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Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.  

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Fachtagung Arbeitsplatz Krankenhaus:
Ausgebrannte Ärzte und der Patient als Feind

"Handlungsansätze zur Verbesserung der Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern aus arbeitswissenschaftlicher Sicht" lautete der nüchterne Titel, unter dem WWW Prof. Dr. Eberhard Ulich vom WWW vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob) aus Zürich seine spannenden Befunde aus Schweizer Kliniken vorstellte, die unschwer auf deutsche Verhältnisse übertragen werden können.

Seit Jahren kämpft der WWW Berufsverband der Schweizerischen Assistenz- und Oberärzte und -ärztinnen (VSAO) darum, dass die Vorschriften des Arbeitsgesetzes (max. Wochenarbeitszeit 50 Stunden) auch für Spitalärzte gelten, die mit wöchentlichen Arbeitszeiten von 60 bis 70 Stunden und Präsenzzeiten von mehr als 20 Stunden ähnlich schuften müssen, wie uns das hier geläufig ist. Besonders entschlossen traten die Kolleginnen und Kollegen des Kantonsspital Basel gegenüber den verantwortlichen Politikern auf. WWW Die bloße Schilderung der Zustände schien zunächst kein zufriedenstellendes Echo zu finden. Nur massiver Druck und vor allem eine in kurzer Zeit von über 11.500 Personen unterschriebene Petition führte zum Abschluss einer WWW Vereinbarung zwischen dem Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt und dem VBAO. Das war der Anstoss für das KBS-Projekt von Ulich, das neben einer Verkürzung der Arbeitszeit über eine bessere Arbeitsorganisation zu besseren Arbeitsbedingungen führen sollte.

Ulich fand bei 43% der Assistenzärzte und 27% der Oberärzte des Kantonsspital Basel (als Universitätsklinik ein Krankenhaus der Maximalversorgung) eine emotionale Erschöpfung im für ein Burnout-Syndrom kritischen Bereich. 22% der Assistenzärzte und 11% der Oberärzte zeigten eindeutige Symptome einer Klientenaversion, vulgo: Sie sahen ihre Patienten als Feind. (Mehr dazu...) Diese Befunde hinterließen den nachhaltigsten Eindruck bei den Verantwortlichen.

Dass diese Zustände nicht auf Basel und diesen Krankenhaustyp beschränkt waren, fand Ulich in einer späteren Studie am Spitalzentrum Biel-Bienne, einem Krankenhaus der Grundversorgung mit zentraler Bedeutung für die Region Biel-Seeland und den Berner Jura. Hier litten 41% der Assistenzärzte und 43% der Oberärzte unter einer emotionale Erschöpfung im kritischen Bereich.

Die begleitende Arbeitsanalyse ergab, dass nur 30% der Arbeitszeit von durchschnittlich 67 Wochenstunden medizinischen Maßnahmen im engeren Sinne zuzurechenen waren, 24% galten Information und Kommunikation. 27% der Zeit verschlangen administrative Aufgaben (schöndeutsch für Papierkrieg) und 4% Transport und Wege. 6% konnten für persönliche Weiterbildung aufgebracht werden und 8% standen für Pausen zur Verfügung. Ausbildung und Lehre sowie Forschung blieben mit 0% auf der Strecke.

Die Vorschläge um die Verbesserung der Arbeitsorganisation sahen als zentralen Punkt die Schaffung eines Patienteninformationsmanagers vor, analog dem Einsatz von medizinischen Dokumentationsassistenten, wie sie von Dr. med. Jochen Haack im Forum 3 "Medizinische Versorgung neu organisiert" als Projekt in den Kliniken des Main-Taunus-Kreises vorgestellt worden ist (siehe unten).

Die ersten Erfahrungen in den Modellprojekten am Kantonsspital Basel waren sehr ermutigend. Eine signifikante Senkung der Arbeitszeit war verbunden mit einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen und damit auch der Arbeitszufriedenheit. Lesen Sie dazu näheres auf Seite 25 (Seite 17 von 52 des PDF-Dokuments) im WWW Journal des VSAO Nr. 7 des 21. Jahrgangs vom Okt. 2002 in der deutschen Ausgabe. So war es nur konsequent, dass die zügige Umsetzung der Empfehlungen aus dem KBS-Projekt neben der Reduktion der Wochenarbeitszeit ein wesentlicher Punkt WWW weiterer Vereinbarungen zwischen dem VBAO und dem Regierungsrat des Kantons war.

Sind diese Erfahrungen für Hessen relevant? Ein Blick in die Ergebnisse der Umfrage durch die Landesärztekammer Hessen, sei es in die PDF  Kompaktdarstellung der Ergebnisse in unserer Website, sei es in die PDF im WWW  ausführlichere Darstellung der Ergebnisse, Teil II (582 kB!) (Hess. ÄBl. 63(3), 2002,128-131), zeigt, dass sich die Resultate aus der Schweiz fast auf das Prozent genau in Hessen gespiegelt finden. 40% der ÄiP und Assistenzärzte waren mit ihrer Arbeit nicht zufrieden oder sogar sehr unzufrieden und klagten u.a. über "Arbeit für Verwaltung statt für Patienten" und über "zuwenig Zeit für den individuellen Patienten".

Ohne Zweifel muss auch in Hessen eine Verkürzung überlanger Wochenarbeitszeiten mit einer drastischen Veränderung in der Organisation der ärztlichen Arbeit einher gehen, damit tatsächlich auch wieder der Patient im Mittelpunkt stehen und ihm die wesentliche Zeit gewidmet werden kann. Wir danken deshalb Herrn Kollegen Dr. Haack, dass er uns seinen Beitrag
PDF  "Medizinische Versorgung neu organisiert" im Wortlaut zur Verfügung gestellt hat.

Die Schweizer Erfahrungen lehren uns aber auch, dass solche Veränderungen nicht von alleine geschehen, sondern erst auf massiven Druck und entschiedene Maßnahmen in Gang kommen. Also packen wir es an!

 

Quellen

Wir danken dem iafob, das uns zwei Dokumente zur Verfügung gestellt hat, denen Sie weitere Details über die Methodik und Ergebnisse des Forschungsprojektes am Kantonsspital Basel entnehmen können:
Ulich, Eberhard: PDF  Forschung ohne Beratung -Beratung ohne Forschung?

Wenn auch der Rahmen dieser Publikation mehr den methodischen Aspekt arbeitspsychologischer Forschung betont, im Kern enthält sie u.a. konkret den Fragebogen, die Erhebungsmethodik und vor allem die sehr interessanten numerischen Ergebnisse über die Arbeitssituation der Assistenz- und Oberärzte eines universitären Schweizer Schwerpunktkrankenhauses (Kantonsspital Basel).

Peter, Sandra und Ulich, Eberhard: PDF  Verbesserung der Arbeitssituation von Ärztinnen und Ärzten im Spital

Die Verbesserung der Arbeitssituation der Assistenz- und Oberärzte eines universitären Schweizer Schwerpunktkrankenhauses (Kantonsspital Basel) in vier Modellkliniken und die Evaluation dieses Projektes werden mit interessanten Zahlen belegt.

 

 

Beginn

www.mbhessen.de/aktuell/burnout.htm
20.12.2002 Verantwortlich:
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