Unikliniken Hessen: 31554 ärztliche Überstunden in 6 Monaten?

Die Zahl geht durch die Presse, etwa hier bei Rhein-Main.Net, dort wie in der dpa-Meldung ohne den wichtigen Hinweis in der Überschrift, dass die Zahl nur ein Halbjahr 2007 betrifft. Sie ist, um es gleich vorwegzunehmen, wohl viel zu niedrig!

Die Quelle ist die Drucksache 16/7561 vom 6.09.2007 aus der vergangenen 16. Wahlperiode des Hessischen Landtags, die sich mit einer Kleinen Anfrage des Abgeordneten Schäfer-Gümbel (SPD) vom 04.07.2007 befasst. Die Zahl ergibt sich aus der Summe der dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst auf diese Anfrage hin gemeldeten Überstunden aus den Unikliniken Frankfurt, Gießen und Marburg aus den ersten beiden Quartalen von 2007.

Ausdrücklich wird in der Drucksache von Staatsminister Udo Corts (CDU) betont: “Angegeben werden die durch Entgelt ausgeglichenen Überstunden, die aufgrund ihrer EDV-mäßigen Erfassung und Dokumentation ermittelbar sind. Nicht einbezogen sind demgegenüber Überstunden oder Mehrarbeitszeiten in Form von zum Beispiel Nachtdiensten, Arbeitszeiten an Wochenfeiertagen oder Saldoüberträgen im Rahmen der Zeiterfassung, die durch Freizeit entsprechend wieder ausgeglichen werden.

Es handelt sich also lediglich um die offiziell erfassten und vergüteten Überstunden!

Die Zahlen geben aber auch aus einem anderen Grund nicht die tatsächliche Belastung und Überlastung der übermüdeten und ausgebeuteten Ärztinnen und Ärzte an Hessens Unikliniken wieder: Auffallend ist z.B. die niedrige Zahl von 3.393 aus dem Uniklinikum Gießen und Marburg für das 2. Quartal 2007, etwa die Hälfte des Wertes, der auch bei einer Fortsetzung des abnehmenden Trends der drei Quartale zuvor zu erwarten gewesen wäre. Da wir von unseren Mitgliedern immer wieder von zahlreichen nicht vergüteten oder durch Freizeit ausgeglichenen Überstunden hören, gehen wir von einer eklatanten Differenz zwischen Papier und Wirklichkeit aus und bedauern, dass diese Zahlen unreflektiert veröffentlicht werden.

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