Auswandern: Bereitschaft ungebrochen

Die aktuelle Erhebung zeige, dass die Medizinstudierenden heimatverbunden sind, lautete ein Fazit von Dr. Volker Hildebrandt, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentags (MFT), in diesem ‘Statement’ bei der Vorstellung der Ergebnisse des ‘Berufsmonitoring Medizinstudenten 2010‘.

Offenbar können auch Auswanderer und erst Recht potenzielle Auswanderer heimatverbunden sein, denn nur für 7,9% der befragten Studierenden kam ‘Ausland’ als Arbeitsort auf keinen Fall in Frage, 29,1% meinten ‘Ja, auf jeden Fall’ und 34,5% ‘Ja, wahrscheinlich’!

Dr. Hildebrandt zitierte zudem aus dieser INCHER-Studie der Universität Kassel (266 kB), dass die deutschen Medizinstudierenden mit Abstand die international mobilste Fächergruppe seien und von den Absolventen des Jahrgangs 2005 59% während ihres Studiums ein viermonatiges Auslandspraktikum absolviert hätten.

Viele dürften also aus eigener Anschauung die Motive für eine Auswanderung angegeben haben, von denen unsere Grafik die drei Nennungen mit mehr als 50% auf die Frage ‘Wenn das Ausland für Sie als Arbeitsort in Frage kommt, welche der folgenden Gründe spielen für Sie dabei eine Rolle? (Mehrfachnennungen sind möglich)‘ zeigt.

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Da liest sich das Lob, das der Generalsekretär des MFT den deutschen Hochschulkliniken wegen ihrer zunehmend familienfreundlichen Orientierung ausspricht, wie blanker Hohn. Hören wir doch von unseren Mitgliedern, dass schon der Vergleich der Arbeitbedingungen während des klinischen Studiums die Gedanken an eine Auswanderung beflügelt und die Ausbeutung während des Praktischen Jahres (meist an Universitätskliniken) häufig den letzten Ausschlag gibt, möglichst bald Deutschland zu verlassen.

Im ‘Philosophischen Quartett‘ am 17./18.10.10 (Thema ‘Sterben die Deutschen aus?‘) befürchtete der Gast Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, dass die Auswanderung noch in dem Maße zunehmen werde, wie die Elite begreifen würde, dass in Deutschland unter den entwickelten Ländern die meisten Zahlungsempfängern von den Verdienenden unterhalten werden müssten. Er fürchtete unter den zahlungskräftigen Ländern einen zunehmenden Kannibalismus um die Leistungsträger.

Der Rat, den Gastgeber Prof. Peter Sloterdijk zum Schluss der Sendung deutschen Abiturienten gab, ‘nicht auswandern, hier bleiben, Medizin studieren und eine gerontologische Praxis aufmachen‘, scheint allerdings zu verkennen, dass es Ärztinnen und Ärzten in Deutschland nicht etwa an Arbeit mangelt, sondern sie hierzulande keine befriedigenden Arbeitbedingungen und Einkommen dafür finden.

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