Erste Streikaktion der britischen Ärztinnen und Ärzte seit 1975

Die britischen Ärztinnen und Ärzte, die in der BMA (British Medical Association) organisiert sind, haben angekündigt am Donnerstag, den 21. Juni 2012 zum ersten Mal seit fast 40 Jahren  zu streiken. Sie werden an diesem Tag zwar zur Arbeit erscheinen, aber nur die dringend zu behandelnden Patienten therapieren. Alle anderen Fälle werden auf einen späteren Termin verschoben.

Zur Abstimmung über einen Streik waren über 100.000 britische Ärztinnen und Ärzte ende Mai aufgerufen worden. Davon beteiligten sich 50 Prozent an der Abstimmung und sprachen sich überwiegend für Streikaktionen aus.

Grund für den Streik sind Änderungen im Pensionssystem, die unter anderem dazu führen, dass beispielsweise eine 25-jährige Ärztin während ihres Arbeitslebens zusätzlich 137.000 Pfund (169.188 Euro) Beiträge zahlen und acht Jahre länger (bis zum 68. Lebensjahr) arbeiten muss. Als besonders unfair wird angemahnt, dass Staatsbeamte bei gleichem Gehalt und gleicher Pensionshöhe teilweise nur die Hälfte an Beiträgen entrichten müssen.

Auf der 121. Hauptversammlung des Marburger Bundes am 19. und 20. Mai 2012 in Nürnberg, also innerhalb des Zeitraums zur Abstimmung über den Streik in Großbritannien, wurde in diesem Zusammenhang auf Antrag der beiden hessischen Delegierten PD Dr. Andreas Scholz und Frank Seibert-Alves folgender Beschluss gefasst:

Beschluss Nr. 27 Unterstützungsadresse an streikwillige britische Ärztinnen und Ärzte

„Der Marburger Bund als Europas größte Ärztegewerkschaft unterstützt die Streikaufrufe und -forderungen der britischen Ärztinnen und Ärzte in der British Medical Association (BMA).Die massiven geplanten Einschnitte bei den Renten haben die britischen Ärztinnen und Ärzte zum ersten Streikaufruf seit 1975 veranlasst. Daher fühlen sich etliche britische Ärztinnen und Ärzte noch unsicher in der Durchführung der geplanten Streiks.

Die Mitglieder des Marburger Bundes haben im Verlauf der Geschichte erkannt, dass manchmal Streik ein nichtabwendbares Instrument im Rahmen der Verhandlungen darstellt. Die erfolgreiche Durchsetzung von arztspezifischen Interessen ist dem Marburger Bund durch die deutlichen Streiks seit 2005/06 gelungen. Deswegen unterstützt der Marburger Bund diesen Streik der britischen Ärztinnen und Ärzte und sendet hiermit seine Solidaritätsadresse.“

Weitere Informationen zu den Streikaktionen und den Gründen finden sich auf der Webseite: www.bmaaction.org/ und auf der Seite der BMA: www.bma.org.uk/>

Autoren: Frank Seibert-Alves, MB Hessen Delegierter und PD Dr. Andreas Scholz, Landesverbandsvorsitzender

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