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Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.

 

Landesverband Hessen

 

 


Als ob wir Krankenhausärzte noch immer zu viel Zeit für unsere Patienten hätten

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Wir bedanken uns bei unserem Mitglied   Dr. med. Manfred Kester, für die Erlaubnis,
seinen Leserbrief an die FR ins Netz stellen zu dürfen.

Zu dem Bericht Kassen fürchten Aderlass im Bundesrat (FR vom 1. Februar 2002): Dieses wichtige Thema hätte eine weit eingehendere Behandlung verdient, ist doch zu befürchten, dass selbst die Abgeordneten in Berlin nicht gar zu genau wissen, was sie da zu beschließen haben. Es ist keineswegs so einfach, wie die Frankfurter Rundschau darstellt, dass es "600 bis 800 klar definierte Prozeduren und Operationen geben" soll. Diese Zahl ist vielmehr für die Zahl der Fallpauschalen, der DRGs (Diagnosis Related Groups), gedacht. Das sind Abrechnungspauschalen, die medizinisch oft nicht zusammengehörige, aber ökonomisch mit etwa gleichem Resourcenverbrauch einhergehende Krankheitsfälle zusammenfassen sollen.

Die Zahl der Prozeduren liegt derzeit bei circa 23.000! Operationen sind ein Teil dieser Prozeduren, aber auch eine geradezu undenkbare Fülle weiterer Handlungen im Krankenhausalltag. Erst die nach dem komplizierten Krankheitsschlüssel ICD-10 verschlüsselten Diagnosen und die Prozeduren werden nach komplexen Regeln … zu den besagten 600 bis 800 DRGs zusammengefasst. Diese sind keineswegs "klar definiert". Auf "Fortbildungsveranstaltungen", die seit einiger Zeit mit hohem finanziellem Aufwand für die Krankenhausärzte durchgeführt werden, sind auch die schulenden Spezialisten oft nicht in der Lage, eindeutige Begründungen für die Regeln oder die Ergebnisse zu nennen.

Vergleiche zwischen verschiedenen Experten führten durchaus schon zu vollkommen verschiedenen Fallpauschalen. Oftmals spielt bereits die Reihenfolge, in der der Krankenhausarzt die Haupt-, Einweisungs-, Aufnahme- Entlassungs- und Nebendiagnosen nennt, eine entscheidende Rolle für das Ergebnis und damit die (zukünftigen) Einnahmen des Krankenhauses.

Auch die Entscheidung, welche der Diagnosen in welche der oben genannten Rubriken fällt, kann das Ergebnis verändern. Wir Krankenhausärzte haben offenbar noch immer zu viel Zeit für unsere Patienten (Überstunden und Marathondienste gibt es ja offiziell nicht), so dass man uns unbedingt noch mit einem geradezu schwachsinnigen Abrechnungssystem beglücken musste. Ja, wer von den Patienten weiß schon, dass die Ärzte persönlich für die zeitaufwendige Eingabe der Abrechnungsdaten in den Computer vorgesehen sind. Das werden wir natürlich frisch und freudig nach unserer erhohlsamen Tagesarbeit kostenlos nach Feierabend auch noch erledigen. Aber von diesen Absurditäten abgesehen, werden diese DRGs wohl tatsächlich den Effekt haben, dass es sich "dann nicht mehr lohnen würde, Patienten länger als erforderlich auf der Station zu halten".

Das hört sich ja schön an. Allerdings war es schon bisher wegen des "gedeckelten Budgets" der Krankenhäuser überhaupt nicht mehr atraktiv, die Liegezeiten zu verlängern. Außerdem drohte schon seit Jahren in solchen Fällen der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der mit seinem geballten Sachverstand (?) vom bequemen Schreibtisch aus, ungetrübt von persönlicher Kenntnis des Einzelfalles, einfach einseitig die Zahl der bezahlten Tage verkürzte. Dennoch werden die DRGs sicherlich zu einer weiteren Verkürzung der Aufenthaltsdauer führen, aber ob die Patienten darüber noch glücklich sein werden, darf bezweifelt werden. (…)

Dieser Leserbrief wurde am 14.02.2002 in der FR abgedruckt.

 

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www.mbhessen.de/aktuell/zuvielz.htm
Stand: 18.02.2002 Verantwortlich:  
Prof. Dr. H. Kuni