Hamsterrad Klinikalltag: Die Patienten stehen im Mittelpunkt unseres Handelns

Neulich in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik sagte ein Patient zu mir: „Also, Ihren Job, den könnte ich nicht machen – sich den ganzen Tag Probleme anderer Menschen anzuhören.“ Das war das erste Mal seit Langem, dass ein Patient mich nicht auf Arzt-Skandale, Geld oder Politik im Zusammenhang mit dem Arztberuf ansprach.

Und es hat mich daran erinnert, warum ich damals Medizin studieren wollte – ich wollte, dass Menschen mit einem Anliegen – man könnte auch sagen ihr Leid – zu mir kommen und ich nach bestem Wissen und Gewissen versuche, ihr Leid zu lindern.

Wenn ich so tagtäglich bei der Arbeit in der Klinik bin, gerade damit hadere, dass schon wieder der nächste 24-Stunden-Dienst ansteht, dann vergesse ich das manchmal. Dann stecke ich drin in diesem Hamsterrad des Klinikalltags.

Psychiatrische Patienten „hinken“ in der Regel nicht in die Ambulanz – ihr Leid ist häufig auf den ersten Blick nicht sichtbar. Auf den zweiten Blick offenbart sich oft ein ausgeprägter Leidensdruck, Empathie und ein unvoreingenommener Blick sind für die Patienten sehr wichtig und machen oft den entscheidenden Unterschied.

Dank meiner Weiterbildung und der vielen Kurse, die ich im Rahmen der Weiterbildung absolviert habe, bin ich in der Lage, mir diese „Probleme und Sorgen“ anzuhören und häufig auch zu lindern. Aus diesem Grund bin ich Ärztin geworden – und das muss ich – und sicherlich auch viele andere – mir manchmal wieder ins Gedächtnis zurückrufen.

So ein Moment wie neulich, der erinnert mich daran, dass neben dem ganzen Kodieren, den geforderten Zahlen und dem Dokumentieren in der Klinik es doch die Patienten sind, denen mein eigentliches Interesse gilt.

Autorin: Dr. Silke Engelbrecht, Weiterbildung Psychiatrie und Neurologie

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