Interview: Jann Hommen engagiert sich im Sprecherrat

Jann Hommen ist Medizinstudent in Marburg und Mitglied des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund. Wir haben ihn nach seiner Arbeit im Sprecherrat befragt, was ihm besonders wichtig ist und warum er sich für das Medizinstudium entschieden hat.

Sie engagieren sich als Student im Marburger Bund. Was ist Ihre Motivation?

Jann Hommen: Vom Sprecherrat habe ich zum ersten Mal auf dem Kontaktstudentenseminar 2014 gehört. Die Arbeit dort erschien mir sehr harmonisch und die Möglichkeit das Studium auf politischer Ebene mit Medizinstudenten anderer Universitäten zu gestalten war Anreiz genug, dem Sprecherrat beizutreten. Die Arbeit dort macht sehr viel Spaß. Von der Studienplatzbewerbung bis zum PJ werden dort zahlreiche Themen behandelt; große wie kleine. Manchmal sind Entscheidungen einstimmig, manchmal gibt es hitzige Diskussionen. Ich mag den Weg der Entscheidungsfindung im Sprecherrat. Außerdem ist es schön, politisch auf dem Laufenden zu sein, was das eigene Studium betrifft.

Seit diesem Jahr sind Sie offizielles Mitglied des Sprecherrates der Medizinstudierende im Marburger Bund für den Landesverband Hessen. Wie muss man sich die Arbeit im Sprecherrat vorstellen? Wie bringen Sie sich ein? Was ist an der Arbeit im Sprecherrat besonders Interessant?

Hommen: Im Sprecherrat sitzen die Studenten der einzelnen Universitäten mit Anwälten, Pressesprechern, manchmal Vorstandsmitgliedern des Bundesverbandes zusammen und gehen die vorliegenden Anträge nach Tagespunkten durch. Einige Anträge werden schnell und einstimmig behandelt, andere, wie zum Beispiel die des „Masterplans 2020“ führen zu interessanten Diskussionen.

Ich selbst versuche an meiner eigenen Uni Missstände zu detektieren und diese auch an den Sprecherrat oder meinen Landesverband heranzutragen. Gerade die Tatsache an einer von zwei privatisierten Universitätskliniken zu studieren lässt mich als Mediziner fragen wie man Politik einsetzen kann, um die Medizin nicht noch mehr zu ökonomisieren.

Was sind zurzeit die Themen die Studenten bewegen?

Hommen: Wie schon gesagt, sind wir von der Studienplatzbewerbung bis zum PJ sehr breit aufgestellt. Wir haben Themen wie PJ-Vergütung, Erhaltung des Studientages im PJ, den Masterplan 2020, hier ganz besonders die von der DEGAM geforderte Erweiterung des allgemeinmedizinischen Spektrums im Studium zur Förderung der Allgemeinmedizin. Die in der Vorklinik angebotenen Teilstudienplätze in Göttingen und Marburg waren auch zuletzt Thema, oder das Ermöglichen von wissenschaftlichen Arbeiten bzw. die Anrechnung von Famulaturen zwischen Vorklinik und Klinik (auch ohne Immatrikulation).

Welches Thema ist Ihnen besonders wichtig?

Hommen: Der Masterplan 2020 und die damit verbundene Einführung von Quartalen und dem „Zwangsquartal Allgemeinmedizin“ ist für mich und viele meiner Kollegen im Sprecherrat wahrscheinlich ein wichtiges Thema. Das Studium sollte frei von politischen Einflüssen bleiben und vor allem bei einer geplanten Novelle nicht noch mehr verschult werden, sondern individuelle Freiräume für persönliche Interessen schaffen. Die Forderung der DEGAM nach einem Quartal Allgemeinmedizin bzw. einer Abschlussprüfung und dem  damit durch die Hintertür entstehendem Quartal Allgemeinmedizin ist ein rein politisches Mittel um einen Notstand auszugleichen, welches im Studium nichts zu suchen hat. Eventuell wird es durch diese Forderung mehr Allgemeinmediziner geben, doch wird es diese genauso wie heute nicht nach Mecklenburg-Vorpommern oder in die unterversorgten ländlichen Gebiete ziehen. Der politische Ansatz muss ein anderer sein, fernab des Studiums. Dafür setze ich mich mit meinen Mitstreitern und Kollegen im Sprecherrat ein.

Wieso haben Sie sich für das Medizinstudium entschieden?

Hommen: Ich kann mich kaum an Alternativen erinnern, was Berufswünsche in Kindheit und Jugend angeht. Meine Oma war schuld. Sie war großer Fan von Emergency Room und aus meiner anfänglichen Neugierde wurde der Wunsch Mediziner zu werden. Es ist ein abwechslungsreicher und schöner Beruf, wenn man richtig damit umzugehen weiß. Ich habe vor meinem Studium lange Zeit in einigen medizinischen Zweigen gearbeitet und konnte bislang jedem davon etwas abgewinnen. Vor allem ist es schön, in einem Feld zu arbeiten, wo die Kollegen meine schlechten Medizinerwitze verstehen.

Was ist aktuell Ihr Berufsziel?

Hommen: Ich möchte gerne Beruf und Hobby verbinden und fühle mich eher dem Handwerk hingezogen. Daher wird es wahrscheinlich die Unfallchirurgie. Da ich auch gerne Sport mache und mich privat viel mit dem Thema Ernährung bzw. Sporternährung beschäftige, wäre die Sportorthopädie mit Zusatz Sportmedizin/Ernährungsmedizin aktuell mein Ziel, auch wenn bis dahin noch viele Klausuren, Prüfungen und elektive Hüften zu überstehen sind.

Zur Person: Jann Hommen studiert im 6. Fachsemester Medizin in Marburg und ist Mitglied im Sprecherrat der Medizinstudierenden.

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