Blick in lebendige Verbandsgeschichte

Was auf den ersten Blick wie ein zufälliges Zusammentreffen zur Verbandsgeschichte aussah, entpuppte sich  als ein enger persönlicher Zusammenhang und aktueller Bezug zu wichtigen Auseinandersetzungen für die Ärztinnen und Ärzte an den hessischen Krankenhäusern. Auf der Sitzung des Landesverbandsvorstandes am 09.12.08 dankte der erste Vorsitzende des MB Hessen Priv.-Doz. Dr. Andreas Scholz den Kollegen Drs. Furch und Lang für ihre Jahrzehnte lange Mitarbeit im Verband und aus Anlass ihres Ausscheidens aus der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen mit Beginn der neuen Legislaturperiode 2008-2013 insbesondere für die Vertretung in der ärztlichen Selbstverwaltung.

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In seinem Dank betonte Lang, dass der MB ihn während seiner gesamten Berufstätigkeit begleitet habe. Der Beginn seiner Mitarbeit sei allerdings von einem fundamentalen Irrtum gezeichnet gewesen: Schon als Medizinstudent sei er von der Wichtigkeit einer Mitarbeit im Marburger Bund überzeugt gewesen und als ihm zu Beginn seiner klinischen Tätigkeit als Assistenzarzt an der Frauenklinik des Nord-West-Krankenhauses Frankfurt/M. anlässlich des Abschlusses einer Zusatzkrankenversicherung als Gruppenversicherung das Beitrittsformular zu einem “…bund” vorgelegt worden war, habe er ohne Zögern unterschrieben.

Der an der selben Klinik arbeitende Kollege Furch habe ihn dann bald zur aktiven Mitarbeit im MB Hessen motiviert. Erst als anlässlich von Wahlen zum Delegierten einer Hauptversammlung der Geschäftsführer Garbrock keinen Eingang von Mitgliedsbeiträgen entdecken konnte, stellte sich heraus, dass er in den falschen Bund eingetreten war, was er natürlich unverzüglich korrigierte.

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Einem durch die Hauptversammlung zum Ehrenmitglied ernannten Dr. Furch zu danken, schien dem sprichwörtlichen Eulentransport zu gleichen. Diesmal galt es aber vorrangig, die Verdienste Furchs für die Vertretung des MB in der Landesärztekammer zu würdigen.

Furch erinnerte in seinem Dank daran, dass der Beginn seiner Verbandsarbeit durch die Auseinandersetzung um die Halbgötter in Weiß geprägt war. Als Assistentensprecher am Nord-West-Krankenhaus Frankfurt/M. habe er in einem Gespräch mit dem hessischen Sozialminister Dr. Horst Schmidt den Anstoss gegeben, in das Landeskrankenhausgesetz die Grundlage für die Rechtsverordnung zur Poolregelung aufzunehmen. Sie habe sich mehr als dreißig Jahre bewährt, um aus dem Liquidationserlös der leitenden Ärzte die an der Erarbeitung dieses Erlöses beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beteiligen. Auch die Krankenhausträger hätten rasch erkannt, dass damit auch zusätzlich qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte am Haus gehalten werden konnten.

Den aktuellen Bezug stellte Furch mit der Bedrohung der Regelung durch die Krankenhausträger her, die darauf drängen, die heute angeblich überflüssig gewordene Rechtsverordnung zum Mitarbeiterfonds aus dem Gesetz zu streichen.

Hintergrund: Immer häufiger werden Chefarztverträge abgeschlossen, in denen der leitende Arzt sein Liquidationsrecht ganz an das Krankenhaus abtritt und höchstens einen kleinen Bruchteil davon erhält. Nachdem die hessische Sozialministerin Lautenschläger anlässlich einer Anfrage unseres Mitglieds Dr. Thomas Spies (MdL) vor dem hessischen Landtag unmissverständlich klargestellt hat, dass die Abgabe an den Mitarbeiterfonds aus dem Liquidationserlös auch dann abzuführen ist, wenn der Krankenhausträger den an ihn abgetretenen Erlös einzieht, versucht die hessische Krankenhausgesellschaft, die gesetzliche Regelung der bisherigen ungesetzlichen Praxis anzupassen statt umgekehrt ihre Mitglieder anzuhalten, sich an die gesetzlichen Vorschriften zu halten - also im Prinzip die gleiche Praxis wie bei den ständigen Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz: Ausbeutung und Gesetzesbruch sind an hessischen Krankenhäusern weit verbreitet.

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