Arbeitsplatz Caritas: Ein Schleudersitz?

Der Warnhinweis in diesen Tipps für Bewerbungen und Arbeitsvertragsverhandlungen im KapitelGemeinsame Hinweise für katholische und evangelische Arbeitgeber‘ über den Verlust des Arbeitsplatzes bei eher privaten Änderungen der Lebensführung wie Kirchenaustritt, Scheidung, neue Lebenspartnerschaft, gilt zwar nicht nur für die Krankenhäuser der Caritas, aber der jüngste Versuch der Kündigung eines Arztes, weil er zum zweiten Mal geheiratet hat, wird aus einem Krankenhaus der Caritas in Nordrhein-Westfalen berichtet.

Beispielhaft für viele Medienberichte verlinken wir hier diese Meldung bei Spiegel.de. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf bestätigte dem christlichen Krankenhausträger grundsätzlich das Recht einer Kündigung wegen eines ‘Verstoßes gegen kirchliche Sitten‘.

Dennoch hob das LAG im konkreten Fall die Kündigung auf. In dieser Pressemitteilung des LAG vom 1.07.10 zu seinem Urteil vom gleichen Tag (Az: 5 Sa 996/09 LAG Düsseldorf, 6 Ca 2377/09, Urteil vom 30.07.2009 ArbG Düsseldorf) führte es als Grund einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz an: Bei protestantischen Mitarbeitern hatte die Caritas bei einer erneuten Eheschließung nicht gekündigt.

Zudem hatte die christliche Arbeitgeberin bereits seit 2006 von dem eheähnlichen Verhältnis des Arztes gewusst und keine arbeitsrechtlichen Maßnahmen ergriffen, obwohl dieses Verhalten nach dem Arbeitsvertrag bereits einen Pflichtverstoß darstellte. Das LAG befand es als ‘unverhältnismäßig, wenn das Krankenhaus bei längerer Kenntnis von der eheähnlichen Gemeinschaft im Falle der erneuten Heirat des Arztes sofort zum Mittel der Kündigung greift.

Damit müssen sich unsere Titelfrage wohl nur katholische Ärztinnen und Ärzte stellen - es sei denn, sie suchen sich nicht lieber einen Arbeitsplatz bei einem anderen Träger.

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