Delegierte aus Hessen engagiert bei MB-Hauptversammlung

Bei der 126. Hauptversammlung des Marburger Bundes am 7. und 8. November 2014 in Berlin haben sich die hessischen Delegierten konstruktiv und mit vielen Wortbeiträgen eingebracht. Insgesamt drei Anträge des Landesverbandes Hessen wurden auf der Hauptversammlung mit großen Mehrheiten angenommen.

So appellierten die MB-Delegierten an den Bundesminister für Gesundheit, die Ursachen des herrschenden Ärztemangels anzugehen, statt nur die Verteilung zu regeln. Die geplante Facharzttermingarantie entziehe durch die zusätzlich entstehende Bürokratie lediglich Gelder. Eine zeitnahe Terminvergabe sei aber dort, wo nicht genügend Fachärzte zur Verfügung stehen, auch nicht durch eine Koordinierungsstelle zu erreichen, heißt es in dem Beschluss der Hauptversammlung. Wenn Krankenhäuser diese Lücke füllen sollten, entstünde in den Kliniken durch die Ausweitung des Aufgabenspektrums hin zur ambulanten Versorgung eine weitere Überlastung des vorhandenen Personals.

Stellv. Landesverbandsvorsitzender PD Dr. Andreas Scholz

 

Mehr Medizinstudienplätze gefordert

Eine weitere von der Hauptversammlung beschlossene Forderung aus Hessen bezieht sich auf die Schaffung von mehr Medizinstudienplätzen: Die Länder sollen nach dem Willen der Delegierten die kürzlich durch die Forschungsminister beschlossene Schaffung von deutlich mehr Studienplätzen und deren Finanzierung auch für die Einrichtung von zusätzlichen vollen Humanmedizin-Studienplätzen nutzen und eine adäquate personelle Ausstattung sowie die apparativen und räumlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen.

Der dritte Antrag aus Hessen knüpft an die aktuelle Debatte um das so genannte  „Social Freezing“ an, also das Einfrieren von Eizellen, um die Familienplanung in eine spätere Lebensphase verlagern zu können. Die MB-Hauptversammlung lehnte diese Maßnahme ab und forderte die Arbeitgeber auf, sich stattdessen zu einer geschlechtergerechten Karriereförderung zu bekennen. Zu einem familienfreundlichen Arbeitsklima gehörten nicht nur die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten, Kinderbetreuung auch außerhalb von Arbeitskernzeiten sowie klar geregelte Arbeitszeitkonten, sondern vor allem auch gendergerechte Karrierechancen, so die Delegierten.

Anne Kandler, stellv. Bezirksvorsitzende aus Fulda

Tarifeinheitsgesetz ist Angriff auf die freie gewerkschaftliche Betätigung

Mit scharfen Worten forderte der Marburger Bund außerdem die Bundesregierung auf, den Entwurf eines Tarifeinheitsgesetzes zurückzuziehen und das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. „Der Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums ist ein fundamentaler Angriff auf die freie gewerkschaftliche Betätigung der Arbeitnehmer, wie sie in Art. 9 Abs. 3 des Grundgesetzes ‚für jedermann und für alle Berufe‘ garantiert ist“, heißt es in dem Beschluss der 126. Hauptversammlung des Marburger Bundes. Der Entwurf des Tarifeinheitsgesetzes sei die Vorbereitung eines Grundrechtsbruchs. Mit einem solchen Gesetz würde über 150.000 angestellten Ärztinnen und Ärzten in 2.000 Krankenhäusern das grundgesetzlich verbürgte Recht genommen, unabhängig und eigenständig über Gehälter sowie Arbeitsbedingungen mit den Arbeitgebern zu verhandeln und notfalls auch zu streiken. Die Delegierten appellierten an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, das Grundgesetz zu schützen: „Noch ist es Zeit für eine politische Kehrtwende!“

 

Text: mo

Fotos: MB-Bundesverband

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