Größte Demo des Gesundheitswesen in Berlin mit hessischer Beteiligung

Eigentlich waren “nur” 60.000 Teilnehmer erwartet worden; egal ob Arzt, Schwester, Pfleger, Technischer Mitarbeiter, Mitarbeiter im Versorgungswerk oder in der Verwaltung tätig, alle wollten nach Berlin ziehen um die katastrophale Finanzierung der Krankenhäuser zu kritisieren. Es wurden aber über 130.000 Teilnehmer! Und das, obwohl ein verendetes Rindvieh die Bahnstrecke nach Berlin blockierte und viele hessische Krankenhausmitarbeiter daher ganz am Ende und verspätet zur Strasse des 17. Juni aufrücken konnten.

Es waren neben den Spitzen der Hessischen Krankenhausgesellschaft auch die Spitzen anderer Landesärztekammern an der Demo präsent. Der bunt gemischte Demo-Zug zeigte deutlich, wie sehr die Mitarbeiter die Nase voll haben. Es war sicherlich für etliche im administrativen Bereich Tätige ein interessantes Arbeitserlebnis, teilweise um Mitternacht zur Demo zu starten und vielleicht erst nach Mitternacht wieder zu Hause zu sein - ein Erlebnis, das Ärzten und Pflegekräften bestens bekannt ist!

Bei den Rednern wiesen der Vorsitzende des Marburger Bundes Bundesverband Rudolph Henke deutlich darauf hin, dass Deutschland eines der effizientesten Krankenhaussysteme im internationalen Vergleich habe. So versorge in der Schweiz ein Arzt im Jahr im Mittel 90 Patienten und in Deutschland über 160. Diese Zitrone lasse sich nicht noch mehr ausquetschen. Es sei ein Hohn, wenn man wisse, es gebe Lohnerhöhungen und es werden aber nur 50% davon finanziert, wo doch Politiker den Tarifvertrag unterschrieben haben. Das könne doch nur wieder zu Lasten der Beschäftigten gehen.

Für die Bundesärztekammer hat Dr. Frank Ulrich Montgomery scharfe Worte gegen die Politiker verwendet: Es sei unanständig, ein Budget für Krankenhäuser einzuführen (unter Seehofer und Co. damals nur für zwei Jahre geplant!), das sich nicht an den Kosten orientiert. Niemand würde in der Wirtschaft so dämlich sein, VW und Co. vorzuschreiben, die Preise fest zuhalten, wenn man mit IG Metall einen neuen höheren Tarif abschlösse. Es sei auch unanständig, wenn eigentlich nur die Hälfte der vom Kabinett beschlossenen 3 Mrd. Euro und nur 70% der 21.000 Pflegekräfte wirklich finanziert seien. Das bedeute, für drei neue Pflegekräfte müsste dann eine alte Pflegekraft entlassen werden. Das ist und bleibt ein Mogelpackung. Genauso unanständig sei es zu behaupten, man schaffe den Budgetdeckel ab, denn in Zukunft wird ein Index die Entwicklung der Kosten und deren teilweise Finanzierung bestimmen, der durch die Gesundheitsministerin selber definiert wird. Eigentlich sind diese Luftnummern so, als ob man eine Kiste Bier gestohlen bekomme (damit saniere man die Kasse) und dann bekomme man später die leer Kiste zurück; man dürfe sich doch das Pfand holen und habe dafür dankbar zu sein.

Sieht man dann, dass die Gesundheistministerin auf die größte Demo im Gesundheitswesen Deutschlands nur in ihrer bekannten näselnden Art reagiert “Ich kann die Forderungen der Demonstranten nicht nachvollziehen“, zeigt das, dass sie zur Basis, den Patienten und den Beschäftigten kein Verhältnis hat und keine Bodenhaftung in der Realität besitzt. Solche Politiker braucht das Gesundheitswesen nicht. Es ist doch nicht zu verstehen, wieso in die kranken Banken nicht nur Millionen, sondern ohne Zögern Milliarden gepumpt werden, bzw. verloren werden. Die tatsächlichen 1,5 Mrd. Euro in zwei Jahren bedeuten für die 2.100 Kliniken doch nur 357.142 € pro Klinik und Jahr. Fragen sie doch mal Ihren Abgeordneten per Telefon, Fax oder E-Mail, wie er sich die Unterstützung der Krankenhäuser vorstellt.

Hinter den anwesenden Demonstranten stehen noch weitere Kollegen, die die Versorgung der Patienten sicherstellten und auch die Patienten. Die alle können die Politiker deutlich abstrafen, wenn Sie die Krankenhäuser weiter kaputt sparen.

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