Ärztemangel wirksam bekämpfen

Mehr Studienplätze und verbesserte Arbeitsbedingungen nötig

Der zunehmende Mangel an qualifizierten Ärzten sowohl in Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich war Thema einer vom Förderkreis Bad Nauheimer Gespräche durchgeführten Diskussionsrunde. Einigkeit bestand seitens der Referenten über die Notwendigkeit verstärkter Anstrengungen, um dem inzwischen nicht mehr nur auf dem Land drohenden Ärztemangel wirksam zu begegnen.

Hohe Motivation bei Studierenden

Nina Walter, stellv. Ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer Hessen, betonte die hohe Motivation der Studierenden und jungen Ärztinnen und Ärzte. Verschiedene von der Kammer durchgeführte Befragungsprojekte hätten ergeben, dass die Abbrecherquote bei den Studierenden der Humanmedizin sehr niedrig sei und die durchschnittliche Studiendauer nur knapp über  der Regel-studienzeit liege. Nahezu alle Absolventen wollten spätestens zwölf Monate nach der Approbation eine ärztliche Tätigkeit aufnehmen, wobei die Mehrheit als niedergelassener Facharzt oder als Oberarzt arbeiten wolle. Bei der Auswahl späterer Arbeitgeber achten die Studierenden den Befragungsergebnissen zufolge vor allem auf eine interessante Tätigkeit, vorhandene Weiterbildungsermächtigung des Arbeitgebers, Arbeitszeiten, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie eine hohe Lebensqualität .

Nachbesetzungsbedarf nicht nur auf dem Land

Zwar sei die Zahl der niedergelassenen Ärzte in den vergangenen 60 Jahren stark gestiegen, führte Dr. Klaus-Wolfgang Richter, Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen aus. Seit der so genannten „Niederlassungsschwemme“ von 1974 bis 1984 seien die Zahlen aber weitgehend konstant geblieben. Angesichts der Altersstruktur sei davon auszugehen, dass bis 2025 mehr als die Hälfte der Hausärzte ausscheiden. Dies und der steigende Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung führten zu einem hohen Nachbesetzungsbedarf nicht nur in ländlichen Regionen. Verschärft werde der Mangel durch die beruflichen Wahlmöglichkeiten der Medizinstudierenden, die nie größer gewesen seien als heute. Viele von ihnen entschieden sich für eine patientenferne Berufstätigkeit in Bereichen wie Beratung, Pharmaindustrie, Forschung oder Medical Wellness.

Ärztemangel seit langem bekannt

MB Hessen-Vorsitzende Dr. Susanne Johna erinnerte daran, dass die Bundesärztekammer bereits 2004 erstmals auf den heranrollenden Ärztemangel aufmerksam gemacht habe. Inzwischen sei die Situation zunehmend schwieriger geworden. Nach Prognosen der Deutsche Krankenhausgesellschaft würden bis zum Jahr 2019 über 37.000 Ärzte fehlen. Trotz aller Warnungen seien die Studienplatzkapazitäten nicht gesteigert worden. So fänden viele junge Leute, die gern Medizin studieren würden, keinen Studienplatz.

Arbeitsbedingungen im Blick behalten

Auch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen müsse man im Kampf gegen den Ärztemangel im Blick haben, erläuterte Johna. Beim MB Monitor 2013 hätten fast drei Viertel der Befragten angegeben, dass sie sich durch die Gestaltung der Arbeitszeiten in ihrer Gesundheit beeinträchtig fühlen. Ärzte seien eine der am häufigsten von Burn-Out betroffenen Berufsgruppen. Schuld daran sei nicht zuletzt auch der hohe Aufwand, den ärztliches Personal für Verwaltungstätigkeiten aufbringen müsse. Ein Drittel der vom MB befragten Ärzte habe angegeben, mehr als zwei Stunden täglich darauf zu verwenden. „Hier werden nach wie vor Ärzte verheizt. Warum ist das immer noch so?“, fragte Johna.

Johna forderte neben einer Erhöhung der Zahl der Studienplätze auch eine Steigerung der Attraktivität der kurativen Tätigkeiten. „Was wir brauchen sind flache Hierarchien, weniger Ökonomisierung der Medizin, eine bessere Vergütung, flexible Arbeitszeiten sowie eine Reduktion der Arbeitsverdichtung“, erklärte Johna. „Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Geschlechtergerechtigkeit und eine altersgerechte Arbeitsgestaltung kann zudem die Zahl der verfügbaren Arztstunden bei gleichbleibender Ärztezahl steigern. “

Text: mo

Foto MB Hessen

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