„Eine grandiose Zeit“

Praktisches Jahr in Neuseeland

Es gibt viele gute Gründe, für das praktische Jahr oder zumindest einen Teil davon nach Neuseeland zu fliegen. Für mich waren es vor allem die Sprache und die faszinierende Landschaft, welche den Ausschlag für Neuseeland gaben. Etwa ein Jahr vor meinem PJ-Beginn habe ich mich mit einer Freundin am Taranaki Base Hospital in New Plymouth auf der Nordinsel beworben. Der Bewerbungsprozess war einfach, da ich mich nicht über die Universität bewerben musste, sondern mich direkt an das Krankenhaus wenden konnte.

Unkompliziertes Bewerbungsverfahren

So bekam ich relativ unkompliziert einen PJ-Platz in der Allgemeinchirurgie. Glücklicherweise musste ich dort keine Studiengebühren bezahlen. Das ist nicht selbstverständlich in Neuseeland. Zur weiteren Vorbereitung musste ich mir noch einen internationalen Führerschein (ohne Auto ist man dort verloren), ein Visum (Work-Visum, ca. 200 €), Versicherungen (Auslandskranken- und Haftpflichtversicherung) sowie Gesundheitsnachweise (z.B. MRSA, Impfungen) besorgen.

Da der Flug nach Neuseeland von Deutschland aus sehr weit ist, beinhaltet er zwangsläufig Zwischenstopps. Sofern es die Zeit zulässt, lohnt es sich, diese für Besichtigungen zu nutzen.

In Neuseeland angekommen wurden wir am Flughafen von einem Mitarbeiter des Mit-arbeiterwohnheims abgeholt. Das Wohnheim war direkt neben dem Krankenhaus, kostete 90 NZD und bot alles was man braucht. Das Krankenhaus war für neuseeländische Verhältnisse recht groß, hatte eine gute - wenn auch teure - Mensa und kostenloses WLAN.

Die Allgemeinchirurgie bestand aus 6 „Consultants“ (ähnlich wie ein Oberarzt in Deutschland). Je Consultant gab es noch einen „Registrar“ (Assistenzarzt ab dem 3. Jahr) und einen „Houseofficer“ (Assistenzarzt im 1-2 Jahr). Ich war zwar einem Consultant zugeteilt, konnte aber problemlos auch zu den anderen in den OP oder in die Ambulanz.

Entspannte Arbeitsatmosphäre

Der Arbeitstag begann morgens immer um 08:00 Uhr mit der Morgenvisite. Danach folgte erst einmal eine Kaffeepause. Und zu dieser kamen wir erstaunlich regelmäßig. Die Atmosphäre war also sehr entspannt. Von der fachlichen Seite wurden in dem Krankenhaus eher „Standard“-Operationen durchgeführt wie Appendektomien oder Cholezystektomien. Die komplizierten Fälle wurden in der Regel in die großen Zentren nach Auckland oder Wellington verlegt. Als PJ’ler hatte ich ein ähnliches Tätigkeitsspektrum wie in Deutschland: assistieren, nähen, Patienten aufnehmen oder auch mal kleinere Eingriffe (z.B. Entfernung von einem Basaliom) unter Anleitung durchführen.

Ein Banner im Krankenhaus fordert zu Rücksichtnahme aufs Pflegepersonal auf

Das PJ in Neuseeland ist prinzipiell sehr entspannt, man hat viele Freiheiten, erhält aber auch ein gutes Teaching. Übrigens trägt man dort keinen weißen Kittel: Mann trägt Anzughose, Hemd und schicke Schuhe. Frau ein Kleid oder auch schicke Hose/Oberteil.

Viele Freiheiten und gutes Teaching

Neben der Arbeit im Krankenhaus darf natürlich die Besichtigung des Landes nicht zu kurz kommen: Es gibt unzählige schöne Wanderungen und andere Outdooraktivitäten, die nur auf abenteuerlustige PJ’ler warten. Auch der Besuch eines Rugbyspieles (vornehmlich der All Blacks) darf nicht fehlen.

Zusammenfassend war es eine grandiose Zeit und ich kann nur jedem Medizinstudierenden empfehlen, sein PJ in Neuseeland zu absolvieren.

 

Autor: Jan Bauer, stellv. Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im MB Bundesverband.

Fotos: Jan Bauer

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