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An einem Werktag nur ärztlicher Notdienst?

Alles schon mal da gewesen!

          Lieber Patient!
 
Obwohl heute ein Werktag ist, werden Sie nur einen
 
          ärztlichen Notdienst vorfinden.
 
Wo sind die anderen Ärzte? Sie nehmen 1 Tag Freizeitentschädi-
gung in Anspruch!
 
Obwohl bis zu 100 Wochenstunden mit Überstunden und Bereit-
schaftsdienst geleistet werden, erhalten die Ärzte als
Widerrufsbeamte für diese Mehrleistung kein Entgelt. Die
vorgesehene Freizeitentschädigung kann in Ihrem eigenen Interesse
nicht wahrgenommen werden. Mancher Arzt hier hat ein Guthaben
von 1000 Überstunden angesammelt (ist gleich ca. 6 Mon.!)

Seit Jahren werden die Stellenanforderungen unserer Verwaltung
in Wiesbaden nicht erfüllt. Von ca. 800 Stellen, davon
400 für Schwestern und Pfleger, sind in den letzten 2 Jahren
nur etwa 10 % genehmigt worden. Eine sachliche Prüfung hat
nicht stattgefunden.
Die Folge: Maßlose Überlastung des Personals, von der auch
Sie betroffen sind.


Nach etwa 1 Jahrzehnt ergebnislosen Verhandlungen und

zahllosen Eingaben ist nun unsere Geduld am Ende!!!


 
          Wenden auch Sie sich an die Hess. Landesregierung,
wenn Sie wie wir nicht wollen, daß weitere Maßnahmen die
Situation verschärfen. Unsere Forderungen nach Vergütung der
Überstunden und des Bereitschaftsdienstes sowie ausreichende
Zahl von Planstellen sind gerecht und billig.




                           Die Assistenz-Ärzte
                        der Medizinischen Fakultät

Stünde dieser Text nicht auf der Rückseite einer vergilbten Kinderzeichnung aus Marburg von 1970 und signalisierte Schreibmaschinenschrift auf einer Matritze nicht Technik von Damals, würden nicht mit 'Widerrufsbeamte' und 'Fakultät' für die Uniklinik Marburg historische Begriffe erwähnt, wäre jetzt der erste Gedanke: Streiken nun die Ärzte tatsächlich? Denn die von einem vorhergegangenen Warnstreik stammende Einschränkung von nur '1 Tag' Freizeitentschädigung war auf den Flugblättern gestrichen worden.

Nein, noch ist es nicht soweit. Sie haben ein historisches Dokument gelesen. Aber Ihre Frage: Wird nun gestreikt? ist durchaus berechtigt: Die Stimmung der Ärztinnen und Ärzte an den Universitätskliniken ist explosiv. Nicht mehr lange kann es dauern und sie werden unter der Last zusammenbrechen, die es bedeutet, durch unbezahlte Mehrarbeit ihre Patientinnen und Patienten von den erbarmungslosen und verheerenden Auswirkungen der politischen Sparmaßnahmen möglichst zu bewahren.

Zur Erinnerung: Nur durch phantasievolle Maßnahmen der nicht zu einem Streik berechtigten Beamten, die dem Effekt eines Streikes durchaus entsprachen und lange genug durchgehalten wurden, konnten die Verantwortlichen zum Einlenken auf die Spur der Vernunft gebracht werden. Die Widerrufsbeamten konnten sich zu Angestellten umwandeln lassen, ein Tarifvertrag sicherte eine Begrenzung der Dienste und Bezahlung, wenn ein Freizeitausgleich nicht möglich war, und alle Überstunden, auch die in den Forschungslabors und für die studentische Lehre wurden vergütet.

Lesen Sie dazu:
Lesen Sie dazu auch zur Wirkung einer Übermüdung wie eine Alkoholisierung:
Beginn
www.mbhessen.de/aktuell/dejavu.htm
05.06.2005 Verantwortlich: Impressum mbhessen.de