Chirurgie (fast) frauenfrei?

Im ärztlichen Sprachgebrauch gehörte die Chirurgie zu den frauenfreien Fächern. Das war natürlich eine Übertreibung, allerdings kommt das Gebiet auch heute einer solchen Klassifizierung noch sehr nahe, wie sich dieser Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2008 (136 kB) entnehmen lässt:

frauenanteilchir.jpg

In der Grafik sind alle von der Bundesärztekammer im Abschnitt des Gebietes Chirurgie aufgeführten Schwerpunkte und selbstständigen Fachgebiete, wie z.B. die Herzchirurgie mit einem unterdurchschnittlichem Anteil an Ärztinnen, der dieser Beitrag besonders gilt, zusammengefasst.

 

frauenanteilfa.jpg

Für die Krankenhäuser stellt diese Entwicklung im Konkurrenzkampf um die knapper werdende Ressource Arzt eine besondere Herausforderung dar: Sie hinken mit dem Angebot familienfreundlicher Strukturen dem Bedarf weit hinterher. Dass es (natürlich einen ärztespezifischen Tarifvertrag, den Sana mit dem Marburger Bund abgeschlossen hat, vorausgesetzt) mit dem Vorhalten einer Kita noch nicht getan ist, geht aus einem Artikel der FTD vom 15.04.2010 “Ein Königreich für einen Arzt” hervor: Danach läuft an der Herzchirurgie Stuttgart (Sana-Konzern) ein Modellversuch, bei dem ein kostenloser Kitaservice angeboten wird, wenn ein Betreuungsnotfall eintritt (kein Babysitter oder Familienangehöriger zu finden, der auf das Kind aufpasst), und für den die Klinik vorsorglich 50 Notfalltage in einer Kindertagesstätte bucht!

Mit diesem Konzept geht die Stuttgarter Klinik über die dediziert familienfreundliche Konzernpolitik noch hinaus und zwar mit einem auch innerhalb des Konzerns (und sicher auch außerhalb) bemerkenswerten Erfolg: Sie berichtet von mehr Bewerberinnen und Bewerbern als sie freie Stellen hat. Davon kann die weit überwiegende Mehrzahl deutscher Krankenhäuser nur träumen. Wie das zu ändern ist, lehrt ein Blick nach Stuttgart.

Zurück