Deutschlandfunk: Droht in Gießen-Marburg das Scheitern?

„Privatisierte Uniklinik – Droht in Gießen-Marburg das Scheitern?“ war das Thema der eineinhalbstündigen Live-Sendung des Deutschlandfunks aus dem Foyer des Uniklinikums Gießen. Teilnehmer der Sendung waren Eva Kühne-Hörmann, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Martin Menger, Vorsitzender der Geschäftsführung, Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM), Dr. Ursula Stüwe, stellvertretende MB-Landesverbandsvorsitzende, Professor Hans-Peter Howaldt, Leiter der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Sprecher am Standort Gießen, Rüdiger Strehl, Generalsekretär Verband der Universitätsklinika Deutschlands, Marita Kruckewitt, Gewerkschaftssekretärin Verdi, Mittelhessen und Jutta Rippegather, Redakteurin Frankfurter Rundschau.
 

Während der Sendung waren die Fronten klar verteilt. Ministerin Eva Kühne-Hörmann hält die Entscheidung zur Privatisierung des UKGM des Landes Hessen unter den damaligen Voraussetzungen für richtig. „Sonst hätten wir einen Klinik-Standort schließen müssen“, so Kühne-Hörmann zum Verkauf des UKGM an die Rhön-Klinik AG.

Problematisch sieht sie, wie auch die Mehrheit der anderen Beteiligten des Gesprächs, den ständigen Wechsel der Geschäftsführer am UKGM. „So etwas kennen wir von keiner anderen Uniklinik“, sagte Rüdiger Strehl, Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands. Der Schritt der hessischen Landesregierung vor sechs Jahren war jedoch nicht schlecht, so Strehl weiter. „Das hat die beiden Standorte gerettet.“ Gefehlt habe seiner Meinung nach die professionelle Sorgfalt beim Geschäftsmodell.

Ein weiterer Punkt war, ob das UKGM die 40 Millionen Euro, die für Neubau und Investitionen aufgebracht werden müssten, selbst erwirtschaften kann – da ist sich Strehl unsicher. Er wundert sich außerdem, dass immer noch gerätselt wird, wo es wirtschaftlich am UKGM hingeht. „Ich dachte immer private Unternehmen überlegen sich im Vorfeld einer Übernahme, wo es hingeht und nicht nach sechs Jahren.“  Auch Hans-Peter  Howaldt, Sprecher am Standort Gießen, glaubt nicht, dass sich mit seriöser Unimedizin 40 Millionen Euro stemmen lassen.

Vorstandsvorsitzender Martin Menger sieht das anders: „Eine Uniklinik muss Geld erwirtschaften können.“. Auch ist er der Meinung, dass sich die Standorte hervorragend entwickelt hätten und die Mitarbeiter einen hervorragenden Job machen. Er schaut positiv in die Zukunft. „Einfach wird es allerdings nicht werden.“

Dr. Ursula Stüwe, stellvertretende MB-Landesverbandsvorsitzende, kritisierte die 25.000 Überstunden der Ärztinnen und Ärzte am Standort Marburg. „Forschung und Lehre werden nicht anständig erfüllt“, so Stüwe. Damit eine gute Ausbildung stattfinden kann, muss Personal vorgehalten werden. Ob bei dem bereits existierenden Ärztemangel noch gute Ärzte für das UKGM in Zukunft gefunden werden, da ist sich Stüwe unsicher. „Die Ärzte gehen dorthin, wo die Bedingungen exzellent sind.“

Sie betonte: „Uns geht es um die Patientenversorgung.“ Viele Patienten stellen sich mittlerweile die Frage, ob sie als Patient Aktionärsbedürfnisse erfüllen müssen und ob Ärzte bei einem börsennotierten Unternehmen wirklich Therapiefreiheit haben, so Stüwe. Auf Ärzte werde kein Druck ausgeübt, warf Howaldt sofort ein.

Bei der Frage zur Zukunft des UKGM sagte Ministerin Kühne-Hörmann: Wir werden jetzt alle Optionen prüfen und schließen auch eine Rückkaufoption nicht aus.

Das Podiumsgespräch des Deutschlandfunks “Privatisierte Unikliniken - Droht in Gießen-Marburg das Scheitern?” ist hier  im Deutschlandfunk nachzuhören.

Lesen Sie dazu auch den Artikel in der Oberhessischen Pressen.

 

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