Dr. Silke Engelbrecht

 

 

"Ärzte müssen wieder Zeit haben,
sich um ihre Patienten zu kümmern."

Aktuelle Position:
Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie, Gesundheitszentrum Wetterau

Zur Person:
Dr. Silke Engelbrecht ist Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie am Gesundheitszentrum Wetterau. Nach dem Medizinstudium in Heidelberg, Mannheim und Mainz begann sie zunächst die Facharztweiterbildung für Chirurgie, bevor Sie in die Psychiatrie und Neurologie wechselte.

Während dieser Zeit hat sie sich als Assistentensprecherin für eine geringere Dienstbelastung und die Überstundenvergütung eingesetzt und wurde auch in den Betriebsrat gewählt.

Aktiv im MB:
Seit dem Studium ist sie Mitglied im MB.

„Meine berufspolitischen Schwerpunkte sehe ich

  • in der Verbesserung der ärztlichen Weiterbildung. Weiterbildung sollte zum einen fundiertes Wissen vermitteln, aber auch realistisch (Fallzahlen) bezogen auf die Weiterbildungszeiten sein.
  • in der adäquaten Vergütung und Rückbesinnung auf genuin ärztliche Tätigkeiten.
  • dem Kampf gegen Wirtschaftlichkeit als alleiniges Bewertungskriterium ärztlichen Handelns.

Und nicht zuletzt in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, denn die Mehrzahl der Studienanfänger ist heute weiblich und damit ist das Thema wichtiger als je zuvor.“

Interview zur Kammerwahl

Wieso engagieren Sie sich für den Marburger Bund?

Dr. Silke Engelbrecht: Nachdem ich lange Zeit „passives“ Mitglied im Marburger Bund war, engagiere ich mich aktiv seit dem Jahr 2010, weil ich es wichtig finde, die Einflussmöglichkeiten, die man hat, auch wahrzunehmen.

Was muss sich aus Ihrer Sicht im Klinikalltag ändern?

Engelbrecht: Die Arbeit im Krankenhaus muss besser organisiert werden: So sollten nichtärztliche Tätigkeiten an andere Berufsgruppen delegiert werden, um mehr Zeit für die eigentliche Aufgabe zu haben, nämlich sich um Patienten zu kümmern.

Wo sehen Sie Schwerpunkte für die kommende Legislaturperiode?

Engelbrecht: Bei dem Thema Frauen. Wir müssen versuchen, die Arbeitsbedingungen dahingehend zu ändern, dass teuer ausgebildete Frauen auch mit Familie die Möglichkeit der Berufsausübung haben. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist sicherlich, dass die Minimalzeit zur Anerkennung der Weiterbildung auf drei Monate reduziert
wurde.

Aber auch eine Tätigkeit unter 50 Prozent sollte Berücksichtigung finden. Die Weiterbildung von heute hat sich verändert, nicht nur aufgrund des zunehmenden Frauenanteils unter Ärzten, sondern auch wegen der gestiegenen Mobilität. Die Zeiten sind vorbei, dass alles so weiterlaufen kann wie bisher.

Welche Aufgabe hat dabei die Kammer?

Engelbrecht: Ich bin der Meinung, dass wir ärztliche Belange in die Hand nehmen müssen und uns nicht von der Politik diktieren lassen dürfen. Die Kammerarbeit spielt dabei eine wichtige Rolle. So legt sie zum Beispiel die Berufsordnung fest, die die Grundlage unseres Handelns ist. Wichtig ist, dass dort weiterhin ethische Grundprinzipien, die sich nicht an Wirtschaftlichkeit orientieren, festgehalten werden.

Welche Rolle spielt Wirtschaftlichkeit in Ihrer täglichen Arbeit?

Engelbrecht: Als Arzt muss man natürlich auch wirtschaftlich arbeiten und denken, aber nicht um jeden Preis. Meiner Meinung nach werden oft die kurzfristigen Effekte einer Maßnahme bei fehlender Einbeziehung der  langfristigen Konsequenzen überschätzt. Es ist schwierig, wenn Unternehmer mit Krankenhäusern Gewinne erwirtschaften wollen. Das Gesundheitssystem ist nicht für die Gewinne von Aktiengesellschaften zuständig, sondern für eine adäquate Versorgung aller in Deutschland lebenden Menschen.

Den Marburger Bund sollten Sie wählen, weil er die Interessenvielfalt der Ärztinnen und Ärzte am besten vertritt.