Hauptversammlung Rhön AG: Diskussionen unerwünscht

Die diesjährige Hauptversammlung der Rhön-Klinikum AG stand thematisch unter dem erfolgten Verkauf von 40 Kliniken und MVZs an Helios/Fresenius. Rhön will sich zukünftig auf "Spitzenmedizin" konzentrieren. Man sehe Wachstumschancen, nachdem man sich gerade erheblich verkleinert hat.

Ein „Medical Board“ soll künftig die übergeordnete Unternehmensstrategie mit der medizinisch–wissenschaftlichen Kompetenz verbinden. Der heterogene Klinikverbund soll zu einem integrierten Gesundheitsdienstleister transformiert werden. Und alles sei gekennzeichnet durch "Innovation und Behandlungsexzellenz", so Rhön.

Zusatzversicherung für stationäre und ambulante Leistungen in Planung

In Zukunft plant der Konzern, die Netzwerkmedizin weiter auszubauen. Dieses Netzwerk zwischen Rhön, Helios/Fresenius und Asklepios soll eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzversicherung für stationäre und ambulante Leistungen erarbeiten. Es sei allerdings auch offen für weitere Einrichtungen mit entsprechenden Voraussetzungen und soll allen GKV- und PKV - Versicherten zur Verfügung stehen.

Nach den Vorträgen von Geschäftsführung und Aufsichtsrat durften die Aktionäre Fragen stellen. Die in einem nicht einsehbaren "back office" schriftlich vorbereiteten Antworten wurden vom Vorstandsvorsitzenden, Dr. Dr. Martin Siebert verlesen, keine Frage wurde von ihm spontan beantwortet.

Drei Fragen an Rhön

Ich selber stellte drei Fragen hinsichtlich der Strategie zur Umsetzung der Spitzenmedizin: Warum hat man zwei Chefärzte der Horst Schmidt Kliniken (HSK) mit ihren Teams – beide in der Focus Ärzteliste aufgeführt - zur Konkurrenz wechseln lassen, ohne sie für die eigene "Spitzenmedizin" zu gewinnen?  In der Beantwortung wurde darauf verwiesen, dass die HSK auch nach Weggang der Chefärzte weiterhin voll einsatzbereit seien im Sinne des Versorgungsauftrags. Zu der nicht erfolgten Übernahme in den "Spitzenmedizinkonzern" gab es keine Auskunft. Die Frage, wie lediglich zwei kinderchirurgische Kollegen in Marburg Spitzenmedizin leisten sollen, blieb unbeantwortet.

Meine dritte Frage war, ob in Marburg tatsächlich ca. 100.000 Überstunden angefallen seien. In dem Fall hätte ich erwartet, dass ein Teil der Verkaufserlöse zur Verbesserung der Personalsituation eingesetzt wird. Es sei uns jedoch kein diesbezüglicher Abstimmungsvorschlag vorgelegt worden. Dem Vernehmen nach gebe es außerdem mehrere Anzeigen wegen Arbeitszeitverstößen beim Regierungspräsidium. In der Antwort hieß es, die Überschüsse sollten nicht für "soziale Zwecke" eingesetzt werden. Mit dem Regierungspräsidium befände man sich in sachlicher Diskussion.

Viele Fragen bleiben offen

Ganz nachdenklich habe ich die Veranstaltung verlassen – warum kann der Vorstandsvorsitzende Siebert nicht eine Frage spontan selbst beantworten? Sind es nur juristische Absicherungen? Als Ärztin bin ich es gewohnt, Bescheid zu wissen über Dinge, die aktuell anliegen! Mein Eindruck: Bloß keine Diskussionen!

Die Konzentration der privat geführten großen Klinikketten mit ihren Zulieferern wird die Krankenhauslandschaft in Deutschland grundlegend verändern. Bleiben die "Therapiefreiheit" und der "Freie Beruf" Grundwerte für Ärztinnen und Ärzte? Wie weit werden die ökonomisch begründeten Konzentrationen die Berufsausübung beeinflussen, z.B. im Hinblick auf die Ausbildung sowohl von Ärztinnen und Ärzten wie auch des Pflegepersonals? Können Patienten ohne Zusatzversicherung künftig an der "Spitzenmedizin" teilhaben? Bleibt die freie Klinikwahl bestehen? Am Ende haben sich mir mehr Fragen gestellt, als beantwortet wurden.

Autor: Dr. Ursula Stüwe

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