Versorgungswerk rüstet sich für künftige Herausforderungen

Beschlüsse zu Berufsunfähigkeit, Kinderzuschüsse und gendergerechten Sprache

Das hessische Ärzteparlament hat drei Beschlüsse zur Änderung der Satzung gefasst: Es gibt Änderungen bei der Berufsunfähigkeitsrente, den Kinderzuschüssen und die Satzung wurde gendergerecht formuliert. Ziel ist es, das Versorgungswerk an neue Entwicklungen anzupassen und für zukünftige Herausforderungen zu rüsten.

Rechnungszins abgesenkt

Bereits vor einigen Jahren erkannte der Vorstand des Versorgungswerkes die Not­wendigkeit, den Rechnungszins schrittweise abzusenken. Zur Erläuterung: Es handelt sich hierbei um die Verzinsung, die die Kapitalanlagen erbringen müssen, um die zugesagten Leistungen in Gegenwart und Zukunft erfüllen zu können.

Je nach Biographie der Mitglieder kommt es zu unterschiedlichen Verzinsungen der geleisteten Beiträge:

  • Bis 31. Dezember 2003 gezahlte Beiträge werden mit 4 Prozent verzinst.
  • Zwischen 1. Januar 2004 und 31. Dezember 2009 gezahlte Beiträge werden mit 3,5 Prozent verzinst.
  • Ab 1. Januar 2010 gezahlte Beiträge werden mit 3 Prozent verzinst.

Hieraus resultiert eine Mischverzinsung.

Andauernde Niedrigzinsphase

Auch unter dem Szenario einer länger andauernden Niedrigzinsphase gilt es, die Generationengerechtigkeit zu bewahren. Schließlich bedeutet der niedrigere bilanzielle Rechnungszins mehr Gerechtigkeit zwischen den einzelnen Generationen. Denn vor allem jüngere Mitglieder, deren Beiträge mit 3 und 3,5 Prozent verzinst werden, finanzieren zu einem gewissen Teil die 4-prozentigen Zinsversprechen der bis Ende 2003 gezahlten Beiträge.

Ein verringerter Rechnungszins bewirkt eine Erhöhung der Deckungsrückstellung, weil bei geringerer Verzinsung ein höheres Kapital erforderlich ist, um die gleichen Leistungen erbringen zu können. Wenn der Rechnungszins z.B. um 0,1 Prozent­punkte verringert werden soll, sind dafür aktuell rund 200 Millionen Euro erforderlich.

In ersten Schritten konnte u. a. durch Überschüsse der Vorjahre und Absenkung des in den Rechnungsgrundlagen einkal­kulierten Verwaltungskostenzuschlags der Rechnungszins von 3,85 auf 3,77 Prozent zum 31. Dezember 2013 reduziert werden.

Änderung bei der Berufsunfähigkeit

Bei der Analyse fanden sich weitere „Stellschrauben“. Dabei zeigte sich, dass allein mit einer veränderten Zurechnung bei der Rente wegen Berufsunfähigkeit (BU) ein signifikanter Beitrag in der versi­cherungsmathematischen Bilanz frei wird, ohne dass es zu Ungerechtigkeiten inner­halb der Beitragsgenerationen kommt. Die beschlossene Änderung verändert die Höhe der Zurechnung der BU-Rente durch Begrenzung auf das 60. Lebensjahr. Diese veränderte Berechnung gilt für alle ab dem 1. Januar 2016 gestellten Anträge auf BU-Rente.

Zur Erläuterung: Bei der Zurechnungszeit handelt es sich um den Zeitraum zwischen dem Eintritt der BU und dem regulären Renteneintrittsalter (derzeit 65 Jahre), in dem keine Beiträge mehr gezahlt werden. Damit die Rente trotzdem ein auskömmliches Niveau erreicht, wird unterstellt, dass das Mitglied bis zum Renteneintrittsalter die gleichen Beiträge wie in dem Jahr vor Eintritt in die BU zahlt. Anhand der tatsächlich gezahlten und der unterstellten Beiträge wird die Rente berechnet.

Es handelt sich bei diesem Zurechnungsanteil um einen solidarisch finanzierten Geldbeitrag, auf den insbesondere junge Mitglieder mit erst geringen Beitragszahlungen angewiesen sind. Bereits erworbene Anwartschaften sind hiervon nicht betroffen.  

Solidarisch finanzierte BU-Rente

Ein weiterer Grund für die Anpassung der Zurechnungszeit sind die Regelungen der meisten anderen ärztlichen Versorgungswerke, die bereits seit mehreren Jahren nur noch bis zum 60. Jahr hochrechnen. Durch das Lokalitätsprinzip wird es zukünftig häufiger vorkommen, dass Mitglieder von verschiedenen Versorgungswerken eine Rente beziehen, dies gilt auch für BU-Renten.

Die beschlossene Lösung erscheint auch deshalb vertretbar, weil bereits durch die Zahlung eines Monatsbeitrags der Anspruch auf eine solidarisch finanzierte BU-Rente besteht. Die Absicherung der Berufsunfähigkeit über das Versorgungswerk setzt die 100-prozentige Unfähigkeit für jedwede ärztliche Tätigkeit voraus.

Um die Rente des Versorgungswerkes für sich oder für die Hinterbliebenen zu erhöhen, empfiehlt es sich, freiwillig mehr Beiträge zu zahlen. Wie bisher hängt die Höhe der Altersrente sowie der BU-Rente, von der Höhe des vom Mitglied eingezahlten Beitrages ab.

Änderung bei den Kinderzuschüssen

Im zweiten Beschluss geht es um die Kinderzuschüsse für Altersrentner. Einen Anspruch auf einen Kinderzuschuss haben in Zukunft lediglich BU-Rentner, und zwar bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes. Bei Altersrente entfällt der Kinderzuschuss.

Aus Gründen des Vertrauensschutzes ist eine längere Über­gangszeit vorgesehen: Es bleibt für diejenigen bei der bisherigen Regelung, die vor dem 1. Januar 2018 eine Rente beziehen und deren Kinder vor diesem Datum geboren werden.

Sprachliche Überarbeitung

Die Satzung und die Versorgungsordnung wurden zudem sprachlich überarbeitet, um den Geschlechtern gerecht zu werden und Ärztinnen und Ärz­te gleichermaßen anzusprechen.

Zum Autor: Dr. med. Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg, stellv. Vorsitzender des Vorstandes Versorgungswerk und Delegierter des MB Hessen.

 

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