Klinikum Mittelhessen
10.000 Arbeitsplätze zur Disposition in Gießen und Marburg?
Geplante Fusion der Uniklinika gefährdet auch Patientenversorgung
Die geplante Fusion der Universitätsklinika von Marburg und Gießen zu einem Klinikum
Mittelhessen ist der Wunsch des Landes Hessen und wird auf ministerieller Ebene rasch
vorangetrieben. Zur Information der Beschäftigten in beiden Universitätsklinika haben
Personalversammlungen stattgefunden, in denen die Beschäftigten beruhigt wurden, es seien
Kooperation und Nutzung der Synergien geplant, wobei auch Abteilungen in den jeweils
anderen Standort verlagert würden.
Da aber Einsparungen nur erreicht werden, wenn
insgesamt Betten oder OP-Kapazitäten verringert werden, stehen auch Arbeitsplätze zur
Disposition. Dies wird unterstrichen durch Aussagen der Verwaltungsleitung zu Personal
„Auf welchem Stern leben Sie denn, wie soll dass denn ohne betriebsbedingte Kündigungen
vonstatten gehen ?“.
Nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Spitzen- und
Flächenversorgung für Patienten ist in Mittelhessen durch diese Maßnahme gefährdet. Bis
heute gibt es seitens der Aufsicht führenden Ämter keine Pläne, wie die Versorgung der
Bevölkerung in Mittelhessen sichergestellt werden soll trotz der zu kürzenden Betten- bzw.
OP-Kapazitäten. Die Weiterbildung an Häusern der Maximalversorgung stellt normalerweise
einen Garanten für zukünftige Fachärzte dar, nur bei geringeren Fallzahlen wird die Anzahl
derjenigen, die eine Möglichkeit zur Weiterbildung bekommen, auch geringer werden.
Die Ausbildung von künftigen Medizinern hängt auch von der Größe und Kapazität der
Klinika ab und würde dann zu verringerter Studienplatzkapazität führen. Dies wird
interessanterweise durch den Ausspruch des Staatssekretärs Prof. Leonhard auf einer
Personalversammlung beleuchtet
„Hessen bildet sowieso zuviel Humanmediziner aus...“.
Der letzte Deutsche Ärztetag (DÄT) im Mai 2004 hat mit überwältigender Mehrheit aller Ärzte beschlossen:
„Der 107. DÄT sieht mit großer Sorge auch die Fusionen und Schließungen der
Krankenhäuser, die eine Versorgung in der Fläche immer unmöglicher werden lassen.
Besonders die Landesregierungen werden aufgefordert, diesen Trend gegen den Patienten zu
stoppen, und nicht auch noch die Häuser der Maximalversorgung, hier Universitätsklinika, zu
fusionieren.“
Ganz im Gegenteil zu dieser Fusionitis forderte der Deutsch Ärztetag eine adäquate
Ausstattung der Universitätsklinika mit Personal, um die Aufgaben der neuen
Approbationsordnung erfüllen zu können.
Nun hatte es zwar schon einzelne Proteste gegen
diese Fusion gegeben, aber die einzige Reaktion war die Aufforderung seitens der Ministerien
an die betroffenen Universitätsklinika, selber Streichvorschläge abzugeben. Neben demn
klaren Beschluss des Deutschen Ärztetages blieibt es aber jedem Arzt und Patienten frei,
seine Politiker in der Region zu kontaktieren und nachzufragen, wie denn die Probleme in
Mittelhessen gelöst werden sollen
(erinnert sei hier nur an Kunststadt Lahn – aus Gießen und Wetzlar,
eine längst Geschichte gewordene Ausgeburt verfehlter Regionalpolitik).
PD Dr. A. Scholz
Der Beschluss des 107. DÄT im vollen Wortlaut
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