Fresenius/Helios schluckt Rhön … (K)ein Problem?

Der derzeit größte deutsche Klinikkonzern Fresenius hat ein Übernahmeangebot für die Rhön Klinikum AG ausgesprochen und keiner zweifelt wirklich daran, dass die Aktionäre das Angebot annehmen werden.

Was bedeutet es, wenn ein Klinikkonzern mit einem geschätzten Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro entsteht? Dieser Konzern betreibt dann 38.973 Betten, der nächstkleinere Anbieter Asklepios 18.500 Betten. Die Nummer drei auf dem deutschen Krankenhausmarkt (Sana) erscheint dann mit 8516 Betten fast schon klein.

Der Marburger Bund hat Tarifverträge sowohl mit Helios und Rhön als auch mit anderen privaten und auch kommunalen Krankenhausträgern. Kann uns also diese Entwicklung kalt lassen?

Der entstehende Großkonzern erreicht dann mit seinen Kliniken und 70 MVZs eine Marktmacht, die gesundheitspolitisch von großer Relevanz ist. Ein solcher Konzern kann Zulieferern Preise diktieren, seine gewachsene Verhandlungsmacht gegenüber den Krankenkassen wird umgekehrt zu einer Schwächung der anderen Krankenhausträger führen.

Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis die auf dem Rücken von Mitarbeitern und Patienten erreichten niedrigen Kosten zum Benchmark für alle Kliniken herangezogen werden.

Ein solcher Konzern wird über einen langen Atem verfügen, um das Ziel des Preisdiktats zu erreichen. Das unternehmerische Risiko dieses „Riesen“ ist allerdings überschaubar, denn ähnlich der Großbanken, deren Fehler vom Steuerzahler bezahlt wurden, entsteht ein Großkonzern mit Systemrelevanz, der im Krisenfall zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung vom Staat gestützt werden muss.

Dies sind volkswirtschaftliche Probleme, was aber wird sich im Alltag der Ärzte verändern? Hierzu ein Zitat von Eugen Münch, dem Gründer von Rhön, der eine konzerneigene Zusatzversicherung für Patienten ankündigt: „ Wir haben bei einem Zusammenschluss das Angebot, wir haben die Maschine dahinter, um das Versicherungsversprechen wirklich einzulösen.“ Der Arzt wird zum Rädchen in einer Maschine, deren Endprodukt nicht einmal die Behandlung und bestenfalls die Gesundung des Patienten sondern der Aktionärsgewinn ist. Dass in einer solchen Maschine der Arztberuf als freier Beruf ausgeübt werden kann, erscheint unmöglich.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wird durch ein Vertragsverhältnis ersetzt, dessen Ziel nur vordergründig die Gesundung des Patienten, in Wahrheit aber die Rentabilität der Leistung ist. Es ist nicht im Interesse des Patienten, wenn bei notwendiger Verlegung nur Kliniken des eigenen Krankenhauskonzerns berücksichtigt werden. Der Patient wünscht sich hier ausschließlich medizinische Kriterien unter Berücksichtigung der Entfernung zum Wohnort.

Es ist unsere Aufgabe, die Versorgung aller Patienten mit humaner und qualitativ hochwertiger Medizin in den Vordergrund zu stellen. Die notwendige effektive und effiziente Versorgung im Gesundheitswesen soll angestrebt werden, nicht um Dividenden für Aktionäre zu erwirtschaften sondern um die Mittel der Patientenversorgung zur Verfügung zu stellen, schließlich haben sie das Geld über ihre Krankenversicherung einbezahlt.

(Autorin: Dr. Susanne Johna, Fachärztin für Innere Medizin, MB-Delegierte)

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