einsetzt.

Aktuelle Position:
Weiterbildung Neurologie am Klinikum Fulda

Zur Person:
Anne Kandler arbeitet seit 2012 als Ärztin in Weiterbildung zur Fachärztin für Neurologie am Klinikum Fulda.

Vor ihrem Medizinstudium in Marburg hat sie im kaufmännischen Bereich gearbeitet. 
Während des Studiums war sie von 2008 an stellvertretende Vorsitzende im MB Sprecherrat der Medizinstudierenden. Sie ist Mitglied im Arbeitskreis Vereinbarkeit von Familie und Beruf im MB Bundesverband.

Kandlers Hauptinteresse liegt in den Themen:

  • Qualität der Lehre im Medizinstudium
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Qualität und Struktur der Weiterbildung

Sie ist verheiratet und hat ein Kind.