Ärztestreik kommunale Krankenhäuser

Tausende unbesetzte Arztstellen, steigende Arbeitsbelastung und Nachtdienste zu Dumpinglöhnen – die Ärztinnen und Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern wollen eine weitere Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen nicht mehr hinnehmen und verlangen eine faire Bezahlung ihrer Tages- und Nachtarbeit. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) aber verweigert eine substanzielle Verbesserung der Arbeits- und Einkommenssituation der Krankenhausärzte. Deshalb müssen die Ärzte den Arbeitgebern jetzt auch in Hessen Beine machen und für ihre Forderungen streiken.

Den Auftakt bildet eine zentrale Kundgebung und Demonstration am 17. Mai in München, zu der Krankenhausärzte aus allen Teilen Deutschlands erwartet werden und an der sich auch hessische Ärztinnen und Ärzte beteiligen werden.

Viele Verwaltungsdirektoren kommunaler Kliniken haben längst erkannt, dass eine bessere Bezahlung der Tages- und Nachtarbeit von Ärzten unerlässlich ist, um im Wettbewerb mit anderen Krankenhausträgern bestehen zu können. “Schon jetzt bieten in Hessen 36 Kliniken anderer Krankenhausträger ihren Ärzten bessere Entgeltkonditionen als die kommunalen Klinikarbeitgeber” sagte der Landesverbandsvorsitzende des Marburger Bundes Hessen, Priv. Doz. Dr. med. Andreas Scholz. Die kommunalen Krankenhäuser verlieren den Anschluss – und riskieren die Abwanderung ihrer Ärzte. Die Arbeitgeber bringen mit ihrer Blockadehaltung die stationäre Grundversorgung der Patienten und Arbeitsplätze im nichtärztlichen Dienst in Gefahr. 

Seit Jahren steigt die Arbeitsbelastung der Ärzte. In immer kürzerer Zeit müssen immer mehr Patienten versorgt werden. Die Personalnot im arztlichen Dienst hat die Situation erheblich verschärft. “Besonders großen Unmut unter den Ärzten ruft die Behauptung der Arbeitgeber hervor, im Bereitschaftsdienst werde mehr geschlafen als gearbeitet“, so Dr. med. Scholz. Die Ärzte müssen solche Worte als Verhöhnung ihrer Arbeit in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen empfinden.

Denn die Realität sieht so aus: Ärzte arbeiten 24 Stunden, um Patienten zu versorgen. Der Krankenhausbetrieb wird in der Nacht durch Bereitschaftsdienst aufrechterhalten. Die Bereitschaftsdienste beginnen nach acht Stunden Vollarbeit und dauern in der Regel 16 Stunden. Immer häufiger werden Routinetätigkeiten und auch Operationen in die Zeit des Bereitschaftsdienstes geschoben, um die Fallzahlen zu erhöhen und Kosten zu sparen. Ausbeutung auf Kosten der Ärzte und zu Lasten einer guten Patientenversorgung – das nehmen die Ärzte nicht mehr klaglos hin.

Wir wollen nicht die Patienten beeinträchtigen, sondern auf die Arbeitgeber einwirken. Während des Streiks wird die Versorgung deshalb zwar auf Wochenendniveau heruntergefahren, die Kliniken bleiben aber in Betrieb. Die Notfallversorgung wird auf jeden Fall gewährleistet.” sagte Dr. med. Scholz. Mit den Kliniken wurden Notdienstvereinbarungen verabredet.

In Hessen beteiligen sich in der Zeit vom 17. bis 21. Mai 2010 Ärztinnen und Ärzte aus folgenden Kliniken an der Streikwoche:

  • Bad Arolsen, GNH Krankenhaus
  • Bad Homburg v.d.H., Hochtaunuskliniken
  • Dillenburg, Dill-Kliniken
  • Frankfurt Höchst, Klinikum
  • Fulda, Klinikum
  • Groß-Gerau, Kreiskrankenhaus
  • Haina, Vitos Klinik
  • Hanau, Klinikum
  • Kassel, GNH Klinikum
  • Limburg, St. Vincenz Krankenhaus
  • Offenbach, Klinikum
  • Rüsselsheim, Stadtkrankenhaus
  • Usingen, Hochtaunuskliniken
  • Wetzlar, Klinikum
  • Wiesbaden, Dr. Horst-Schmidt-Kliniken

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