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Natürlich haben viele längst zum Rechner gegriffen und festgestellt,
wie wenig von der "Zwei vor dem Komma" bleibt, wenn die sehr lange Laufzeit des
Tarifvertrages über 27 Monate und andere kompensatorische Zugeständnisse
an die Arbeitgeber gegen gerechnet werden: Bezogen auf ein Jahr macht die
tatsächliche Gehalterhöhung etwa 0,6 Prozent aus und damit deutlich
weniger als die durchschnittliche Teuerungsrate.
Es wird damit deutlich, dass es nicht nur einer vom Gesetzgeber
verordneten "Nullrunde"
bedarf, um den Arbeitnehmern mit einer effektiven Minusrunde
als Lohn für ihre Arbeit kräftig in die Tasche zu greifen,
sondern dass dies auch mit einem vordergründig mehrprozentigen Abschluss
moeglich ist.
Ärztinnen und Ärzte wird auch besonders aufstoßen, dass
die Arbeitgeber das Ausmaß unbezahlter Mehrarbeit auf zynische Weise
dadurch reduziert haben, dass einfach die Jahresarbeitszeit durch den Wegfall des AZV-Tages um acht Stunden
verlängert worden ist.
Das soll aber die gewerkschaftliche Leistung dieses Abschlusses nicht
in einem schlechten Licht erscheinen lassen - im Gegenteil:
Verbunden mit einzelnen geplanten Sparmassnahnmen, wie z.B. der Verlängerung der
wöchentlichen Arbeitszeit, das Absenken der Weihnachtszuwendung, hätte eine
ungebremste "Nullrunde" noch viel verheerendere Auswirkungen auf
die ohnehin angespannte Haushaltslage der Arbeitnehmer im Öffentlichen
Dienst gehabt. Ein höherer Abschluss wäre nur mit Arbeitskampfmaßnahmen
durchsetzbar gewesen. Wer den Cent nicht ehrt...
Es gibt aber auch keinen Grund, sich zufrieden mit dem Erreichten
zurück zu lehnen und über dem Alltag zu vergessen, dass für uns
im Krankenhaus die Arbeit erst beginnt.
- Zwar konnte eine Absenkung der Eingangsbezahlung um eine Vergütungsgruppe
abgewendet werden,
was die Ärzteflucht sicher noch weiter drastisch verstärkt hätte.
Die längst überfällige Anhebung der ÄiP-Vergütung auf das Niveau
approbierter Ärzte ist aber immer noch nicht abzusehen.
- Der Tarifabschluss im Ö.D. kann von den Krankenhausträgern auch
nicht als Begründung für umfangreiche Entlassungen und Stellenstreichungen
heran gezogen werden. Es wird genau zu beobachten sein,
ob hier nicht von mancher Leitungskraft ein bequemer Weg eingeschlagen
wird, anstatt wie in Greifswald durch drastische Maßnahmen,
die sicher auch von der Ärzteschaft massiv unterstützt würden,
der Bevölkerung und den Krankenkassen deutlich zu machen,
welche Versorgungslücken durch überzogene Mittelkürzung aufgerissen werden.
- Jetzt gilt es entschlossen, rasch und vollständig die gesamte
bisher unbezahlte Mehrarbeit in Rechnung zu stellen. Ein Krankenhaus,
dass keine Dokumentation dazu nachweisen kann, wird auch nicht
die von der Politik bereitgestellten Sondermittel zur Einhaltung
des Arbeitszeitgesetzes abrufen können.
- In den Vergütungsgruppen der Ärztinnen und Ärzte soll der
Angleich der Vergütung im Tarifgebiet Ost weiterhin über 2007 hinaus
bis ins Jahr 2009 verschleppt werden.
Bereits heute kann den Patientinnen und Patienten nur geraten werden,
mit den ausgebeuteten Krankenhausärzten rechtzeitig die Flucht
in besser versorgte Bundesländer anzutreten.
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