20.000 Euro weniger für Chefärztinnen

Gendergerechte Karriereförderung steht noch nicht im Fokus

Chefärztinnen verdienten im Durchschnitt 20.000 Euro weniger pro Jahr als ihre männlichen Kollegen. Dies berichtet Prof. Marion Haubitz, Direktorin der Medizinischen Klinik III, Klinikum Fulda, und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, aus dem Sachverständigenrat.

Auch die unterschiedlich gelebten Regelungen zum Thema Mutterschutz in den Kliniken stellen ihrer Meinung nach manchmal einen Hinderungsgrund für die Weiterbildung und Karrierechancen von Ärztinnen dar. Sie wünsche sich deshalb eine Beschäftigung der Berufsverbände, Fachgesellschaften und Ärztekammern mit diesem Thema, sagte Haubitz auf einer Veranstaltung der hessischen Krankenhausgesellschaft und der Landesärztekammer Hessen in Bad Nauheim zum Thema: „Wie gelingt Fachkräftesicherung im Krankenhaus – bedarfsorientiert, organisatorisch, geschlechtergerecht und nachhaltig?“.

Ärztinnen sind Arbeitszeiten wichtig

Der eher kleine Teilnehmerkreis, etwa 25 Geschäftsführer und Personalverantwortliche hessischer Kliniken waren anwesend, ermöglichte angeregte Diskussionen der verschiedenen Vorträge, zeigte aber auch, dass eine gendergerechte Karriereförderung noch nicht im Fokus steht.

Die stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer Hessen, Nina Walter, stellte Daten aus einem mittlerweile 5-jährigen Befragungsprojekt der hessischen Medizinstudium-Absolventen sowie aus einer Studierendenbefragung vor.

Hier zeigen sich bei der Frage nach Kriterien für den späteren Arbeitsplatz relevante Unterschieden zwischen den Befragten Absolventinnen und Absolventen. Während Absolventen gute Bezahlung (38,2 Prozent) und Karrieremöglichkeiten (30,1 Prozent) wichtig sind, sind den Absolventinnen diese Punkte weniger wichtig, dafür aber die Einhaltung der Arbeitszeiten und keine Überstunden mit 42,5.

Hürden in der Weiterbildung

In zwei Vorträgen wurde das Teilprojekt aus Leipzig „TransferGenderMed - Transfermaßnahmen zur gendergerechten Förderung von Frauen in der Medizin“ vorgestellt. Beeindruckende Zitat von Studienteilnehmerinnen belegten, dass es insbesondere für schwangere und teilzeitig tätige Ärztinnen immer noch große Hürden in der Weiterbildung und späteren Karriereentwicklung gibt.

Zu den Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitszeitgestaltung hielt Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bund Hessen und Präsidiumsmitglied der Landesärztekammer, einen Vortrag. Sie betonte, dass in Zeiten des Ärztemangels und hoher Personalwiederbeschaffungskosten das "geschlechtergerechte" Krankenhaus und flexible Arbeitszeitmodelle keine "Frauenfrage" seien, sondern eine zentrale Aufgabe von Gesundheitspolitik und Krankenhausmanagement.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass in den meisten Kliniken nur im pflegerischen, nicht jedoch im ärztlichen Bereich von flexiblen oder abteilungsbezogenen spezifischen Arbeitszeitmodellen gebraucht gemacht wird. Als häufigster Grund dafür wurden unterschiedliche Spezialisierungen auch innerhalb der Fachärzte eines Fachs angegeben.

Autor: mn

 

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