Generation Y - Nutzt Eure Chancen!

Schon frühzeitig wurde über den demografischen Wandel in der Ärzteschaft gesprochen und über den entstehenden Ärztemangel diskutiert. Es ist also davon auszugehen, dass junge Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit hatten, aus der sich immer weiter verschärfenden Situation einen Nutzen zu ziehen, um Veränderungen in ihrem Sinne zu erreichen.

Die Generation Y und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ist aktuell ein vielfach diskutiertes Thema.  So beschreibt ein Artikel der „Zeit“ aus dem März, den für diese Generation hohen Stellenwert eines selbstbestimmten Berufseinstiegs.  Die „FAZ“ titelte im Dezember „Generation Weichei“ und konstatiert dennoch auch den Nutzen einer selbstbewussteren Generation.

Ist es denn auch den jungen Kolleginnen und Kollegen gelungen, diese Einflussmöglichkeiten für sich zu nutzen? Ich denke nein. Jedenfalls nicht ausreichend. Dies mag daran liegen, dass wir Ärzte nicht zu Veränderungsdrang und aktiver Interessenvertretung neigen und wir diesbezüglich gegenüber anderen Berufen noch in der embryonalen Entwicklungsphase der Selbstbestimmung stecken. 

Andererseits überraschen aber auch die Arbeitgeber der Kliniken, denn angesichts des gravierenden Ärztemangels in ländlichen Gebieten ist es erstaunlich, wie wenig Engagement für bessere Arbeitsbedingungen aufgebracht wird. Auf universitärer Ebene erleben wir dies derzeit in der Diskussion um eine angemessene Bezahlung während des PJ. Dabei geht es im Berufseinstieg nicht in erster Linie um monetäre Anreize. Es sind inhaltliche Verbesserungen, flexiblere Modelle für Ärzte mit Familie und an erster Stelle eine gute Weiterbildung, die gefordert wird. Daran werden sich die Kliniken messen lassen müssen, um junge Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen. Viele Geschäftsleitungen der Kliniken haben dies bisher vollkommen vernachlässigt. 

Kliniken in denen die Geschäftsführung die Weiterbildungsermächtigten in den Abteilungen unterstützt, Freiräume für Fort- und Weiterbildung schafft und Chefärzte dazu anhält, Weiterbildungszeiten einzuhalten, - da bin ich mir sicher - werden in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt haben. Häuser, in denen Weiterbildung als freiwillige Freizeittätigkeit angesehen wird, werden zwangsläufig das Nachsehen haben. Oder sie warten auf die Generation Z.

Letztlich ist es aber an uns, den Arbeitsmarkt für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen an hessischen Kliniken zu nutzen. Denn immer noch machen jährlich viele tausend Kolleginnen und Kollegen nicht ihre Facharztprüfung und wandern in die außerklinische Privatwirtschaft ab.

Unterstützen Sie daher den Marburger Bund bei der Kammerwahl und geben Sie ihm Ihre Stimme.

Kommentar: Dr. Lars Bodammer

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