Ausländische Ärzte: Sprachkenntnisse sind große Hürde

„Ausländische Ärzte“ sind derzeit immer wieder ein Thema in der Öffentlichkeit, sei es in Bezug auf den Ärztemangel oder wenn es um Sprachprobleme in Krankenhäusern geht. Der Marburger Bund Hessen nimmt dies zum Anlass, in einer losen Serie ausländische Ärztinnen und Ärzte vorzustellen, die über ihre Erfahrungen berichten. Diesmal stellen wir Dr. Marina Kontova, Fachärztin für Radioonkologie und Palliativmedizin sowie Psychoonkologie, vor. Sie kam vor zehn Jahren aus Griechenland nach Deutschland.

Von Athen nach Offenbach

Dr. Marina Kontova hat in Ungarn Medizin studiert und ihren Facharzt in Athen angefangen. Nach Deutschland kam sie zufällig, weil ihr damaliger Chef in Deutschland studiert hatte und seine Assistenzärzte regelmäßig für zwei Wochen nach Deutschland schickte, damit sie sich das deutsche System und die Arbeit im Krankenhaus einmal anschauen konnten. 

Kontova ging nach Offenbach:  „Der Chefarzt am Klinikum Offenbach wollte dann, dass ich bleibe und bei ihm meinen Facharzt zu Ende mache“, berichtet Kontova. „Eine große Hürde waren allerdings anfangs die Sprachkenntnisse.“  Kontova sagte schließlich erst einmal für eine sechsmonatige Hospitation zu. In dieser Zeit kümmerte sie sich um Sprachkurse am Goethe-Institut und an der Volkshochschule. 

Nach den sechs Monaten wollte ihr Chef, dass sie bleibt. Kontova kündigte ihre Stelle in Athen und ging nach Offenbach. Ihr Mann, auch Arzt, kam 3,5 Jahre später nach. 

„Es gab damals kein System, das Ärzten aus dem Ausland half, sich zu integrieren. Mir haben meine Kollegen, mein Chef und das Pflegepersonal viel geholfen. Sie haben mich dabei unterstützt, die Sprache zu lernen, “ sagt Kontova, die selbst fünf Sprachen spricht. Neben Griechisch, Deutsch und Englisch auch Ungarisch und Französisch. „Ich habe dann einfach drauflos gesprochen.“

 „Was fehlt, ist meiner Meinung nach eine zentrale Anlaufstelle bei der Ärzte aus dem Ausland Informationen, etwa zum Gesundheitssystem, bekommen, aber auch über Vergütungsregeln, Anerkennungen, Versicherungen und Sprachtests“, sagt Kontova. Denn es sei nicht einfach, sich in Deutschland auf Anhieb zurechtzufinden. 

Wirtschaftlichkeit rückt in den Vordergrund

Kontova findet das deutsche Gesundheitssystem sehr gut. „Gerade wenn man auch andere Systeme aus anderen Ländern kennt, fällt einem auf, wie viele Leistungen das System für seine Patienten bereithält, etwa dass Taxifahrten zur Bestrahlung bezahlt werden.“

Kritisch bewertet sie allerdings das DRG-System: „In Deutschland kommt man sich eher wie ein Manager vor und nicht wie ein Arzt.“ Das DRG-System nehme viel Zeit in Anspruch, die später beim Patienten fehle, so Kontova. „Die Wirtschaftlichkeit rückt immer mehr in den Vordergrund.“

Bei ausländischen Ärzten die nach Deutschland kommen, beobachtet Kontova, dass eine große Bereitschaft zur Integration da sei. Jedoch müsse sichergestellt werden, dass diese Kollegen ausreichend deutsch sprechen. Hier müsse sich mehr für ausreichende Sprachkenntnisse eingesetzt werden, so Kontovas Einschätzung.

Autor: mn
Foto: privat

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