Kommentar: Die Mittel sind begrenzt

Zu den Grundaussagen der Ökonomie gehört der Satz: „Die Mittel sind begrenzt, die Bedürfnisse aber unbegrenzt.“

Dieser Leitsatz lässt sich auf das Gesundheitssystem allerdings nur bedingt anwenden: Der erste Teil ist sicher richtig, aber ist es wirklich so, dass Menschen mehr Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nähmen, wenn der Zugang unbegrenzt wäre?

Ärzte gehen mit ihren Ressourcen schon alleine deshalb sparsam um, weil sie wissen, dass ihr Tag nur 24 Stunden hat und sie in ihrer Arbeitszeit viele Patienten behandeln müssen. Außerdem haben Ärzte heute den Anspruch, neben der Arbeit freie Zeit für Familie oder Hobbys zu haben.

Ebenso wissen sie, dass die finanziellen Mittel im Gesundheitssystem begrenzt sind.

Den Ärzten bleibt also gar nichts anderes übrig als zu versuchen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, möglichst viele Patienten gut zu behandeln.

Die Schwierigkeiten, die mit diesem Bestreben verbunden sind, waren der Grund, warum ich mich mit dem Thema Gesundheitsökonomie näher beschäftige. Denn die Kenntnis ökonomischer Zusammenhänge ist hilfreich, um Lösungsansätze zu finden.

Wir müssen davon ausgehen, dass der medizinische Fortschritt und der demografische Wandel dazu führen werden, dass wir in Zukunft noch mehr Patienten behandeln müssen. Bei gegebener Mittelknappheit an Geld und ärztlicher Zeit lässt sich dies nur durch Effizienzsteigerung, Rationierung oder doch durch Erhöhung der Mittel ändern.

Bin ich nun eine Verfechterin der Ökonomisierung der Medizin? So wie diese heute überwiegend umgesetzt wird, definitiv nicht. Die Ökonomisierung ist längst über das sinnvolle Maß hinausgeschossen und zum Selbstzweck geworden. Sie entzieht Mittel aus dem Gesundheitssystem, um sich selbst zu erhalten: Etwa wenn Kliniken bei aufkommenden roten Zahlen ihr Heil in Beratungsunternehmen suchen, für deren  Empfehlungen Unsummen ausgeben werden, statt die eigenen Mitarbeiter zu fragen, wo diese Optimierungspotential sehen.

Es geht also nicht darum, ein Change Management auf Leitungsebene zu installieren, sondern sinnvolle Veränderungen aus der Mitarbeiterschaft zuzulassen. Ärzte und Pflegekräfte verlieren im Gegensatz zum Ökonomen nicht das eigentliche Ziel aus dem Auge: eine fachlich gute Behandlung mit persönlicher Zuwendung.

Der Betriebswirt hat eher das Ziel, nur die Patienten zu behandeln, bei denen die Differenz zwischen eingesetzten Mitteln und DRG-Erlös möglichst groß ist.

Dort wo sich Ärzte den betriebswirtschaftlichen Vorgaben unterwerfen, wo Therapiefreiheit eingeschränkt wird, opfern wir unsere Profession. Es ist unsere Aufgabe, Nein zu sagen, wo ökonomische Überlegungen zum Selbstzweck und Zuwendung zum Patienten als unnötig angesehen wird. Wir Ärzte sind die Profis und üben auch als angestellte Ärzte einen freien Beruf aus.

Kommentar von Dr. Susanne Johna, Spitzenkandidatin MB Hessen

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