Falsche Darstellungen der Diakonie

Die wiederholte Kritik an den Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten in evangelischen Krankenhäusern in Hessen und Nassau (KDAVO) durch den Marburger Bund Hessen (MB Hessen) zeigt Wirkung:

Vom Evangelischen Pressedienst (epd) mit einer Pressemitteilung des MB Hessen vom 01. April 2009 konfrontiert, muss Christoff Jung, Leiter Personal und IT beim Diakonischen Werk in Hessen und Nassau (DWHN) konzedieren, dass “eine vollständige Angleichung” der Arztgehälter an die Tarifgehälter des Marburger Bundes im öffentlichen Dienst geplant sei, “sonst wären Diakonie und Kirche auf die Dauer nicht konkurrenzfähig“.

Auf den Vorwurf des MB Hessen, Ärztinnen und Ärzte seien in der Arbeitsrechtlichen Kommission, die die Arbeitsbedingungen in evangelischen Einrichtungen regelt, nicht vertreten, behauptet Jung, “von den rund 550 Ärztinnen und Ärzten an evangelischen Krankenhäusern seien nur wenige Mitglied im MB. Um eine Vertretung in die Kommission entsenden zu können, seien jedoch 300 Organisierte notwendig“.

Diese Aussagen sind falsch:

  1. Dem MB Hessen ist die Entsendung von Mitgliedern in die Arbeitsrechtliche Kommission nicht wegen einer Unterschreitung der Mitgliederzahl von 300, sondern aufgrund kirchenrechtlicher Vorschriften verweigert worden. Das Arbeitsrechts-Regelungsgesetz (ARRG) lässt in § 7 Abs.2 nur Mitarbeitervereinigungen zu, die allen kirchlichen und diakonischen Mitarbeitern zur Mitgliedschaft offen stehen. Für eine Fachgewerkschaft ist kein Platz.
  2. Vorschläge des MB Hessen, sowohl diese Zugangsregelung zur Arbeitsrechtlichen Kommission als auch die KDAVO selbst zu ändern und hierbei Vertreter der organisierten Ärzteschaft heranzuziehen, sind von der Kirchenverwaltung mehrfach abgelehnt worden. Eine Änderung des ARRG, wie vom MB vorgeschlagen, wurde im Juli 2007 von Oberkirchenrätin Bernhardt-Müller abgelehnt. Die Nichtbeteiligung der Ärztinnen und Ärzte sei “Ausfluss der Dienstgemeinschaft und kirchlicherseits unumstritten“. Während der Diakoniechef Pfarrer Gern “Kommunales Wahlrecht für Alle” fordert, sollen die Ärztinnen und Ärzte innerhalb des DWHN ohne demokratische Vertretung bleiben.
  3. Falsch ist auch die Aussage des Personalleiters Jung, die Ärztegehälter in evangelischen Krankenhäusern des DWHN lägen im Schnitt “nur noch drei bis fünf Prozent” unter den Tarifverträgen des MB. Das erkennt man an folgenden Gehaltsvergleichen:

     
    Assistenzarzt im 1. Berufsjahr
    KDAVO (E 12) 3.199,35 € pro Monat (inkl. 60 % Sonderzahlung)
    MB-Tarif/VKA (EG I) 3.662,60 € pro Monat.

    Damit verlieren Jungmediziner monatlich mehr als 12 % (463,25 €)!
    Der Jahresverlust beträgt 5.559,- €.

    Assistenzarzt im 6. Berufsjahr
    KDAVO (E 12) 4.023,60 € pro Monat (inkl. 60 % Sonderzahlung)
    MB-Tarif/VKA (EG I) 4.582,03 € pro Monat.

    Damit verlieren Mediziner im 6. Berufsjahr monatlich mehr als 12 % (558,43 €)!
    Der Jahresverlust beträgt 6.701,16 €.

    Facharzt im 1. Jahr
    KDAVO (E 13) 3.468,15 € pro Monat (inkl. 60 % Sonderzahlung)
    MB-Tarif/VKA (EG II) 4.834,11 € pro Monat.

    Damit verlieren Fachärzte im 1. Jahr monatlich mehr als 28 % (1.365,96 €)!
    Der Jahresverlust beträgt 16.391,52 €.

    Facharzt im 7. Jahr
    KDAVO (E 13) 4.392,15 € pro Monat (inkl. 60 % Sonderzahlung)
    MB-Tarif/VKA (EG II) 5.595,32 € pro Monat.

    Damit verlieren Fachärzte im 7. Jahr monatlich mehr als 21 % (1.203,17 €)!
    Der Jahresverlust beträgt 14.438,04 €.

Der vom MB Hessen darauf hin prognostizierte und von der Kirchenverwaltung ignorierte Ärztemangel nebst Unzufriedenheit der vorhandenen ärztlichen Mitarbeiter führt jetzt scheinbar zu einem Umdenken. Vom MB Hessen bereits im Juli 2007 und im Juni 2008 übersandte konkrete Vorschläge zur Änderung der KDAVO wurden bisher weder von Arbeitgeber- noch von Arbeitnehmerseite in der Arbeitsrechtlichen Kommission berücksichtigt. Einer von Personalleiter Jung angekündigten Gesprächsbereitschaft über die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte steht der MB Hessen jedenfalls aufgeschlossen gegenüber.

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