Frank Seibert-Alves

 

 

"Die Erwartungen und Ansprüche der
Studierenden haben sich verändert."


Aktuelle Position:

Leiter des Bereichs Vorklinischer Studienabschnitt im Dekanat des Fachbereichs Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Zur Person:

Frank Seibert-Alves hat zunächst eine Ausbildung zum Chemielaboranten gemacht und arbeitete in der medizinischen Forschung (damals Hoechst AG). Dann studierte er Medizin in Frankfurt und London (University College and Middlesex School of Medicine - zweites klinisches Jahr mit Jahresstipendium des DAAD sowie The Medical College of Staint Bartholomew’s Hospital - Abschluss: Bachelor of Medical Science) - mit Famulaturen an der Charité, in London, Braga (Portugal) und Lincoln (England).

Er ist Mitglied der British Medical Association (BMA) und als Arzt beim General Medical Council (GMC) in Großbritannien registriert. Er arbeitete mit an dem Thieme-Buch “Physikum EXAKT” und gründete und leitete einen kleinen medizinischen Fachverlag in London “clear Answer Medical Publishing Ltd.”

Seit 1989 ist er für das Dekanat des Fachbereichs Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität als studentische, dann wissenschaftliche Hilfskraft und schließlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Derzeit ist er dort für das vorklinische Studium und die Tutoriate des Fachbereichs sowie für die Geschäftsführung des Studienausschusses zuständig.

Er hat einen Lehrauftrag im Bereich “Biologie für Mediziner” an der Goethe-Universität. Im Jahr 2010 hat Seibert-Alves den Preis für besonderes Engagement in der Lehre für das Propädeutikum für Studieninteressierte der Medizin und Zahnmedizin aus Nicht-EU-Ländern erhalten. Er ist außerdem Vorsitzender des Ausschusses Studierendenauswahl der GMA (Gesellschaft für Medizinische Ausbildung).

Aktiv im MB:
Mitglied im MB ist er seit dem PJ und ist in den Frankfurter Bezirksverbänden seit 2007 aktiv: zunächst als Beisitzer, dann als 2. Vorsitzenden des Bezirksverbandes Frankfurt/M II und seit 2011 ist er Vorsitzender.

Aktiv in der Ärztekammer:
Er ist Mitglied der aktuellen Delegiertenversammlung der Landesärztekammer.

Interview zur Kammerwahl

Sie arbeiten im Dekanat an der Frankfurter Goethe-Uni. Was hat sich in der medizinischen Ausbildung in den letzten Jahren positiv entwickelt?

Frank Seibert-Alves: Ein Punkt ist, dass sich die Ausbildung für Studierende aus Nicht-EU-Ländern enorm verbessert hat. Diese Studierenden sind früher sehr schlecht zurechtgekommen. Jetzt haben sie die Möglichkeit, sich vor Studienbeginn in einem 17 Wochen langen Kurs auf Physik, Chemie, Biologie und Deutsch vorzubereiten. Für dieses Propädeutikum habe ich mich sehr eingesetzt. Am Ende gibt es dann einen fachspezifischen Studierfähigkeitstest.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Seibert-Alves: Wir sollten weitermachen und uns noch stärker um die Gruppe kümmern, die schon sechs Jahren oder noch länger auf einen Studienplatz gewartet hat. Diese Studierendengruppe ist dann schon einige Jahre aus der Schule und oft auch aus dem Lernen draußen und braucht häufig Unterstützung, um im Studium zurechtzukommen.

Sie haben in Deutschland und Großbritannien studiert. Was ist an der Ausbildung in Großbritannien besser?

Seibert-Alves: Ich habe mein zweites klinisches Jahr in London absolviert und später dort noch einen Bachelor of Medical Science gemacht. Zum einen hatten die Unis in Großbritannien erheblich weniger Studierende und die Betreuung war intensiver, zum anderen war die Ausbildung damals auch erheblich praxisbezogener und patientenorientierter als in Deutschland. Das hat sich in den letzten Jahren aber auch hier stark verbessert.

Sie haben viel Kontakt mit den Studenten. Haben sich die Erwartungen an den Arztberuf verändert?

Seibert-Alves: Es ist heute einfacher eine ärztliche Stelle zu bekommen, daher haben sich auch die Erwartungen und Ansprüche der Studierenden geändert.

Was muss sich noch ändern?

Seibert-Alves: Um auf die anstehende Kammerwahl zu kommen: Wir sollten die Studierenden spätestens gegen Ende des Studiums darüber informieren, warum die Landesärztekammer und das Versorgungswerk wichtig sind und welche Funktionen sie haben. Denn die wenigsten Studierenden wissen über die Kammer und deren Aufgaben Bescheid.

 Den Marburger Bund sollte man wählen, weil er die einzige Vertretung der angestellten Ärztinnen und Ärzte ist und deren Interessen wahrnimmt.