Delegiertenversammlung: MB-Anträge zur Medical School und Arbeitszeiten angenommen

Die Delegierten des Marburger Bundes Hessen haben auf der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer mehrere Anträge gestellt, die zum Teil einstimmig von den Delegierten beschlossen wurden.

Bedarfsgerechte Finanzierung im Gesundheitswesen in Hessen

Die Delegiertenversammlung  der Landesärztekammer hat mit großer Sorge festgestellt, dass im Gesundheitswesen eine bedarfsgerechte Versorgung der Menschen in Hessen, durch immer deutlicher werdende Finanzierungsdefizite, zunehmend stärker gefährdet ist.  

Für den stationären Bereich hat aktuell eine Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer eine Beeinträchtigung durch Finanzierungsprobleme festgestellt.

Für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte haben immer wieder Vertreter der hausärztlichen Versorgung verkündet, dass sie sich ohne ausreichende Finanzierung durch die gesetzliche Versicherung gezwungen sähen, gegen ihre eigene Berufsauffassung Beschränkungen in der Patientenversorgung vorzunehmen.

Den Ärztinnen und Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst fehlt weiterhin ein eigenständiger Tarifvertrag, der eine angemessene Bezahlung sichert.

Die Delegiertenversammlung sieht diese Entwicklung mit größter Sorge für die Menschen in Hessen und fordert daher:

  • Für die ambulante Versorgung eine auskömmliche Vergütung, die ihnen eine angemessene Versorgung aller Patienten ermöglicht.
  • Die Unterfinanzierung der Krankenhäuser zu beenden und eine vollständige Refinanzierung der Tarifverträge in den Krankenhausbudgets sicherzustellen, sowie die ausstehenden Investitionen in Krankenhäusern zu tätigen.
  • Den Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen endlich einen eigenen Tarifvertrag mit einer angemessenen Bezahlung zu geben sowie die personelle und materielle Ausstattung im öffentlichen Gesundheitsdienst deutlich zu verbessern.

Stopp der überlangen Arbeitszeiten

Eine vor wenigen Wochen durchgeführte online Befragung von 3309 Ärztinnen und Ärzten in Deutschland hat ergeben, dass drei Viertel der Ärztinnen und Ärzte im Durchschnitt mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. 47 Prozent erklärten, dass ihre tatsächliche Wochenarbeitszeit inklusive Überstunden und Bereitschaftsdienste im Durchschnitt zwischen 49 und 59 Stunden liegt. Ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte ist pro Woche 60 bis 79 Stunden im Dienst.

Knapp drei Viertel haben das Gefühl, dass sich die Gestaltung der Arbeitszeiten negativ auf ihre Gesundheit auswirkt, etwa in Form von Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit. Davon fühlen sich 89 Prozent auch in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.

Die Hessische Delegiertenversammlung fordert daher nachhaltig diese Missstände zu beheben. Die Gewerbeaufsichtsämter sollen Ihrer Kontrollfunktion für ärztliche Arbeitszeiten in den Kliniken nachkommen. Überschreitungen der zugelassenen Höchstarbeitszeiten sind dann entsprechend bei den Arbeitgebern mit den vorgesehenen Bußgeldern zu belegen. Die Landesärztekammer wird aufgefordert diesen Ärztinnen und Ärzte zu Ihren Rechten zu verhelfen.

Ausbildung an der Kassel School of Medicine

In Sorge um die qualitative Ausbildung der angehenden Ärztinnen und Ärzte an der Kassel School of Medicine fordert die hessische Delegiertenversammlung das Präsidium auf, noch vor Beginn des ersten Semesters ein Gespräch mit dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu führen. Dabei sollen unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

Hat das Wissenschaftsministerium die Kassel School of Medicine zur ärztlichen Ausbildung ermächtigt oder liegt eine solche Ermächtigung durch den Kooperationspartner, der University of Southampton vor? Umfasst die ärztliche Gesamtausbildung an der Kassel School of Medicine die in der EU Richtlinie 93/16/EWG geforderten 5500 Stunden theoretischen und praktischen Unterrichts? Die gleiche Richtlinie fordert diesen Unterricht an einer Universität oder unter Aufsicht einer Universität durchzuführen. Wie will die University of Southampton dieser Aufsichtspflicht nachkommen?

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