Studierende der Medizin gegen Studiengebühren
in Hessen
Die hessische Landesregierung plant zum 1.1.2004 die Einführung von
Studiengebühren, eine aus Sicht der Studierenden schwerwiegende politische
Fehlentscheidung, die sie hart belasten wird.
Geplant sind:
- "Langzeitstudiengebühren" in Höhe von 500 - 900 € je Semester
- "Zweitstudiengebühren" von bis zu 1.500 € je Semester
- Ein Verwaltungskostenbeitrag von 50 € je Semester zusätzlich für alle Studierenden
- 39,3 Millionen Euro sollen im Haushaltsjahr 2004 so aus den Taschen der Studierenden eingenommen werden.
Diese Gebühren sollen ab dem Sommersemester 2004 erhoben werden.
Übergangs- und Härtefallregelungen sind in dem Gesetzesentwurf praktisch nicht vorhanden.
Wichtig zu erwähnen ist es, dass die erhobenen Studiengebühren nicht den
Universitäten zugute kommen, sondern direkt in den Landeshaushalt fließen.
Dies bedeutet für die Universitäten Mehrkosten auf Grund des entstehenden
Verwaltungsaufwandes ohne jegliche Entschädigung. Zusammen mit den geplanten
Kürzungen der Landeszuschüsse (allein im FB Humanmedizin Gießen
ca. 4 Millionen Euro für das kommende Jahr) ist dies nicht nur für die Studierenden eine untragbare Situation.
In Gießen haben die Studierenden deshalb am Mittwoch, den 4. November 2003,
in einer Vollversammlung der Studierenden der JLU Gießen einen auf drei Tage
befristeten Warnstreik beschlossen. Dieser Streik als letzte Form des öffentlichen
Protests findet auch breite Unterstützung seitens der Lehrenden. Auch wenn
Vorlesungsveranstaltungen blockiert werden, steht doch das Informieren durch
Vorträge und Aktionen in Innenstadt und Campus im Vordergrund.
Da es insbesondere für die Studierenden der Medizin bei einer Umsetzung des
Gesetzes in der momentanen Form zu bedenklichen Folgen kommen kann, haben sich die
Studierenden der Medizin Gießens in einer außerordentlichen Vollversammlung am
11.11.2003 dazu entschlossen den Protest zu unterstützen.
Durch die lange Mindeststudienzeit von 12 Semestern ist die
Wahrscheinlichkeit von unverschuldeten Verzögerungen relativ hoch (z.B. durch
Krankheit oder Kinderwunsch). Des weiteren finden sich unter den Medizinstudenten
eine verhältnismäßig hohe Zahl an Studenten mit bereits abgeschlossener
Berufsausbildung (z.B. aus den Pflegeberufen). Diese müssen ihren Lebensunterhalt
oft teilweise oder komplett durch Arbeit neben dem Studium finanzieren. Da in den
Semesterferien Prüfungsvorbereitung oder vorgeschriebene Praktika
(z.B. Krankenpflegepraktikum, Famulaturen) anfallen sind Verzögerungen der
Studienzeit oft nicht zu vermeiden. Absolventen aus den Naturwissenschaften, die
sich durch ein zusätzliches Medizinstudium weiter qualifizieren wollen und damit
potentielle „Zugpferde“ für Forschung und Lehre darstellen komplettieren das Feld
der Benachteiligten.
Schlussendlich verschlechtert jeder durch dieses Gesetz verursachte
Studienabbrecher den momentan ohnehin schon bedenklichen Mangel an Ärzten.
Abschließend möchte ich noch betonen, dass es nicht darum geht die wirklichen
Langzeitstudenten, die den studentischen Status ungerechtfertigt langfristig
ausnutzen, zu unterstützen, sondern darum eine sozial verträgliche und
zukunftsorientierte Bildungspolitik zu fordern. Mittelkürzungen und
Studiengebühren welcher Art auch immer sind hierfür nicht der richtige Weg. Dies
sollte eigentlich der verantwortlichen Landesregierung, die seit Jahren das Bild
des „Innovations- und Bildungslandes Hessen“ propagiert, eigentlich klar sein.
Da dies offensichtlich nicht der Fall ist haben Studentenvertreter zusammen mit
anderen Interessensvertretern (z.B. Gewerkschaften), eine Demonstration mit
Abschlusskundgebung vor dem hessischen Landtag in Wiesbaden organisiert. Diese
wird am 18.11.2003 stattfinden. Alle Studierenden der Medizin und anderweitig
Betroffene sind dazu aufgerufen an dieser teilzunehmen.
Links zur weiteren Information:
Fachschaft Humanmedizin Gießen
ASTA Uni Frankfurt
Streikseite des ASTA Gießen
ASTA Uni Marburg
ver.di Landesbezirk Hessen ruft zum "Tag der Verweigerung" auf
Material: Gesetzentwurf, amtl. Begründung etc.
G. Ettorre
(Landesstudentensprecher des mb hessen)
www.mbhessen.de/aktuell/studgeb0311.htm
18.11.2003 Verantwortlich:
Impressum mbhessen.de
|