Aus Protest gegen längere Arbeitszeiten und geringere Bezahlung sind am Freitag rund 400 Ärztinnen und Ärzte der Uniklinik in Marburg in einen Warnstreik getreten. Sie haben am Mittag gut zwei Stunden lang die Arbeit niedergelegt und vor dem Krankenhaus demonstriert, erklärte Dr. Thorsten Steinfeldt vom mb hessen gegenüber der Presse. In den Bildern wird deutlich, dass trotz des Warnstreiks die Patientenversorgung weiter lief und die Passanten mit offensichtlicher Sympathie und Zuversicht an den Streikenden vorbei zum Haupteingang gingen.
Die Marburger waren nicht alleine: In ganz Deutschland kam es an rund 20 Universitätskliniken zu Protestaktionen.
Für den 6. Dezember war die Fortsetzung der die Tarifverhandlungen zwischen dem Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) angesetzt. Mit Hinweis auf die Verhandlungsbereitschaft hatte der Vorsitzende der TdL, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring, verärgert auf die Streikankündigungen des mb reagiert. Da er gleichzeitig erklärte, dass es in der heutigen Zeit praktisch keine Gehaltssteigerungen mehr gäbe, rechtfertigte er in den Augen der Streikenden weitere Maßnahmen, die durchaus noch steigerungsfähig sind, um die Ernsthaftigkeit der Forderungen zu unterstreichen. Die hessischen Uniärzte blieben zudem bei den Verhandlungen außen vor, weil das Land Hessen die TdL verlassen hat, kritisierte Udo Rein, der Geschäftsführer und Tarifexperte des mb hessen. Hessen mutet den Ärzten Hunderttausende unbezahlter Überstunden zu, Arbeitszeiten von bis zu 80 Wochenstunden sowie kurze Arbeitsverträge - zum Teil mit einer Laufzeit von nur einem Monat.
Schon bei der Hauptversammlung des mb hessen am 23.11.05 war kritisiert worden, dass von dem vollmundigen Versprechen des Landes Hessen, durch Anweisung an die Vorstände der Uniklinika in Frankfurt, Gießen und Marburg für Arbeitsverträge mit einer Befristung über die gesamte Zeit der Facharztweiterbildung zu sorgen, auch nach vielen Monaten praktisch nichts eingelöst worden ist. Die Untätigkeit der Verantwortlichen, noch nicht einmal kostenneutrale und versprochene Verbesserungen der Arbeitsbedingungen umzusetzen, stört den Arbeitsfrieden nachhaltig und schürt die Kampfbereitschaft.
Die Ärztegewerkschaft verlangt außerdem rund 30 Prozent mehr Lohn. Die Marburger Mediziner hatten bereits im März und August die Arbeit niedergelegt.
Ermutigen kann die Streikenden, dass bei einer Umfrage von n-tv.de bis zum 6.12.05 18:50h bei 11.071 abgegebenen Stimmen 86% die Frage: Sollen die Klinikärzte 30 Prozent mehr Gehalt bekommen? bejaht haben.
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