Dr. Susanne Johna

 

 

"Wir Ärzte setzen die Maßstäbe,
nicht die Ökonomie."

 

Zur Person:
Dr. Susanne Johna hat sich in ihrer Assistenzarztzeit an den Städt. Kliniken Osnabrück (1991-2000) mehrere Jahre als Assistentensprecherin für Überstundenvergütung, Einhaltung der Weiterbildungsverpflichtung durch die Chefärzte und die adäquate Einstufung des Bereitschaftsdienstes eingesetzt.

Sie ist Internistin und Krankenhaushygienikerin und arbeitet als Oberärztin für Krankenhaushygiene für das St.Josef-Hospital Rheingau in Rüdesheim.

Zudem hat sie ein berufsbegleitendes Studium der Gesundheitsökonomie an der European Business School erfolgreich abgeschlossen.

Aktiv im MB:
Seit 1996 ist sie Mitglied im MB und hat sich nach ihrem Umzug nach Wiesbaden, Ende 2000, aktiv im MB engagiert und ist 2003 zur stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Wiesbaden gewählt worden. Im September 2005 wurde sie zur Bezirksvorsitzenden Wiesbaden gewählt. Im Oktober 2013 wurde sie in den Vorstand des Landesverbands Hessen und am 15. November 2013 zur Landesverbandvorsitzenden gewählt. Auf der 130. Hauptversammlung des MB im November 2016 wurde sie in den Bundesvorstand gewählt.

Aktiv in der Ärztekammer:
Seit 2004 ist sie Mitglied der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen (LÄKH). In der Legislaturperiode 2013 – 2018 hat sie die Delegiertenversammlung in das Präsidium der Landesärztekammer gewählt. Sie vertritt die LÄKH in der regionalen Gesundheitskonferenz Wiesbaden-Limburg, im Landeskrankenhausausschuss, im Hygienebeirat sowie in der Arbeitsgruppe ambulant und stationäre Versorgung in der Bundesärztekammer. Im Mai 2016 wurde Sie in den Vorstand der Bundesärztekammer gewählt.

Für die Legislaturperiode 2013 bis 2018 ist sie als Beisitzerin ins Präsidium gewählt worden.

Meine berufspolitischen Schwerpunkte sehe ich

  • in der Schaffung von sozial- und gesundheitsverträglichen Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte unter besonderer Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • in dem Einbinden von möglichst vielen Kollegen in berufspolitische Aktivitäten, da ich es für entscheidend halte, dass maßgebliche Positionen in der Gesundheitspolitik durch ärztliche Kolleginnen und Kollegen besetzt werden, die über den Tellerrand ihres eigenen Fachgebiets hinausschauen und beurteilen können, wie der medizinische Alltag in Klinik und Praxis tatsächlich aussieht,
  • in der Rückführung des ärztlichen Berufs auf medizinische Tätigkeiten und der Entlastung von Verwaltungsaufgaben und in der Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes.

Interview zur Kammerwahl

Warum ist die Landesärztekammer für die Ärzte wichtig?

Dr. Susanne Johna: Die Kammer ist die einzige Vertretung aller Ärzte. Wir haben zum Glück diese Selbstorganisation und können zum Beispiel unsere Berufsordnung oder Weiterbildungsordnung selbst festlegen. Auch die Förderung der ärztlichen Fortbildung ist Aufgabe der Landesärztekammer.

Welche Aufgaben übernimmt die Ärztekammer für das ärztliche Berufsbild?

Johna: Die Landesärztekammern vertreten gemeinsam mit der Bundesärztekammer die ethischen Leitlinien der Ärzteschaft gegenüber der Politik etwa bei Themen Sterbehilfe. In der Berufsordnung sind die Grundsätze unserer ärztlichen Tätigkeit festgelegt und es ist die Aufgabe der Landesärztekammer, über das Einhalten  dieser Grundsätze zu wachen.

Welchen Einfluss hat die Kammer auf die tägliche Arbeit der Ärzte?

Johna: Eine Auswirkung der Kammer auf die tägliche Arbeit spüren Ärzte oft nicht direkt. Vielen Kollegen fallen beim Stichwort Ärztekammer eher negative Dinge ein wie Überregulation oder Prüfungsgebühren. Die Landesärztekammer kann nur so gut sein, wie wir sie gestalten. Deswegen ist es wichtig, dass auch junge Kolleginnen und Kollegen sich hier berufspolitisch engagieren und mitgestalten.

Wie sieht es mit dem politischen Einfluss aus?

Johna:. Die Kammer selbst ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und vertritt keine allgemeinpolitische Position. Für die berufspolitische Vertretung der Mitglieder ist es aber wichtig, mit der Politik und insbesondere mit dem Gesundheitsministerium in Kontakt zu kommen.

Welches Thema möchten Sie in der kommenden Legislaturperiode vorangetrieben sehen?

Johna: Mir ist wichtig, dass die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzten wieder eine Rolle spielen. Diese sind in der letzten Legislaturperiode in den Hintergrund getreten. Die Weiterbildungsordnung muss so angepasst werden, dass Weiterbildungsinhalte auch wirklich erreicht werden können. Im Vergleich zu andern europäischen Ländern ist der Erwerb vieler Facharzttitel in Deutschland nur mit längeren Weiterbildungszeiten und höheren Anforderungen möglich.

Wo liegen Ihre persönlichen Schwerpunkte?

Johna: Da ich selbst auch Gesundheitsökonomin bin, liegt mir das Konfliktfeld „Ökonomische Anforderungen und ethische Grundsätze“ am Herzen. Wir müssen immer wieder daran denken, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient darauf beruht, dass sich der Patient darauf verlassen kann, dass sich ärztliche Entscheidungen ausschließlich am Wohle des Patienten ausrichten. Dieses Vertrauensverhältnis wird durch den Fokus auf betriebswirtschaftliche Interessen zerstört.

Welche Schwierigkeiten wird es in Zukunft geben?

Johna: Es besteht die Gefahr, dass in Zukunft aus dem Arztberuf eine gewöhnliche Dienstleistung gemacht wird. Auf Grund des Ärztemangels gibt es Bestrebungen, Anteile der ärztlichen Heilkunde an andere Berufsgruppen zu übertragen. Dadurch würden wir den Facharztstandard und damit unsere hohen qualitativen Anforderungen an die medizinische Versorgung in Deutschland aufgeben. Wir müssen uns dem entschieden entgegenstellen.

Seit wann sind Sie für den MB Hessen aktiv und warum engagieren Sie sich für die angestellten Ärztinnen und Ärzte?

Johna: In Hessen bin ich seit Ende 2000 aktiv. Ich glaube, dass Engagement auch eine Persönlichkeitsfrage ist. Als Assistentensprecherin habe ich vor vielen Jahren erlebt, dass es sich lohnt, sich für die eigenen Interessen einzusetzen. Der Marburger Bund hat erreicht, dass ärztliche Tätigkeiten gerechter entlohnt und Arbeitszeiten besser eingehalten werden. Aber natürlich möchten wir noch mehr erreichen.

Den MB sollte man wählen, weil es die einzige Liste ist, die die Interessen der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in der Kammer adäquat vertritt. Der Marburger Bund stärkt uns den Rücken, damit wir unseren Beruf in finanzieller Sicherheit frei ausüben können.

Aktuelle Position:
Oberärztin für Krankenhaushygiene für die SCIVIAS Caritas gGmbh am Krankenhaus St. Josef Rüdesheim, Gesundheitsökonomin (EBS)

HR Radiobeitrag Interview mit Dr. Susanne Johna


HR 1-Radiointerview mit Dr. Susanne Johna vom 22. Januar 2013 zum Thema "Deutschkenntnisse ausländischer Ärzte".

Quelle: Hessischer Rundfunk

Kommentar: Die Mittel sind begrenzt

Zu den Grundaussagen der Ökonomie gehört der Satz: „Die Mittel sind begrenzt, die Bedürfnisse aber unbegrenzt.“ Dieser Leitsatz lässt sich auf das Gesundheitssystem allerdings nur bedingt anwenden: Der erste Teil ist sicher richtig, aber ist es wirklich so, dass Menschen mehr Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nähmen, wenn der Zugang unbegrenzt wäre?

Ärzte gehen mit ihren Ressourcen schon alleine deshalb sparsam um, weil sie wissen, dass ihr Tag nur 24 Stunden hat und sie in ihrer Arbeitszeit viele Patienten behandeln müssen. Außerdem haben Ärzte heute den Anspruch, neben der Arbeit freie Zeit für Familie oder Hobbys zu haben.

Ebenso wissen sie, dass die finanziellen Mittel im Gesundheitssystem begrenzt sind. Den Ärzten bleibt also gar nichts anderes übrig als zu versuchen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, möglichst viele Patienten gut zu behandeln.

Die Schwierigkeiten, die mit diesem Bestreben verbunden sind, waren der Grund, warum ich mich mit dem Thema Gesundheitsökonomie näher beschäftige. Denn die Kenntnis ökonomischer Zusammenhänge ist hilfreich, um Lösungsansätze zu finden.

Wir müssen davon ausgehen, dass der medizinische Fortschritt und der demografische Wandel dazu führen werden, dass wir in Zukunft noch mehr Patienten behandeln müssen. Bei gegebener Mittelknappheit an Geld und ärztlicher Zeit lässt sich dies nur durch Effizienzsteigerung, Rationierung oder doch durch Erhöhung der Mittel ändern.

Bin ich nun eine Verfechterin der Ökonomisierung der Medizin? So wie diese heute überwiegend umgesetzt wird, definitiv nicht. Die Ökonomisierung ist längst über das sinnvolle Maß hinausgeschossen und zum Selbstzweck geworden. Sie entzieht Mittel aus dem Gesundheitssystem, um sich selbst zu erhalten: Etwa wenn Kliniken bei aufkommenden roten Zahlen ihr Heil in Beratungsunternehmen suchen, für deren  Empfehlungen Unsummen ausgeben werden, statt die eigenen Mitarbeiter zu fragen, wo diese Optimierungspotential sehen.

Es geht also nicht darum, ein Change Management auf Leitungsebene zu installieren, sondern sinnvolle Veränderungen aus der Mitarbeiterschaft zuzulassen. Ärzte und Pflegekräfte verlieren im Gegensatz zum Ökonomen nicht das eigentliche Ziel aus dem Auge: eine fachlich gute Behandlung mit persönlicher Zuwendung.

Der Betriebswirt hat eher das Ziel, nur die Patienten zu behandeln, bei denen die Differenz zwischen eingesetzten Mitteln und DRG-Erlös möglichst groß ist.

Dort wo sich Ärzte den betriebswirtschaftlichen Vorgaben unterwerfen, wo Therapiefreiheit eingeschränkt wird, opfern wir unsere Profession. Es ist unsere Aufgabe, Nein zu sagen, wo ökonomische Überlegungen zum Selbstzweck und Zuwendung zum Patienten als unnötig angesehen wird. Wir Ärzte sind die Profis und üben auch als angestellte Ärzte einen freien Beruf aus.