Großbritannien nach dem Ärztestreik

In Großbritannien hat Ende Juni der erste Streik der britischen Ärztinnen und Ärzte seit fast 40 Jahren stattgefunden (wir berichteten). Grund für den Streik sind Änderungen im Pensionssystem, die unter anderem dazu führen, dass eine 25-jährige Ärztin während ihres Arbeitslebens zusätzlich 137.000 Pfund Beiträge zahlen und acht Jahre mehr (bis zum 68. Lebensjahr) arbeiten muss. In diesem Zusammenhang hatte die 121. Hauptversammlung des Marburger Bunds in Nürnberg, auf Antrag der beiden hessischen Delegierten PD Dr. Andreas Scholz und Frank Seibert-Alves, eine Unterstützungsadresse für die britischen Kolleginnen und Kollegen beschlossen.

Während des Streiks waren die in der BMA (British Medical Association) organisierten Ärztinnen und Ärzte zwar zur Arbeit gekommen, sollten aber nur die dringlich zu behandelnden Patienten therapieren. Alle anderen Fälle sollten auf einen späteren Termin verschoben werden. Da die Ärztinnen und Ärzte wie gewöhnlich am Arbeitsplatz erschienen, ist es jedoch nur schwer möglich genaue Zahlen über den Streikumfang zu erhalten. Dr. Hamish Meldrum, der Vorsitzende (Chairman of Council) der BMA geht aufgrund der Rückmeldungen der Streikenden vor Ort davon aus, dass bis zu einem Viertel der nicht dringlichen Behandlungsfälle verschoben wurden und sich auch etwa ein Drittel der niedergelassenen Arztpraxen (GP practices) am Streik beteiligt haben.

Da es im Vorfeld eine umfangreiche negative Berichterstattung zum Ärztestreik in Teilen der britischen Medien gab, hatte die BMA ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut (Ipsos MORI) beauftragt die öffentliche Meinung zum Streik zu erheben. Die unter 1003 britischen Erwachsenen durchgeführte Telefonumfrage nach dem Streik ergab, dass 49 Prozent der Befragten die Ärzteschaft und nur 29 Prozent die Regierung unterstützen.

Vielleicht nicht zum allergünstigsten Zeitpunkt endete Dr. Meldrums fünfjährige Amtszeit am 28. Juni. Als neuer Vorsitzender wurde Dr. Mark Porter, Anästhesist aus Coventry, auf der BMA-Jahreshauptversammlung in Bournemouth gewählt. Unter seiner Leitung entschied das BMA Council am 18. Juli weitere Streikaktionen auszusetzen und gemeinsam mit anderen Gesundheitsgewerkschaften in Gespräche mit der Regierung einzutreten. Nicht alle BMA-Mitglieder halten dies für das richtige Vorgehen und eine Streikfortsetzung ist auch noch möglich.

Info: Ein vierminütiges Interview mit Dr. Porter zu dieser Entscheidung kann unter: www.youtube.com/bmatv abgerufen werden.

Autor: Frank Seibert-Alves, MB-Bezirksvorsitzender Frankfurt am Main I

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