Drehtürmedizin am Uniklinikum Gießen-Marburg zur Gewinnmaximierung?

Drehtürmedizin am Uniklinikum Gießen-Marburg zur Gewinnmaximierung? Das meint eine Gruppe niedergelassener Ärztinnen und Ärzte in diesem auf fr-online.de zu lesenden Offenen Brief zu diagnostizieren, die sich (nicht zu verwechseln mit einer Rockband) NotRuf 113 nennt. Wörtlich schreiben sie:

Seit der Privatisierung hat sich unserer Beobachtung nach, als zuweisendende Hausärzte und Fachärzte, die Qualität der Versorgung sowohl im ambulanten wie im stationären Bereich der Unikliniken verschlechtert. Es hat sich eine Drehtürmedizin etabliert, die insbesondere die komplizierten, nicht standardisierbaren Patienten nicht mehr so behandelt, wie wir dies an Universitäten gewohnt waren. Dies ist keineswegs Zufall, sondern durchdachtes Konzept, mit dem Ziel der Gewinnmaximierung.

Ein Schwerpunkt der Kritik gilt der Arbeit der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), die vom Rhön Klinikum an den Standorten der Unikliniken betrieben werden und die die früheren Universitätspolikliniken abgelöst haben, “deren Leistungen wir Niedergelassenen oft sehr zu schätzen wussten. Wurden hier doch häufig kompliziertere Fälle durch ausgewiesene Spezialisten beurteilt und behandelt“.

Sie kritisieren: “Wer aber glaubt, der Ehrgeiz der Konzerne sei in erster Linie darauf ausgerichtet, die ambulante Betreuung von Depressiven, Diabetiker- und Asthmakindern zu übernehmen, irrt. Es geht vielmehr darum, die Rosinen des ambulanten Sektors in die MVZs der Kliniken zu ziehen. “Rosine” würde ein Manager eines Health Providers einen lukrativen Patienten allerdings nie nennen; es handelt sich treffender ausgedrückt um “cash cows”.

Dass in den MVZ auch eine Konkurrenz beklagt wird, erschließt dieser Abschnitt: “Es geht Rhön darum, lukrative standardisierte diagnostische und therapeutische Prozeduren, die in Marburg gegenwärtig zur vollen Zufriedenheit der Patienten von niedergelassenen Kollegen durchgeführt werden, in den Bereich des Konzern zu ziehen, um die erzielten Gewinne an seine Aktionäre ausschütten zu können.

Als Beleg für die Rolle der Patienten als “cash cows” zitieren sie Eugen Münch, den Aufsichtsratvorsitzenden der RHÖN-KLINIKUM AG aus einem Vortrag: “Einer Universitätsklinik gelingt es, die Kalkulation einer Krebsbehandlung doppelt so teuer zu halten, als sie eigentlich sein könnte. Mit dieser Behandlung subventioniert sie sich einige Schutzräume für Mitarbeiter oder Professoren, an die sich keiner herantraut.

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