128. Hauptversammlung: Krankmachende Belastungen an ärztlichen Arbeitsplätzen abbauen

Am Freitag und Samstag (06. bis 07. November 2015) hat die 128. Hauptversammlung des Marburger Bundes in Berlin stattgefunden. Thema war unter anderem: "Patient Arzt? - Gesundheitsschutz für Ärztinnen und Ärzte“. Außerdem wurden Beschlüsse zu den Themen: Gesundheitskarte für Flüchtlinge, die Aufwertung der Arbeit von Betriebsärzten, dass TTIP-Abkommen und das Wissenschaftszeitvertragsgesetz gefasst.

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Die Beschlüsse im Einzelnen:

Krankmachende Belastungen an ärztlichen Arbeitsplätzen abbauen. MB fordert tarifpolitische Aufwertung der Arbeit von Betriebsärzten

Der Marburger Bund hält es für dringend notwendig, dass die psychisch belastenden und krankmachenden Faktoren an ärztlichen Arbeitsplätzen umgehend reduziert werden. Neben primär körperlich ungesunden Arbeitsbedingungen gebe es vielfach arbeitsimmanente psychische Belastungen und Herausforderungen, die zu einer krankmachenden Arbeitssituation beitragen, hieß es auf der 128. Hauptversammlung des Verbandes. Nach der aktuellen Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB-Monitor 2015) unter rund 4.000 Krankenhausärzten fühlen sich 59 Prozent der Befragten häufig psychisch belastet. 72 Prozent der Ärztinnen und Ärzte haben das Gefühl, dass die Gestaltung der Arbeitszeiten sie in ihrer Gesundheit beeinträchtigt, etwa in Form von Schlafstörungen oder häufiger Müdigkeit. Die Delegierten forderten die Arbeitgeber auf, Warnsignalen ihrer Mitarbeiter, insbesondere von Ärztinnen und Ärzten, nachzugehen und krankmachende Belastungen abzubauen.

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„Zugang zur gesundheitlichen Versorgung ist ein Menschenrecht“. Marburger Bund fordert flächendeckende Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Der Marburger Bund fordert die Bundesregierung, die Landesregierungen sowie die entsprechenden kommunalen Gremien auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, um die flächendeckende Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge zu ermöglichen. Bei Vorliegen akuter gesundheitlicher Probleme solle unverzüglich eine strukturierte Weiterleitung in die ambulante oder stationäre ärztliche Regelversorgung ohne institutionelle Barrieren erfolgen. „Flüchtlinge und Asylbewerber haben einen uneingeschränkten Anspruch auf medizinische Versorgung“, heißt es in einem Beschluss der 128. Hauptversammlung des Marburger Bundes.

Die humanitäre und damit zugleich auch medizinische Versorgung von hunderttausenden Flüchtlingen und Asylsuchenden erfordere die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen in Politik, Gesundheit und Zivilgesellschaft. Als Verband der angestellten Ärztinnen und Ärzte werde auch der Marburger Bund weiter seinen Beitrag zur Versorgung leisten. „Zugang zur gesundheitlichen Versorgung ist ein Menschenrecht!“, bekräftigten die Delegierten.

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TTIP: Arbeits- und Gesundheitsschutz sind nicht verhandelbar

Das Gesundheitswesen in Deutschland muss ausdrücklich von den Verhandlungen über das TTIP-Freihandelsabkommen mit den USA ausgenommen werden, fordert die 128. Hauptversammlung des Marburger Bundes. „Die Ausgestaltung der gesundheitlichen Versorgung ist in der Europäischen Union Sache der Mitgliedstaaten. Diese Sonderstellung des Gesundheitswesens darf weder auf europäischer Ebene noch in zwischenstaatlichen Abkommen unterlaufen werden. Arbeits- und Gesundheitsschutz sind nicht verhandelbar!“, heißt es in dem Beschluss der Delegierten.

Die Verhandlungsführer auf Seiten der EU seien verpflichtet, die bestehenden Standards im Arbeits- und Patientenschutz uneingeschränkt zu bewahren. Grundrechte und tarifrechtliche Standards der Arbeitnehmer … dürften auf keinen Fall eingeschränkt werden.

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Ärzte: Wissenschaftszeitvertragsgesetz muss nachgebessert werden

Der von der Bundesregierung beschlossene Entwurf zur Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) kommt über gutgemeinte Ansätze kaum hinaus, kritisiert die 128. Hauptversammlung des Marburger Bundes: „Standards, insbesondere zwingende zeitliche Untergrenzen für Befristungen, werden nicht gesetzt, stattdessen delegiert der Gesetzgeber wie so oft einen Teil der Probleme auf die Judikative.“ Eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs hinsichtlich der Mindeststandards sei unabdingbar, um insbesondere Nachwuchswissenschaftlern im ärztlichen Bereich planbare, verlässliche und transparente Karrierewege, auf die sie auch ihr privates Leben abstimmen können, zu bieten.

Die Befristungspraxis im Hochschulbereich und insbesondere auch bei den Ärztinnen und Ärzten an Universitätsklinika führe zu überwiegend sehr kurzen Laufzeiten nach dem WissZeitVG. Deshalb fordert der Marburger Bund, feste Mindeststandards von wenigstens zwei Jahren bei den Vertragslaufzeiten zu normieren.

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Fotos: MB Hessen

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