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Gesundheit ist keine Ware wie ein Kühlschrank

Der Besuch der aufsichtsführenden Ministerin, Frau Sozialministerin Lautenschläger in der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen am 26.11.05 war Anlass für einen Diskussionsbeitrag des Delegierten PD Dr. Scholz von der Liste des mb hessen. Vorausgegangen war ein Loblied der Ministerin auf die Gesundheitspolitik der Landesregierung, den Nutzen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen und die Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen-Marburg.

Wir bringen hier den Redebeitrag im Wortlaut:

Ich bin froh, dass Sie, Frau Ministerin Lautenschläger, hier auf der Sitzung sind, ich muss jedoch statt von der speziellen Relativitätstheorie auf die allgemeine zu kommen, es umgekehrt ausführen. Denn es besteht bei Politikern aller Colour ein grundlegendes Missverständnis über das Gesundheitssystem:

Gesundheit ist keine Ware wie ein Kühlschrank, denn wenn ich aufgrund der hier gehörten Argumente einen Apoplex in Bad Nauheim erleide, dann ist es eben nicht sinnvoll, dass ich in Hintertupfing behandelt werde, wo es 31,80 € preiswerter ist. (Für Laien: Damit spielte er auf das enge Zeitfenster an, einen Schlaganfall als Notfall innerhalb weniger Stunden in eine spezielle Behandlungsabteilung - einer stroke unit - einzuliefern.)

Krankheit ist nicht planbar! Ich kann selbstverständlich den Patienten früher aus dem Krankenhaus entlassen und habe kürzere Liegezeiten und wünsche dem Niedergelassenen mit der blutigen Entlassung viel Spaß! Hier nutzt es nichts, wenn die verschiedenen Gruppen (Krankenhaus, Niedergelassener) gegeneinander ausgespielt werden und wir dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen.

Viele Politiker und selbsternannte Fachleute schielen in die USA, weil dort deutlicher Wettbewerb herrsche. Hierzu will ich folgendes klar stellen:

"Frau Ministerin wissen Sie wie viel von einem Dollar, den der Versicherte in die Verwaltung HMO und reduziertes DRG-System zahlt - dort wird inzwischen weniger nach DRG geregelt - verschwindet? Wissen Sie, wie viele Neugeborene von dunkelhäutigen Menschen im Bundesstaat Louisiana pro Tausend sterben? Es sind 17 pro Tausend und damit mehr als im Entwicklungsland Sri Lanka! Genau das will ich nicht und deswegen bin dagegen!!"

Zum Thema USA und der Privatisierung der Uniklinika Gießen und Marburg:

Auf dem Neuroscience Meeting im November traf ich den Head of Department of Neurology einer amerikanischen Universität. Nachdem er von der Privatisierung vernahm und dass dieser Betreiber auch Lehre und Forschung sicherstellen solle:

" Forget about this, they think only in Dollars, it will never work!" (Vergiss es. Die denken nur ans Geld. Das wird niemals funktionieren.)

und das von so einer unbedeutenden Universität wie Yale.

Wenn Sie, Frau Ministerin, überbordende Bürokratie abbauen wollen, dann führen Sie in Hessen die Health Professional Card (elektr. Arztkarte) nicht ein, denn dieses unsichere System kostet Ressourcen und verbraucht Geld der Versicherten. Dies führt zu nur noch mehr Bürokratie.

Oder nehmen wir die seit 11 Jahren bestehende Missachtung des Arbeitszeitgesetzes:

"Warum, Frau Ministerin, unterstützt Hessen im Bundesrat denn die Faulen, die nicht für die Umsetzung gesorgt haben?"

Ich muss hier stoppen, sonst haben die nachfolgenden Redner keine Chance dranzukommen…

Als Nachtrag: Von einem Dollar Beitrag schlucken die Verwaltungen im Gesundheitssystem der USA, Kosten- wie Leistungsträger , 30 Cent.

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28.11.2005 Verantwortlich: Impressum mbhessen.de