Delegiertenversammlung der Ärztekammer: Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kernkraftwerken so rasch wie technisch möglich

Die 7. ordentliche Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen am 26.03.11 stimmte mit überwältigender Mehrheit (3 Nein, 5 Enthaltungen) dem von Delegierten des Marburger Bundes eingebrachten Antrag zu:

Die Delegiertenversammlung möge beschließen:

Die Delegiertenversammlung fordert einen Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kernkraftwerken so rasch wie technisch möglich.

Die in Hessen vorgehaltenen Einrichtungen zur Diagnostik und Behandlung von Patienten mit strahlenden Stoffen und das dort arbeitende fachkundige Personal sind ausgelastet. Dies gilt auch für die wenigen Einrichtungen, die im Rahmen der Tumorbehandlung die spezielle Behandlung von Patienten mit zerstörtem Knochenmark fachgerecht durchführen können. Bedingt durch Sparmaßnahmen in der Bewirtschaftung von Personal und Betriebsmitteln sind sogar Engpässe qualitativer und quantitativer Art zu verzeichnen.

Die stationäre Behandlung von Strahlenopfern bedingt Verweilzeiten, die die durchschnittliche Verweilzeit in Krankenanstalten um ein Vielfaches übersteigt, und eine hohe Intensität ärztlicher und pflegerischer Maßnahmen, zudem gebunden an ein besonderes Maß von Fachkunde. Ohne systematische Vorhaltung entsprechender Ressourcen muss deshalb eine größere Anzahl von Strahlenopfern zu erheblichen Engpässen führen.

Darüber hinaus sind die vorhandenen spezialisierten Messgeräte in den medizinischen Einrichtungen für den Nachweis anderer als der ursprünglich in der Medizin verwendeten Strahlung nicht oder nur sehr eingeschränkt verwendbar. Dies gilt in besonders krassem Maß für Alphastrahler (z.B. viele Plutoniumisotope).

Die Erfahrung anlässlich "Tschernobyl" hat gezeigt, das die Ausrüstung anderer Stellen, z. B von Umweltschutzbehörden der Länder, ABC-Schutzzug der Feuerwehr, nicht nur nicht zur Substitution herangezogen werden konnten, sondern umgekehrt solche Dienststellen zur Erfüllung ihrer Aufgaben aus quantitativen und/oder qualitativen Gründen auf universitäre Einrichtungen zurückgreifen mussten.

Eine nukleare Katastrophe, wie wir sie derzeit in Japan verfolgen müssen, ist in Hessen aus ärztlicher Sicht nicht zu bewältigen.

Quelle wesentlicher Textpassagen.

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