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Pressemitteilung 31.08.05

Streikaktionen der Ärztinnen und Ärzte an hessischen Universitätskliniken am 06.09.2005

Demonstration in Stuttgart

Frankfurt a.M. – Die Krankenhausärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) ruft alle angestellten Ärztinnen und Ärzte der hessischen Universitätskliniken auf, sich an Streikaktionen am 06. September 2005 zu beteiligen. Die Streiks sind eingebettet in bundesweite Ärztestreiks, die mit einem 2. bundesweiten Streik- und Protesttag aller Krankenhausärztinnen und Ärzte am 06. September 2005 in Stuttgart ihren Höhepunkt finden.

Die Ärztestreiks an den Unikliniken in Gießen/Marburg und Frankfurt von Anfang August haben noch kein greifbares Ergebnis erbracht. Noch immer fehlt ein konkretes Angebot der Arbeitgeberseite, wie die unzumutbaren Arbeitsbedingungen an den Universitätsklinika in Hessen verbessert werden können.

Deshalb werden die Streikaktionen fortgesetzt, die bereits am 8. März, 2. Mai 2005 und in der Woche vom 1.-5. August begonnen wurden, den ersten Streiks nach mehr als 30 Jahren!

Zum Hintergrund:

Das Land Hessen hat wichtige Tarifregelungen gekündigt. Deshalb müssen Ärztinnen und Ärzte in den hessischen Universitätskliniken bei Neueinstellung oder bei Verlängerung ihres befristeten Arbeitsvertrages (für die meisten Ärztinnen und Ärzte sind Befristungen im Monats-, Quartals-, oder Halbjahresrhytmus die Regel) auf Urlaubsgeld und einen Teil des Weihnachtsgeldes verzichten sowie eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf bis zu 42 Stunden hinnehmen. Das führt im Ergebnis zu einem nicht hinnehmbaren Stellenabbau und Einkommensverlusten von über 10 Prozent.

Das monatliche Basisgehalt eines jungen Assistenzarztes bewegt sich mit rund 3.000 € brutto auf einem erbärmlichen Niveau. Eine spürbare Anhebung des Grundgehaltes auf westeuropäisches Niveau und nicht etwa weitere Kürzungen - ist deshalb längst überfällig!

Hinzu kommen:

"Um so mehr zeigen die mutigen und andauernden Proteste der Kolleginnen und Kollegen, dass das Maß endgültig voll ist", erklärt dazu die Landesverbandsvorsitzende des Marburger Bundes Hessen, Dr. med. Ursula Stüwe. Wird der von der Landesregierung angestrebte Radikalabbau von Arbeitnehmerrechten gerade bei Ärztinnen und Ärzten nicht gestoppt und eine deutliche Verbesserung der Arbeitssituation erzielt, werden noch mehr Ärzte als bisher vor allem ins westeuropäische Ausland flüchten, wo bereits weit bessere Arbeitsbedingungen gegeben sind. Eine Untersuchung der Landesärztekammer ergab unlängst, dass der Anteil der ins Ausland abgewanderten Ärztinnen und Ärzte in den Jahren 2000 bis 2005 um das 10-fache gestiegen ist. In Hessen droht dadurch auch eine "Vergreisung" der Ärzteschaft. So ist nach einer weitere Meldung der Landesärztekammer Hessen der Anteil der unter 35-Jährigen berufstätigen Ärzte von 26,6% im Jahr 1993 auf 16,5% in 2003 gesunken.

Die Landesregierung behauptet, dass Hessens Hochschulen erstklassige Forschung und Lehre bieten. An den hessischen Universitätskliniken wird der Forschung und Lehre in den Dienstplänen jedoch kaum Raum gegeben. Forschung und Lehre finden trotz vertraglicher Verpflichtung und entgegen dem Hessischen Hochschulgesetz überwiegend außerhalb der Regelarbeitszeit statt. Es ist den persönlichen Opfern der ärztlichen Mitarbeiter zu verdanken, dass trotz dieser Bedingungen erstklassige Ergebnisse in Forschung und Lehre erzielt werden.

Hinzu kommt, dass durch die Einführung der 42-Stundenwoche ein vom Land Hessen gewünschter Stellenabbau zwangsläufig die Folge ist, so dass insgesamt weniger Ärztinnen und Ärzte den Patienten an den Universitätskliniken zur Verfügung stehen. In Hessen ist die Zahl aller Krankenhausärzte im Jahr 2004 bereits gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Ein kurzer Gesamtüberblick:

  1. Das mutet das Land Hessen seinen Ärztinnen und Ärzten zu:
  2. Die Konsequenz:

    Immer weniger Ärztinnen und Ärzte arbeiten immer mehr - für immer weniger Geld.

  3. Deshalb streiken die Ärztinnen und Ärzte der hessischen Universitätskliniken für eine tariflich abgesicherte Verbesserung der Arbeitsbedingungen , die auch zu

Die ärztliche Versorgung ist durch Notdienste gewährleistet.

V.i.S.d.P: Marburger Bund, Lv Hessen, RA Udo Rein

 
Beginn
www.mbhessen.de/aktuell/streikpm050831.htm
31.08.2005 Verantwortlich: Impressum mbhessen.de