Arbeitsvertrag ohne Tarifbindung: MB-Tarifvertrag setzt Maßstäbe

„Immer wieder erreichen uns Arbeitsverträge von Ärzten, deren Arbeitsbedingungen nicht durch Tarifverträge geregelt sind“, berichtet  Rechtsanwältin Alexandra Kretschmer, stellv. Geschäftsführerin des MB Hessen. Welche Vorteile tarifliche Mindeststandards im Arbeitsverhältnis bieten, wird vielen Mitgliedern oft zum ersten Mal bei der Beratung des Marburger Bundes deutlich.

Arbeitsbedingungen aushandeln

Kommen keine Tarifverträge zur Anwendung, müssen die Arbeitsbedingungen im Einzelnen mit dem Arbeitgeber ausgehandelt werden. Da die Grundvergütung oft als Summe  festgelegt ist, unterliegt sie keiner automatischen Anpassung aufgrund Tariferhöhungen oder bei einem Zugewinn an Berufserfahrung.

Ob die angebotene Vergütung angemessen ist, hängt u.a. davon ab, wie viele Jahre man bereits ärztlich tätig ist. Orientierung bieten die ärztlichen Tarifverträge mit dem Marburger Bund, insbesondere die Vergütungstabelle des Tarifvertrags an kommunalen KlinikenTV-Ärzte/VKA“.

Die Marburger Bund-Tarifverträge setzen auch Mindeststandards bei den ungebundenen Kliniken. „Wir empfehlen regelmäßig eine Anlehnung der Vergütung oder deren Steigerung gemäß entsprechender tariflicher Regelungen“, sagt Kretschmer.

Bezahlung von Überstunden

Vorsicht gilt bei Regelungen zur Inkludierung von Überstunden im Gehalt. Ihr Gegenwert sollte in Beziehung zur vereinbarten Grundvergütung gesehen, ein gesonderter Ausgleich vereinbart werden. Ohnehin sind viele solcher Klauseln unwirksam und rechtlich angreifbar.

Bereitschafts- und Rufbereitschaftsvergütung basieren meist auf „betrieblichen Regelungen“. Die angebotenen Vergütungshöhen schwanken und wurden oft über Jahre nicht angepasst. Vielfach liegen die Werte unterhalb tariflicher Vergütungen, das kann im Einzelfall mehr als 100 Euro pro Dienst ausmachen. Hier lohnt ein Vergleich mit tariflichen Werten.

Zuschlagsregelungen fehlen

Zuschlagsregelungen für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit, sowie Überstunden fehlen vielfach ganz.

Selten gibt es Zusatzurlaub für Nachtarbeitsstunden im Bereitschaftsdienst, wohingegen die MB-Tarifverträge bis zu zwei Tagen Zusatzurlaub vorsehen.

Regelmäßig werden weniger als 30 Tage Erholungsurlaub angeboten, auch fehlen zumeist Regelungen über Fortbildungstage unter Fortzahlung des Entgelts. Hier gilt es zu verhandeln. „Mündliche Zusagen gerade bei Fortbildungstagen und der Übernahme von Kosten, müssen in den Vertrag, sonst hat man im Nachhinein keine Handhabe“, sagt Kretschmer.

Zunächst nicht schmerzlich vermisst, aber mit zunehmender Bedeutung für das Alter fehlen regelmäßig Zusagen über eine betriebliche Altersversorgung.

Spielräume für Verhandlungen

Bei Vergütungsregelungen, Urlaub und Fortbildungstagen bleibt meist noch ein gewisser  Verhandlungsspielraum, bei der Dienstvergütung, Zuschlagsregelung, Entgeltfortzahlung sowie betrieblicher Altersversorgung bleiben ungebundene Arbeitgeber meist hinter den tariflichen Bedingungen  zurück. 

Durch den Zusammenschluss im Marburger Bund, werden Ärzte zu einem starken Verhandlungspartner und können sich gegenüber Arbeitgebern besser durchsetzen, wenn es um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen geht. Selbst bei tarifungebundenen Arbeitgebern kann die richtige Vorstellung von den tariflichen Mindeststandards ihre Verhandlung oder ihre Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber beeinflussen.

Das Team des Landesverbandes Hessen berät Sie gerne!

Autor: mn

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