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Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V. |
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Landesverband Hessen |
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Moderne Form der Sklaverei: |
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Aus ÄRZTE ZEITUNG Nr. 40 vom 3./4. März 2000, Seite 23
Und so seh‘ ich es
Moderne Form der Sklaverei: der Alltag der Krankenhausärzte
Andrea Fischer will ärztliche Kunstfehler bekämpfen. Sagt sie. Prinzipiell lässt sich dagegen nichts einwenden, obwohl die Ärzteschaft, insbesondere die Ärztekammern, sich schon seit Jahren darum bemühen. Und zwar mit Erfolg.
Andrea Fischer will sich jedoch eines anderen Instruments bedienen und sinniert über eine Patienten-Charta. Das führt zu solchen Absurditäten wie dazu, dass die AOK-Gesundheitskasse, um im Wettbewerb mit anderen Krankenkassen zu bestehen, jetzt die Versicherten dazu aufruft, sie mit möglichst vielen Berichten über ärztliche Fehler zu beglücken. Ob sie dann womöglich in AOK-Patientenrechtskasse umfirmieren will?
Ärztliche Fehler haben mehrere Ursachen. Zum einen, weil Ärzte auch Menschen sind und als solche Fehler machen können, was die Gesundheitsministerin ausdrücklich festgestellt hat, zum anderen können Fehler aber auch durch mangelnde Aufmerksamkeit und Wachsamkeit entstehen, die andere Ursachen haben können als fehlerhafte Menschlichkeit.
So kommt man zu des Pudels Kern. Denn eine der Ursachen kennt man seit Jahren nur zu genau, nur zu ihrer Beseitigung tut man nichts. Alle, die dafür verantwortlich sind, wissen es, aber nichts ändert sich. Immer wieder wird darauf hingewiesen, doch die Situation wird dadurch keinesweg gebessert, sondern verschlechtert sich ganz im Gegenteil ständig.
Unsere Bundesrepublik ist ein hochentwickelter Sozialstaat. In unserem Land gibt es keine Ausbeutung; Arbeitsgerichte, Gewerkschaften und der Gesetzgeber wachen darüber.
Mit einer Ausnahme: Die Rede ist von den Ärzten, die sich in der Weiterbildung in Kliniken und Krankenhäusern befinden, den Assistenzen, PJ-lern und AiP-lern und davon, dass es viel, viel mehr Bewerber um eine Weiterbildungstelle gibt, als Plätze vorhanden sind. Und diese Situation wird erbarmungslos ausgenutzt.
Diese jungen Ärzte werden skrupellos ausgebeutet - und sie wehren sich nicht. In vollem Bewusstsein ihrer Situation kuschen sie vor ihren Vorgesetzten, vor den Chefs und in den Verwaltungen, sie beklagen sich nicht, zumindest nicht offen, sie klagen nicht an; denn sie alle haben Angst um ihre Anstellung, ohne die ihnen keine Facharztweiterbildung möglich ist.
Ohne einen Facharzttitel können sie keine Praxis eröffnen, können sie keine Dauerstelle bekommen, ohne Facharzttitel sieht ihre Zukunft düster aus. Also beißen sie die Zähne zusammen...
Die PJler ersetzen (aus Kostengründen) das immer rarer werdende Pflegepersonal, die AiP-ler erfahrenere Ärzte, die Assistenten oft die fehlenden Oberärzte. Sie alle arbeiten 50 bis 60 Stunden pro Woche. Die Überstunden werden nicht bezahlt, sollen eigentlich durch Freizeit abgegolten werden. Doch die Abgeltung durch Freizeit steht in aller Regel auch nur auf dem Papier, denn im Rahmen der Sparmaßnahmen und der Budgetierung gibt es sowieso schon zu wenig Personal. Und so malochen die jungen Mediziner auf Kosten der eigenen Gesundheit, zu Lasten ihrer Familien und vor allem zum Schaden der ihnen anvertrauten Patienten.
Was erwartet man von einem Arzt, der stundenlang im OP gestanden hat und dann übermüdet und abgespannt seinen Dienst auf der Station versehen muss, 16 Stunden Arbeit am Stück sind eher die Regel als die Ausnahme.
Man weiß das alles. Es ist überall in Deutschland bekannt. In Rostock, wo an einem Tag eine Klinik geschlossen wurde, in Frankfurt am Main, wo man sonntags die Poliklinik zugemacht hat. Es ist nicht wahr, dass man es nicht weiß. Der Marburger Bund hat schon wiederholt auf diese Missstände hingewiesen.
Es ist nicht wahr, dass es nicht bekannt ist, denn fast alle Landesärztekammern haben diese gesetzeswidrige Ausbeutung schon mehrmals angeprangert. Die Politik aber und die Politiker verhalten sich wie die drei Affen: Sie sehen nichts, sie hören nichts und sie sagen nicht.
Und das alles geschieht in einem Staat, in dem die regierenden Parteien, die SPD und die Grünen, die soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Da kämpfen die Metaller um die 35-Stunden-Woche - und viele Ärzte müssen locker das Doppelte schuften.
Locker...? Das fragt sich
 
Ihr Ironius
Wir bedanken uns bei der ÄRZTE ZEITUNG und bei Ironius für die Erlaubnis, diesen Artikel ins WWW stellen zu dürfen.
Immerhin: Ein Chefarzt wurde zu einer Geldstrafe von 30.000 DM verurteilt, weil er seine Assistenzärzte bis zu 21 Stunden an einem Stück arbeiten ließ.
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www.mbhessen.de/aktuell/sklaven.htm
Stand: 31.05.2000 Verantwortlich: