Der Bundeswehr gehen die Ärzte aus

Unter den zuletzt in Afghanistan getöteten Soldaten befand sich mit Oberstabsarzt Dr. Thomas Broer ein 33jähriger Kollege aus Hessen, wie der Wiesbadener Kurier berichtete. Er war wegen eines personellen Engpasses vertretungsweise für vier Wochen aus dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm, in dem er sich nach diesem Bericht der Südwest Presse zum Dermatologen weiterbildete, abkommandiert worden und war eigentlich in nur zehn Tagen wieder von seiner Familie in Dotzheim-Märchenland zurück erwartet worden.

Das ist wörtlich eine zentrale Aussage des Kapitels 12 im Jahresbericht 2009 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages vom 16.03.10, in dem die Probleme der ärztlichen Versorgung in der Bundeswehr einen gewichtigen Anteil haben.

Danach führte der sprunghafte Anstieg unplanmäßiger ärztlicher Personalverluste im Jahr 2008 und im 1. Quartal 2009 mit rund 120 Abgängen kurzfristig zu einem empfindlichen Rückgang des Personalumfangs bei den Sanitätsoffizieren. Als ursächlich für die zahlreichen Abwanderungen von Sanitätsärzten sieht der Bericht das Fehlen einer zusammenhängenden Facharztweiterbildung an, die in zivilen Kliniken zunehmend angeboten werde, nicht aber von der Bundeswehr - und das in einer Zeit, in der diese als „Gegenleistung“ für ihr bundeswehrfinanziertes Studium drei Jahre als Truppenarzt tätig sein müssen.

Die personelle Situation in den Bundeswehrkrankenhäusern wird als prekär bezeichnet: 2009 waren teilweise über 20 % der fachärztlichen Dienstposten nicht besetzt, in der Chirurgie teilweise über die Hälfte. Die einzige Station der Bundeswehr zur Behandlung schwer Brandverletzter musste wegen Facharztmangels geschlossen werden.

Angesichts des großen Stellenwerts, den die ärztliche Betreung der Soldatinnen und Soldaten hat, ist es nicht erstaunlich, dass die Mängel der gesundheitlichen Versorgung in der Presseberichterstattung besonders herausgestellt wurden, in diesem Spiegelartikel z.B. bis in den Titel hinein.

Bundeswehr - fehlende Ärzte, Technik, Solidarität
ist der Titel einer Bilderstrecke auf fr-online.de zum Bericht des Wehrbeauftragten.

Bei einem Vergleich mit dem Bericht 2008 (einen kurzen Artikel darüber gibt es z.B. hier in der Süddeutschen Zeitung) kann der Eindruck entstehen, dass der schon damals prominent angesprochene Ärztemangel sich nochmals drastisch verschlimmert hat, weil die Führung der Bundeswehr keine ausreichenden Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedigungen ergriffen hat.

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