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Uniklinikum Marburg: Schwarze Zahlen auf dem Rücken der Beschäftigten

"Dass wir jetzt wirtschaftlich so erfolgreich sind, verdanken wir vor allem den Mitarbeitern, die die Arbeitsverdichtung mitgemacht haben". So wird der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Marburg Prof. Dr. Matthias Schrappe in der OP Marburg zitiert, als er in einer Pressekonferenz die Bilanz des Geschäftsjahres 2004 vorgestellt hatte. "Die Einsparung kommt nur durch die Mehrarbeit zustande", soll nach der selben Quelle der Dekan Prof. Dr. Bernhard Maisch hinzugefügt haben.

Damit wird der Vorwurf des mb hessen plastisch unterstrichen, der schon lange beklagt, dass ein drohender Zusammenbruch der stationären Krankenversorgung in Hessen nur durch hemmungslose und teilweise sogar gesetzwidrige Ausbeutung ärztlicher Arbeitskraft, vor allem in Form unbezahlter Überstunden und Marathondienste über das Limit des Arbeitszeitgesetzes hinaus, verschleiert wird. Aber auch die massiven Gehaltskürzungen in den hessischen Unikliniken durch Verlängerung der offiziellen Arbeitszeit, Streichung des Urlaubsgeldes und Kürzung der Weihnachtszuwendung treffen wegen der kurzen Laufzeiten befristeter Arbeitsverträge in erster Linie die Ärztinnen und Ärzte. Wenn aus der Uniklinik Gießen statt des Gewinnes von 1,1 Millionen Euro, den die Marburger melden, ein Defizit von 2,4 Millionen Euro berichtet wird, heißt das natürlich nicht, dass dort die Verhältnisse besser wären. Im Gegenteil: Ohne die Ausbeutung der Kolleginnen und Kollegen am Klinikum Gießen wäre das Defizit noch viel dramatischer ausgefallen.

An beiden Unikliniken bemühen sich die Ärztinnen und Ärzte, ihre Patienten möglichst wenig spüren zu lassen, welches Maß an Minderversorgung ihnen die Politik eigentlich zugedacht hat, und den durch die zunehmende Bürokratie drohenden Zuwendungsverlust auszugleichen. Denn die finanzielle Misere der hessischen Krankenhäuser ist nicht gottgewollt, sondern Folge politischer Sparwut auf dem Rücken der Patienten und der sie Versorgenden.

Durch den viel zu niedrig angesetzten Landes-Basisfallwert wird die Lage noch dramatischer. Auch ein Klinikum wie Marburg, dem 2004 noch das Kunststück einer positiven Bilanz gelang, muss weitere massive Einsparungen vornehmen, um seine Unkosten auf das gesetzlich vorgeschriebene Niveau herunter zu fahren. Die Deckungslücken werden auch nicht durch die Zusatzentgelte gedeckt werden können, wie Prof. Schrappe optimistisch hofft. In einem Betrieb, dessen Kosten im wesentlichen Personalkosten sind, sind die Folgen absehbar: Stellenkürzungen und Verteilung der Arbeit auf die Verbleibenden. Die Folge: Verschärfung der Ausbeutung. Die Ärztinnen und Ärzte müssen deshalb darauf reagieren, in dem sie jede tatsächlich für eine ordnungsgemäße Krankenversorgung notwendige Überstunde dokumentieren und geltend machen. Gesetzwidrige und durch Übermüdung für alle gefährliche Marathondienste müssen verweigert werden.

Es zeichnet sich allerdings ab, dass die Ärztinnen und Ärzte sich nach den ersten Warnstreiks mit weiteren angemessenen Aktionen gegen die drastische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wehren werden. Bereits jede zusätzliche Annäherung an das Niveaus, das die Politik eigentlich der stationären Versorgung zumessen will, ohne Versuch eines Ausgleichs wird Folgen für die stationäre Versorgung haben, die von einem Streik in anderen Bereichen nicht zu unterscheiden sein werden.

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Beginn
www.mbhessen.de/aktuell/aufunseremruecken.htm
01.06.2005 Verantwortlich: Impressum mbhessen.de