Ausbildungsplatz PJ - Freie Wahl? Freie Wahl!

“Der Studierende sollte frei wählen können, in welchem geeigneten Krankenhaus er das Praktische Jahr absolviert.” war die Kernaussage des Beschlusses Nr. 18 der 117. Hauptversammlung des MB 2010, initiiert vom Sprecherrat der Medizinstudierenden, und so auch wörtlich vom 113. Deutschen Ärztetag 2010 (Drucksache V-19) beschlossen.

Geeignet sind alle Lehrkrankenhäuser. Viele Studierende beklagen allerdings, dass die medizinischen Dekanate ihnen ein Tertial an einem externen Lehrkrankenhaus der eigenen Universität verweigern, solange noch Ausbildungsplätze an einer Uniklinik frei sind.

Das stellt Rechte und Pflichten der Beteiligten auf den Kopf: Die Dekanate haben zu gewährleisten, dass alle Studierenden, die einen ihrer Ausbildungsplätze im Numerus-Clausus-Fach Medizin erhalten haben, auch termingerecht die drei Tertiale Chirurgie, Innere Medizin und Wahlfach absolvieren können. Kommt es dabei zu Engpässen am Uniklinikum, haben die Dekanate die Pflicht, auf eines ihrer Lehrkrankenhäuser zurückzugreifen, und das Recht, Studierende dorthin einzuweisen.

Die zunehmende Verknappung von ärztlichen Stellen an den Unikliniken (absolut durch Sparmaßnahmen und relativ durch vermehrte Aufgaben) hat zu einer wundersamen Vermehrung von PJ-Ausbildungsplätzen geführt, so dass die Lehrkrankenhäuser immer weniger in Anspruch genommen werden mussten.

Viele Lehrkrankenhäuser wussten ihre Attraktivität zu steigern:

  • Praxisnähere Ausbildung: Studierende sehen Patienten nicht nur aus der hintersten Reihe bei der Visite und beim Blutabnehmen.
  • Flachere Hierarchie: Die Menschwerdung beginnt nicht erst mit der Habilitation, auch Studierende im PJ werden als Mitarbeiter wahrgenommen.
  • Die Verpflichtung zu einer individuellen Ausbildung und einem regelmäßigen Gruppenunterricht wird nicht nur auf dem Papier umgesetzt. (Schließlich wird für elf Studierende im PJ eine zusätzliche Arztstelle zugerechnet.) Es gilt nicht nur Mund- und Hakenhalten.
  • Dem besonderen Aufwand der Studierenden im PJ wird durch eine finanzielle Entschädigung Rechnung getragen, verbreitet auch zusätzlich durch freie Kost und Logis. Top: Die Lehrkrankenhäuser der Helios Kliniken GmbH zahlen nach einem Konzerntarifvertrag mit dem MB seit 1.07.2010 700 € pro Monat.
  • Auf eine Lehrbibliothek müssen Studierende am Lehrkrankenhaus nicht verzichten: Sie gehört zur Voraussetzung dieses Status, heute in der Regel ausgestattet mit Online-Arbeitsplätzen, über die den Studierenden mit ihrem VPN-Zugang über den Proxy-Rechner der heimischen Universitätsbibliothek die lizensierte Online-Literatur zur Verfügung steht.
  • Schließlich organisieren auf Wunsch die prüfungsberechtigten Chefärzte am Lehrkrankenhaus mit dem Landesprüfungsamt nicht selten die abschließende mündliche Prüfung.

Kein Wunder also, dass viele Studierende ein Lehrkrankenhaus der heimischen Uniklinik vorziehen. Als Orientierungshilfe dient ihnen oft PJ-Ranking.de.

So absurd es klingt: Ohne unnötige Auseinandersetzung mit dem Dekanat ist es für solche Studierende einfacher, ihr Grundrecht auf freie Wahl des Ausbildungsplatzes wahrzunehmen, wenn sie einen Platz an einem Lehrkrankenhaus einer anderen Universität suchen und sich dann an dieser als Gasthörer einschreiben oder gleich ein geeignetes Krankenhaus im Ausland wählen, um ihren Horizont zu erweitern. Zuständig für die Anerkennung eines PJ-Tertials ist nicht das Dekanat, sondern das Landesprüfungsamt.

Zurück