Interview mit Dr. Roland Kaiser über seine Zeit als ärztlicher Geschäftsführer der LÄKH

Dr. Roland Kaiser hat lange Jahre erfolgreich die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) als ärztlicher Geschäftsführer mit geleitet. Ende Juni ist er in den Ruhestand gegangen. Wir haben ihn zu seiner Zeit in der LÄKH befragt, was seine Schwerpunktthemen waren und was er sich für die Zukunft der Ärzteschaft wünscht.

Seit 1999 arbeiten Sie in der LÄKH, was waren Ihre Aufgaben am Anfang?

Dr. Roland Kaiser: Ich bin als Referent für die „Qualitätssicherung, Versorgungsmanagement und Gesundheitsökonomie“ eingestellt worden. Diesen Bereich habe ich in den ersten Jahren zur gleichnamigen Stabsstelle aufgebaut und geleitet. Dann ergab sich die Vertretung des Hauptgeschäftsführers und seit April 2010 war ich ärztlicher Geschäftsführer der Landesärztekammer Hessen.

Was waren Ihre Schwerpunkte als Leiter der Stabsstelle?

Kaiser: In meiner Anfangszeit haben wir eine Befragung von Krankenhausärzten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu Arbeitszeiten, Überstunden und Bereitschaftsdiensten und zur Arbeitszufriedenheit  gemacht. Das war ein Thema, das vor allem bei den jungen Ärzten im Fokus stand, weshalb auch 50 Prozent an der Befragung teilgenommen hatten. In dem Bereich hat sich, nicht zu Letzt aufgrund der Arbeit des Marburger Bundes, seitdem viel verbessert. Es hat in den letzten Jahren viel positive Entwicklung gegeben und die Position der jungen Ärzte ist - auch aufgrund des Ärztemangels - heute sehr viel besser, als damals zu meinen Anfangszeiten. Auch die Stabsstelle Qualitätssicherung hat sich sehr gut entwickelt und mehr Mitarbeiter bekommen.

Wie ging es weiter?

Kaiser: Ein großes Thema war und sind die ärztlichen Arbeitsbedingungen und die Gewinnung und Qualifizierung ausreichenden ärztlichen Nachwuchses. Hierzu werden seit Jahren regelmäßig Befragungen von Studierenden bis zu Assistenzärzten durchgeführt. Wie stellen sie sich ihre Karriere vor? Wie ihre Weiterbildung? Das Ziel ist festzustellen, wie sich die Berufs- und Karriereplanung junger Ärztinnen und Ärzte verändert. Unter anderem soll dies auch mittelfristige Prognosen zur Arztzahlentwicklung in bestimmten Fachgebieten ermöglichen. Deshalb haben wir auch angefangen, ein Weiterbildungsregister aufzubauen.

Seit dem Jahr 2010 waren Sie ärztlicher Geschäftsführer. Was war Ihnen in dieser Zeit ein besonderes Anliegen?

Kaiser: Immer ein wichtiges Anliegen war mir neben den originär ärztlichen Belangen auch die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten. Mit der Carl-Oelemann-Schule sind wir in Hessen sehr gut aufgestellt.

Hinzu kommen Fortbildung und Weiterbildung für Ärzte. Es gehört zu den wichtigsten Pflichten der Kammer, bei neuen Anforderungen - z.B. Krankenhaushygiene, Antibiotic Stewardship oder genetische Beratungskompetenz - den Erwerb dieser Qualifikationen zu ermöglichen.

Was war Ihnen berufspolitisch wichtig?

Kaiser: Die Kooperation mit den Landesbehörden und hier natürlich vor allem dem Hessischen Sozialministerium, etwa in der Krankenhausplanung, hat in Hessen immer sehr gut funktioniert. Wir konnten vieles politisch einbringen oder auch manche falsche Entwicklung verhindern.

Ein großes Ereignis für die Kammer war natürlich im letzten Jahr der Deutsche Ärztetag in Frankfurt.

Was konnten Sie intern in der Kammer bewegen?

Kaiser: Mich hat immer sehr die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter der Kammer beschäftigt. Ich wünsche mir, dass dies auch in Zukunft so weiter geführt wird.

Was steht in Zukunft an?

Kaiser: Eine Aufgabe der näheren Zukunft ist der weitere Ausbau der Vertrauensstelle des hessischen Klinischen Krebsregisters. In diesem Bereich werde ich auch weiter beratend ehrenamtlich für die Kammer tätig sein.

Welche Verbindung haben Sie zum Marburger Bund?

Kaiser: Ich war nicht von Anfang an Mitglied, muss ich zugeben. Als ich anfing mich mit dem Thema Arbeitsbedingungen zu beschäftigen, kam ich mit dem Marburger Bund näher zusammen. Ich habe mich aber immer zurückgehalten mit meiner Verbindung zum Marburger Bund, da ich in der Kammer für alle Ärzte zuständig bin.  Ob ich mich nach meinem Ausscheiden aus der Kammer dort mehr engagiere, weiß ich noch nicht, denn mittlerweile gehöre ich ja auch schon zu den Dinosauriern und bin auch schon zu lange aus dem aktiven Krankenhausbetrieb raus.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft der Ärzteschaft?

Kaiser: Auf berufspolitischer Ebene wünsche ich mir mehr Einheit und gemeinsame Verantwortung der Ärzte. Derzeit versucht jeder seine Teilinteressen zu vertreten. Ein einheitliches Auftreten würde aus meiner Sicht den Einfluss der Kammer gegenüber der Politik stärken.

Für den Marburger Bund wünsche ich mir, dass er künftig in der Kammer wieder stärker vertreten ist.

In der Gesundheitspolitik sehe ich mit Sorge die Überbetonung der Ökonomie bei den Krankenhäusern. Das Krankenhaus primär als Profitcenter zu begreifen, ist eine schlechte Entwicklung. Es wird zu viel von schwarzen Nullen und zu wenig über den medizinischen Versorgungsauftrag geredet. Auch wenn sich in der aktuellen Diskussion Mindestmengen und Qualität erst einmal gut anhören, so geht auch diese Diskussion häufig in die gleiche falsche Richtung. Hier muss sich etwas ändern.

Dann hoffen wir,  dass Ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Dr. Roland Kaiser war von April 2010 bis Juni 2016 ärztlicher Geschäftsführer der LÄKH.

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