Aufsichtsratswahlen am UKGM: Prof. Matejec stellt sich zur Wahl

Im Juni wird der „kleine“ Aufsichtsrat am UKGM gewählt. Prof. Dr. Dr. Reginald Matejec, Anästhesist am UKGM in Gießen, tritt als Spitzenkandidat für den Marburger Bund an. Im Interview mit der MBZ erzählt er, was seine Motivation ist, was er ändern möchte und warum das Gremium für Ärzte wichtig ist.

Herr Prof. Dr. Dr. Reginald Matejec warum kandidieren Sie für den Aufsichtsrat?

Prof. Dr. Dr. Reginald Matejec: Es gibt ein paar Dinge am UKGM, die mich stören und die ich gerne ändern möchte. Der Aufsichtsrat berät und überwacht die Geschäftsführung, beides möchte ich tun. Als Anästhesist kenne ich viele Abteilungen und auch viele Ärztinnen und Ärzte in unserer Klinik, sowohl in den operativen als auch in den nichtoperativen Abteilungen - so bekomme ich aus nächster Nähe mit, wo es Probleme gibt, was schlecht aber auch gut strukturiert ist. Ich bin sozusagen ein "Insider" der Klinik.

Was muss sich ändern?

Matejec: Die Arbeit der Beschäftigten muss Wertschätzung erfahren. Es fehlt an der Iden­ti­fikation der Mitarbeiter zum Haus. Hier sollte etwas vonseiten der Geschäftsführung passieren, denn ein Be­trieb lebt vom Engagement der Mitarbeiter und auch von der Identifikation mit dem Betrieb.

Es gibt auch methodische Strategien der Geschäftsführung, was Personalplanung angeht, die nicht richtig sind und weswegen etwa auf der Intensivstation das Pflegepersonal heruntergefahren wurde, obwohl es eigentlich dringend be­nötigt wird. Hier muss sich etwas ändern. Wir brauchen ausreichend Ärzte und auch Pflegepersonal, um die Pa­tienten weiter auf einem hohen Niveau zu versorgen.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass unsere Ge­schäfts­führung häufig den "personalärmsten" Weg wählt - dies ist nicht immer im Interesse unserer Patienten. Für jede Abteilung werden Stellenberechnungen durchgeführt. Diese wurden in der Vergangenheit von der Geschäftsführung manchmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen nach unten korrigiert, um möglicherweise Geld für Personal zu sparen; mit dem Ergebnis einer hohen Belastung der Ärzte und Pflege. Dies spiegelt sich in einer steigenden Arbeitsbe­lastung und in einer steigenden Anzahl von Krank­heits­ausfällen wider. Die Arbeitsverdichtung und auch eine gewisse Unzufriedenheit der Belegschaft, deutlich zu sehen an jeder Betriebsversammlung, hat mittlerweile ein zu hohes Maß erreicht.

Ins­besondere fehlt die Präsenz der Geschäftsführung und des Vorstandes am Arbeitsplatz. Sie sollten, meiner Mei­nung nach, sich ab und zu bei den Mitarbeitern zeigen, sich Abläufe anschauen und mit Ärzten und Pfle­ge­per­sonal sprechen - nicht nur mit ausgewählten Mitarbeitern. Denn auch die Kommunikation läuft nicht immer rund oder geht an den Mitarbeitern vorbei. Ich beobachte hier einiges, was verbessert werden könnte.

Wofür werden Sie sich einsetzen?

Matejec: Für bessere Arbeitsbedingungen. Es geht den Ärztinnen und Ärzten um die Rah­men­bedingungen ihrer täglichen Arbeit. Auch muss sich was an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ver­bes­sern. Wir stellen uns zwar als familienfreundliches Krankenhaus dar, aber wenn die Kita um 17:00 Uhr schließt ist das für ein Krankenhaus nicht familienfreundlich.

Auch muss es mehr Transparenz und klare Strukturen geben. Insbesondere muss von der Geschäftsführung ein Miteinander mit den Beschäftigten gesucht werden. Wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit am Ar­beitsplatz, da sollten die Bedingungen stimmen. Veraltete Strukturen müssen aufgebrochen werden.

Warum ist es wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte im Aufsichtsrat vertreten sind?

Matejec: Ärzte sind die wichtigste Berufsgruppe am Klinikum. Wir behandeln die Patienten. Des­halb sollten auch Ärztinnen und Ärzte im Aufsichtsrat sitzen. Wir kennen die Probleme, weil wir in der ersten Rei­he sitzen und sehen wo es hakt.

Zur Person:
Prof. Dr. Dr. Reginald Matejec arbeitet als Anästhesist am UKGM in Gießen.

Die Wahl zum Aufsichtsrat am UKGM findet über eine Delegiertenwahl (ähnlich wie die US-Präsidentschaftswahl) am 30./31. Mai statt. Weitere Informationen >>>

Foto: privat
Autor: mn

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