Blick in die Geschäftsstelle: Verbandsjurist Nico Bettelmann berichtet von seinem Arbeitsalltag

Die Geschäftsstelle ist der Anlaufpunkt für unsere Mitglieder, wenn Sie Fragen zu ihrer Mitgliedschaft haben oder ein rechtliches Anliegen, etwa wenn ein neuer Arbeitsvertag geprüft werden soll. Wir werfen einen Blick in die Büros und stellen Rechtsanwalt Nico Bettelmann vor und fragen ihn, wie ein Arbeitstag bei ihm aussieht, welche Termine er wahrnimmt und bei welchen Problemen und Anliegen er unsere Mitglieder unterstützt.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Nico Bettelmann: Einen großen Teil des Tages verbringe ich am Telefon und berate unsere Mitglieder bei rechtlichen Fragen. Daneben kommen viele Anfragen natürlich auch per E-Mail, da das einfach praktisch für unsere Mitglieder, weil sie hier nicht an unsere Bürozeiten gebunden sind. Und ich prüfe natürlich regelmäßig Arbeitsverträge. Hinzu kommt der Schriftverkehr mit den Arbeitsgerichten.

Welche Fragen kommen regelmäßig von den Mitgliedern?

Nico Bettelmann: Es gibt da ein paar Klassiker, die ich jede Woche bearbeite. Etwa Fragen zu Überstunden: Wie viele Überstunden darf ich machen? Kann ich verlangen, dass diese in Freizeit ausgeglichen werden oder müssen sie  mir bezahlt werden? Auch Fragen zum Thema Arbeitszeit stellen die Mitglieder regelmäßig: Wie viele Stunden in der Woche darf ich höchstens arbeiten? Wie viele Dienste sind im Monat zulässig?

Zudem kommen auch immer wieder Fragen zum Gehalt: Das ist auch oft eine Wissenschaft für sich. Denn Ärzte im Krankenhaus bekommen eine Abrechnung plus zwei Rückrechnungen für vorherige Monate. Da ist es manchmal schwierig nachzuvollziehen, ob tatsächlich alles bezahlt ist. Dafür muss man nicht nur die Abrechnung anschauen, sondern auch den Dienstplan und das Arbeitszeitkonto.

Wie läuft ein Beratungs-Gespräch mit unseren Mitgliedern?

Nico Bettelmann: Es geht erst einmal darum, dem Mitglied genau zuzuhören und herauszuarbeiten, was das Problem ist. Anschließend werden etwaige Ansprüche und die weitere Vorgehensweise besprochen. Wir können uns für unsere Mitglieder die Zeit nehmen, die sie brauchen.

Sie sind aber nicht nur im Büro, sondern auch regelmäßig auf Terminen. Welche Termine nehmen Sie war?

Nico Bettelmann: Ich gehe unter anderem zu Gerichtsterminen, bei denen wir unsere Mitglieder vertreten. Dabei geht es meist um Themen wie Kündigung oder Vergütungsansprüche. Außerdem besuche ich Mitgliederversammlungen, heute Abend geht es zum Beispiel nach Gelnhausen. Das ist immer eine gute Möglichkeit, die Mitglieder persönlich kennen zu lernen und Themen vor Ort zu besprechen. Auch werden wir MB-Juristen zu Betriebsversammlungen oder Betriebsratssitzungen eingeladen.

Begegnen Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit auch skurrile Geschichten?

Nico Bettelmann: Ja, immer wieder.  Dieses Jahr hatte ich ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich musste einen Befangenheitsantrag gegen einen ehrenamtlichen Richter in einem Kündigungsprozess stellen, denn er war gleichzeitig der Justiziar des Arbeitgebers.

Oder auch bei Arbeitsverträgen von Ärzten, die in MVZ oder Praxen angestellt werden, erlebe ich immer mal wieder skurrile Vorstellungen von Seiten der Arbeitgeber. So lag mir ein Arbeitsvertrag vor, der kein festes Gehalt vorsah, sondern eine Bezahlung nach den durchgeführten Behandlungen. Es war so nicht klar, wie viel der Arzt monatlich verdienen würde. Das wirtschaftliche Risiko so weitreichend auf den angestellten Arzt zu übertragen, geht natürlich nicht. Der Marburger Bund hat für Ärzte in Praxen und MVZ daher einen Muster-Anstellungsvertrag erstellt.

Letztens hat uns ein Mitglied berichtet, dass sein Arbeitgeber ihm geschrieben hat, dass die Nebenabrede für Bereitschaftsdienste gekündigt wird und das „einvernehmlich, fristlos und entgegen der tariflichen Bestimmungen“. Da muss man als Jurist schon schmunzeln. Wir empfehlen in einem solchen Fall natürlich unseren Mitgliedern, keine neue Nebenabrede zu unterzeichnen und Vergütungsansprüche wie bisher geltend zu machen.

Zur Person: Nico Bettelmann ist Verbandsjurist beim Marburger Bund Hessen.

Das Interview führte Kerstin Mitternacht

Foto: MB Hessen

 

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