"Gießkannen-Verfahren" und Gesundheitskonferenzen

von Jörg Ziegler, Redaktion MBZ

  • Die stationäre und ambulante Versorgung – und der Ärztemangel
  • Ministerialdirigent Jörg Osmers nimmt Stellung

Landauf Landab spüren die Krankenhäuser in unterschiedlichen Ausprägungen den Ärztemangel. Grund genug für den Marburger Bund Hessen sich bei seiner Hauptversammlung am 05.10.11 in Frankfurt/M. dem Thema "Zukunft der stationären und ambulanten Versorgung im Zeichen des Ärztemangels" zu widmen, zu dem Ministerialdirigent Jörg Osmers, Leiter der Abteilung Gesundheit im Hessischen Sozialministerium, Stellung bezog.

joergosmer.jpgDer Fachmann ging dazu auf das neugefasste Hessische Krankenhausgesetz ein. "Eine neue regional geprägte Kommunikationskultur" erhofft er sich etwa von den neu geschaffenen Gesundheitskonferenzen, in die die früheren Krankenhauskonferenzen überführt wurden. Grund: Die "Ränkebildung" der Vertreter von Krankenhäusern und Krankenkassen habe selten gute Ergebnisse gebracht, so Osmers. Die Gesundheitskonferenzen setzen sich aus Vertretern der kreisfreien Städte und Landkreise sowie der Kliniken und Krankenkassen und Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung, der Landesärztekammer und der Patientenorganisationen zusammen.

Im Bereich der Krankenhausbedarfsplanung hat man sich weitgehend von der Planung der Kapazitäten verabschiedet und stattdessen die Position von Kliniken der Notfallversorgung gestärkt, um so zu vermeiden, dass Spezialkliniken für wirtschaftlich besonders attraktive Erkrankungen zuungunsten der übrigen Kliniken gegründet werden. Dies ist für kommunale Kliniken von hoher Bedeutung, weil sie allesamt Krankenhäuser der Notfallversorgung – gemäß Hessischem Rettungsdienstgesetz muss binnen einer Stunde ein Notfall ein Krankenhaus erreichen können ("golden hour") – und somit unverzichtbar sind.

Bei den Spezialkliniken sollen "koordinierende und kooperierende Krankenhäuser" bestimmt werden. So soll vermieden werden, dass links und rechts einer Straße Spezialkliniken identische Leistungen anböten, stellte Osmers bewusst überspitzt den Wettbewerb um Patienten in diesem Bereich dar.

Aktuell plane die Landesregierung, die "Krankenhausfinanzierung völlig umzustellen auf ein pauschaliertes System", kündigte Osmers des Weiteren an. Danach sollen die Kliniken regelmäßig jedes Jahr Mittel erhalten, um fortan autark zu entscheiden, wie diese verwendet werden.

Der Ministerialdirigent, der dem MB anbot, sich künftig einmal pro Jahr zum Gedankenaustausch zu treffen, pflichtete Einlassungen zur Poolregelung bei, dass viele Krankenhausträger einen großen Teil der oder gar die gesamten Liquidationseinnahmen der leitenden Ärzte einzögen, obwohl diese von Gesetzes wegen auch einfließen müssen. Die Poolbeteiligung erfolge inzwischen vielerorts nach dem "Gießkannen-Verfahren", hieß es dazu aus dem Plenum. Lediglich ein Bruchteil käme jetzt noch bei den Ärzten an.

Überlaufende Notfallambulanzen

Überdies äußerten die Klinikärzte ihre Besorgnis über inzwischen überlaufene Notfallambulanzen in den Kliniken außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten, obwohl eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Leistung erbringen müsste. Nach Osmers’ Meinung sollte der ärztliche Bereitschaftsdienst der KV immer in Kliniken angesiedelt sein. Allerdings müssten die erbrachten Leistungen dann natürlich entsprechend durch die KV gezahlt werden, wenn die Klinik sie erbrächte, sagte er. Die Ärzte wiesen in diesem Zusammenhang auf die Gefahr von ausufernden Arbeitszeiten hin– gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Ärztemangels.

(Foto: Jörg Ziegler)

Zurück