Deutscher Ärztetag: Nur wenige junge Ärzte unter den Delegierten

Der Deutsche Ärztetag fand dieses Jahr in Frankfurt statt: Vier Tage erfolgten Plenarsitzungen mit Sachstands- und Tätigkeitsberichten, lebhaften Diskussionen und viele Beschlüsse. Themen dieses Jahr waren unter anderem: „Medizin in Zeiten globaler Epidemien“ und „Kommunikative Kompetenz im ärztlichen Alltag“.

So gab es etwa einen hervorragenden Sachstandbericht zur Novellierung der (Muster-) Weiterbildungsordnung. Ich war jedoch überrascht, dass keiner der gestellten Anträge zu diesem wichtigen Thema im Plenum diskutiert wurde, sondern diese wegen „Zeitmangels“ an den Vorstand überwiesen wurden.

Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt war bereits über etwa 100 Anträge entschieden worden und weitere geschätzte 200 Anträge standen noch aus. Dennoch ist es für mich unverständlich, dass sich das Souverän der Bundesärztekammer bei so einem wichtigen Thema einer Meinungsbildung entzog. Ob dies auch an der Altersstruktur des Plenums lag? Mir fiel auf, dass unter den insgesamt 250 Ärzten nur sehr wenige Kollegen, die sich noch in Weiterbildung befinden, als Delegierte entsandt wurden.

Damit die ärztliche Selbstverwaltung jedoch mit Sachverstand funktioniert, bedarf es vieler aktiver Mitstreiter aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die sich in verschiedenen Stadien ihres Berufslebens und Arbeitssituationen befinden und die Konsensbereitschaft und den Willen mitbringen, sich unvoreingenommen „der Sache“ zu widmen.  Leider blieb politisches Kalkül nicht immer außen vor. Dennoch wurden insgesamt auch viele gute Beschlüsse zum Wohle unserer Patienten und auch der Ärzteschaft gefasst.

Außerdem stand dieses Jahr die Wahl des Präsidiums der Bundesärztekammer an, die alle vier Jahre stattfindet und immer viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Frank Ulrich Montgomery wurde wieder im Amt bestätigt. Zudem wurden noch zwei Vizepräsidenten und zwei weitere Ärzte in den Vorstand gewählt.

Was ich persönlich vom Ärztetag mitgenommen habe:

Mir ist durch die Eröffnungsveranstaltung in der Paulskirche wieder deutlich geworden, was für ein hohes Gut Demokratie und Selbstbestimmung sind. Nur zu gern vergessen wir, dass in anderen Ländern Menschen um diese Privilegien kämpfen müssen.

Daher empfinde ich es als Verpflichtung, dass wir uns aktiv einbringen, indem wir eine verbesserte Fort- und Weiterbildung, den Abbau von Arbeitsverdichtung, die Entlastung von überbordender Bürokratie und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben fordern. Dies kommt letztendlich auch unseren Patienten zu Gute, indem wir so auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige, flächendeckende medizinische Versorgung sicherstellen können.

Hintergrund:

Der Ärztetag ist die Hauptversammlung der Bundesärztekammer, das »Parlament der Ärzteschaft«, und findet einmal im Jahr statt. Die 17 Landesärztekammern entsenden insgesamt 250 Delegierte. Zu den Aufgaben des Ärztetages gehört es, länderübergreifende Regelungen zum Berufsrecht zu erarbeiten sowie der Öffentlichkeit die Positionen der Ärzteschaft zu aktuellen gesundheits- und sozialpolitischen Diskussionen zu vermitteln.

Autorin: Yvonne Jäger, MB-Mitglied und Delegierte der Landesärztekammer.

Foto: MB Hessen

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